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Fairer Handel wächst – politischer Rückhalt bröckelt

Landfrau in Kenia. Foto © Monika Babski

Berlin. – Der Faire Handel in Deutschland verzeichnete 2024 ein starkes Wachstum: Der Umsatz stieg um 11 Prozent auf rund 2,6 Milliarden Euro – ein neuer Höchstwert. Haupttreiber waren höhere Absatzmengen bei Kernprodukten wie Kaffee und Schokolade, obwohl die Rohstoffpreise weiterhin hoch sind, meldet das Forum Fairer Handel (FFH) auf seiner Jahrespressekonferenz.

Fairer Handel steht für Verlässlichkeit in Krisenzeiten und für soziale sowie ökologische Verantwortung entlang globaler Lieferketten. Angesichts von Klimakrise, wachsender Ungleichheit und gesellschaftlicher Spaltung ist das heute wichtiger denn je“, betont Andrea Fütterer, Vorstandsvorsitzende des Forum Fairer Handel (FFH), bei der Jahrespressekonferenz.

Auch FFH-Geschäftsführer Matthias Fiedler hebt die Stabilität des Marktes hervor: „Die Zahlen des Geschäftsjahres 2024 zeigen: Fairer Handel bleibt gefragt – sogar in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten.“ So legte der Umsatz mit Fairtrade-gesiegelten Produkten um 13 Prozent zu. Die anerkannten Fair-Handels-Unternehmen steigerten ihre Umsätze um rund 9 Prozent. Weltläden und Weltgruppen konnten ihr Vorjahresniveau halten – trotz schwieriger Bedingungen im stationären Einzelhandel. Pro Kopf gaben Verbraucher*innen in Deutschland im Schnitt 31 Euro für fair gehandelte Produkte aus – verglichen mit Nachbarländern wie der Schweiz oder Österreich noch ausbaufähig.

Rückschritte bei politischer Unterstützung

Trotz wachsender Nachfrage sieht das FFH die politische Unterstützung schwinden. „Während die Absätze der wichtigsten Produktkategorien im Fairen Handel allesamt gestiegen sind und die Unterstützung für Themen der Nachhaltigkeit in der Bevölkerung wächst, gibt es von politischer Seite wieder starken Gegenwind“, kritisiert Andrea Fütterer. Besonders die Lieferkettengesetze geraten unter Druck.

Matthias Fiedler warnt: „Die Lieferkettengesetze in Deutschland und der EU sind wichtige Meilensteine für die Durchsetzung unternehmerischer Sorgfaltspflichten, doch sie stehen aktuell massiv unter Druck.“ Für ihn steht fest: „Verantwortungsvolles Unternehmertum darf nicht als bürokratisches Hindernis abgetan werden, sondern muss als das begriffen werden, was es ist: die Verpflichtung von Unternehmen, Menschenrechte und ökologische Standards einzuhalten. Das geht nur, wenn alle mitmachen und deshalb braucht es starke Regeln für Unternehmen.“

Wertschöpfung fair verteilen

Eine dieser „starken Regeln“ sei laut Fiedler auch die Begrenzung der Machtkonzentration im Lebensmitteleinzelhandel. Viele Produzent*innen seien abhängig von wenigen Abnehmern – ein strukturelles Problem, das unfaire Handelspraktiken und Preisdruck begünstige.

Ein Beispiel ist der Kaffeesektor: Trotz hoher Weltmarktpreise bleibe die Position der Erzeuger*innen schwach. Andrea Fütterer unterstreicht: „Unsere Handelspartner wünschen sich für die Zukunft vor allem mehr Stabilität und größere Absätze über den Fairen Handel. Und sie wünschen sich die ideelle und finanzielle Anerkennung der großen Anstrengungen und Mehrleistungen, mit denen sie zu Umweltschutz, Ernährungs- und Zukunftssicherung für uns alle beitragen.“

Faires Wirtschaften braucht politische Unterstützung

Trotz politischer und wirtschaftlicher Herausforderungen blickt die Branche nach vorn. „Unsere Branche zeigt tagtäglich, dass faires Wirtschaften möglich ist“, so Fütterer. „Aber es braucht mehr: Mehr zukunftsfähige Politik, mehr Unterstützung für gemeinwohlorientierte Unternehmen und mehr Orte, an denen gerechter Wandel konkret erlebbar wird.“

Quelle: www.forum-fairer-handel.de

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