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Brot für die Welt kritisiert Einschnitte im Entwicklungshaushalt

Cover Jahresbericht 2024 Brot für die Welt. Screenshot: epo.de

Berlin. – Nach dem Kabinettsbeschluss für den Bundeshaushalt 2026 schlägt Brot für die Welt Alarm: Die geplanten Kürzungen in der Entwicklungszusammenarbeit seien nicht nur verantwortungslos, sondern lebensgefährdend für Millionen Menschen weltweit. Präsidentin Dagmar Pruin warnte bei der Vorstellung des aktuellen Jahresberichts in Berlin:

„Diese erneuten Kürzungen bei der internationalen Zusammenarbeit sind vollkommen falsch und müssen zurückgenommen werden. Sie gefährden Millionen Menschenleben.“

Dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) sollen im kommenden Jahr nur noch 9,94 Milliarden Euro zur Verfügung stehen, fast ein Drittel weniger als 2022. Gleichzeitig sinkt die sogenannte ODA-Quote erneut unter die international vereinbarten 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens. Ein Großteil dieser Mittel bleibt ohnehin in Deutschland, vor allem zur Finanzierung der inländischen Geflüchtetenhilfe.

„Während die Mittel für die Entwicklungszusammenarbeit Jahr für Jahr geschleift werden, hungern weltweit über 700 Millionen Menschen! Kein Rückzug, sondern mehr Verantwortung muss die Antwort darauf sein“, so Pruin weiter.

Entwicklungszusammenarbeit ist Friedenspolitik

Brot für die Welt erinnert an die Erfolge, die durch jahrzehntelange entwicklungspolitische Arbeit erzielt wurden. So habe sich etwa die Sterblichkeitsrate von Kindern unter fünf Jahren weltweit halbiert – dank besserer Gesundheitsversorgung.

„Diese lebensrettende Erfolgsgeschichte darf nicht einem kurzsichtigen Sparkurs geopfert werden“, mahnte Pruin.

Entwicklungspolitik sei heute weit mehr als Armutsbekämpfung: Sie stärke sozialen Zusammenhalt, sichere Frieden und schaffe Perspektiven. Ein Beispiel dafür sei die Arbeit einer Partnerorganisation in der Demokratischen Republik Kongo, die jungen Menschen Ausbildungen in Landwirtschaft und Handwerk ermöglicht, oft die einzige Alternative zum bewaffneten Kampf in Milizen.

Globale Ungleichheit wächst – Brot für die Welt fordert Milliardärssteuer

Kritik äußerte Pruin auch an der wachsenden sozialen Ungleichheit weltweit:

„Während das Gesamtvermögen der weltweit fast 3.000 Milliardär*innen allein 2024 auf rund 15 Billionen stieg, kämpfen fast 3,6 Milliarden Menschen mit weniger als 6,85 US-Dollar am Tag ums Überleben.“

Brot für die Welt fordert deshalb konkrete Schritte: Eine globale Milliardärssteuer, umfassende Entschuldungsprogramme und Reformen der internationalen Finanzarchitektur.

„Eine Milliardärssteuer ist wirksam und fair. Sie ist kein radikales Experiment, sondern längst überfällig. Was jetzt zählt, ist politischer Mut – insbesondere von Ländern wie Deutschland.“

Allein drei Milliarden Menschen leben laut Brot für die Welt in Ländern, die mehr Geld für Zinszahlungen als für Gesundheit oder Bildung ausgeben. „Das geht nicht!“, betonte Pruin.

Zivilgesellschaft zeigt Haltung

Trotz der politischen Rückschläge zeigt sich Pruin zuversichtlich – auch dank der Unterstützung durch die Spender*innen:

„Es stimmt mich zuversichtlich, dass so viele Menschen in diesen finanziell herausfordernden Zeiten eine klare Haltung zeigen. Sie wollen, dass Menschen in ärmeren Ländern ihre Potenziale entfalten und selbstbestimmt leben können.“

2024 standen Brot für die Welt laut Jahresbilanz insgesamt 332,3 Millionen Euro zur Verfügung, davon rund 73,9 Millionen aus Spenden und Kollekten. Mit diesen Mitteln wurden weltweit 2.919 Projekte in Afrika, Asien und Lateinamerika gefördert. Über 90 Prozent der Mittel flossen direkt in die Arbeit der Partnerorganisationen – nur etwa 9 Prozent entfielen auf Werbung und Verwaltung, was das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) weiterhin als „niedrig“ bewertet.

Warnung vor politischem Zynismus

Mit Blick auf die innenpolitische Debatte kritisierte Pruin scharf die gezielte Stimmungsmache gegen Entwicklungszusammenarbeit:

„Diesen Diskurs befeuern Rechtsextreme und populistische Parteien. Inzwischen spielen aber leider auch Akteure aus der politischen Mitte dieses zynische Spiel mit.“

Brot für die Welt fordert daher: keine Kürzungspolitik auf dem Rücken der Ärmsten, sondern mehr Mut zu globaler Gerechtigkeit.

Quelle: www.brot-fuer-die-welt.de

Foto: Brot für die Welt Jahresbericht 2024. Screenshot by epo.de

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