
Die Beschuldigten sind Ahmad Harun, ehemaliger sudanesischer Innenminster, der verantwortlich gemacht wird für die Rekrutierung von Janjaweed-Milizionären, und Ali Kushayb, oberster Janjaweed-Kommandeur in West-Darfur (derzeit in Haft in Sudan). Beiden wird vorgeworfen, verantwortlich zu sein für eine große Anzahl von Verbrechen gegen die Menschlichkeit bei gemeinsamen Angriffen von Sudanesischer Armee und Janjaweed auf vier Dörfer und Städte in West Dafur. Die insgesamt 51 Anklagepunkte schließen Vergewaltigung, Mord, Verfolgung, Folter, Vertreibungen, Eigentumszerstörung, Plünderungen, unmenschliche Behandlung, unrechtmäßige Gefangennahme und vieles mehr ein.
medica mondiale begrüßte in Köln, dass „die Verbrechen an Frauen im Sudan endlich vor dem ICC verhandelt werden sollen“. Gleichzeitig kritisierte die Organisation, dass Okampo bislang „nicht für eine kohärente Ermittlungs- und Anklagestrategie im Hinblick auf sexualisierte Gewaltverbrechen“ gesorgt habe. Dies könne nur durch eine mit weitgehenden Befugnissen ausgestattete Gender-Bevollmächtigte gewährleistet werden. Die hierzu ausgeschriebene Stelle sei im letzten Jahr ohne Angabe von Gründen wieder gestrichen worden. Sexualisierte Gewalt, so medica mondiale, sei jedoch kein Nebenschauplatz, sondern zentral in allen aktuellen Kriegen.
medica mondiale forderte Okampo auf, die Stelle erneut auszuschreiben, um der wachsenden Sexualisierung von Kriegsgewalt, die sich in erster Linie gegen Frauen und Mädchen richte und generationsübergreifende Folgen habe, auch in der Strafverfolgung den richtigen Stellenwert zu geben. Darüber hinaus mahnte medica dringend an, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen und die Zeuginnen umfassend über ihre Rechte zu informieren und entsprechend ihrem Willen und Wünschen zu schützen. Die Erfahrungen des Jugoaslawien- und Ruanda-Tribunals hätten gezeigt, dass gerade Frauen, die zu Vergewaltigungen ausgesagt haben, rasch identifizierbar und in ihrer eigenen Gesellschaft mannigfaltigen Diskriminierungen ausgesetzt seien.




