Die neue Pressesprecherin und Leiterin des Pressereferats im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) heißt Aline Abboud. Am 18. August übernimmt die in Leipzig geborene Tochter einer deutschen Apothekerin und eines libanesischen Fotografen den Posten, der nicht einfach werden dürfte. Denn der Etat des BMZ wurde von der Regierung Merz ordentlich eingedampft. In der veröffentlichten Meinung wächst zudem die Kritik an angeblich zu hoher oder überflüssiger „Entwicklungshilfe“. Ebenso wie Enwicklungsministerin Reem Alabali Radovan (SPD), mit der sie sich auf Arabisch unterhalten kann, wird sie sich in die Feinheiten der Entwicklungszusammenarbeit noch einarbeiten müssen. Ihre Berufung zur BMZ-Sprecherin kommentierte sie mit den Worten: „Nein, ich kann es immer noch nicht fassen🤯!“
Aline Abboud ist in Berlin-Pankow aufgewachsen. Die die 37-jährige studierte Arabistik an der Universität Leipzig, in Istanbul und Beirut und hat einen Abschluss als Master of Arts. Sie ist Mutter einer Tochter und vor allem auf Instagram medial präsent. Ihr Account „alineabboudtv“ gibt ihr Motto und ihre frühere Beschäftigung preis: „𝗠𝗮𝗻𝗰𝗵𝗺𝗮𝗹 𝗺𝘂𝘀𝘀 𝗺𝗮𝗻 𝗱𝗶𝗲 𝗥𝗶𝗰𝗵𝘁𝘂𝗻𝗴 ä𝗻𝗱𝗲𝗿𝗻, 𝘂𝗺 𝗱𝗲𝗻 𝗲𝗶𝗴𝗲𝗻𝗲𝗻 𝗪𝗲𝗴 𝘇𝘂 𝗳𝗶𝗻𝗱𝗲𝗻.“
Auf Medien-Praktika während des Studiums folgte ein Volontariat beim Deutschen Bundestag, darauf eine Anstellung beim ZDF, zuletzt als Moderatorin für heute Xpress. In ihrer neuen Position wird sie hoffentlich mitteilungsfreudiger sein als die derzeitige BMZ-Presseabteilung, die sie mit einem dürren Satz ankündigte: „Von 2021 bis 2024 war Aline Abboud Teil des Moderator*innen-Teams der ARD-‚Tagesthemen‘ sowie von ‚tagesschau24‘. Zuvor arbeitete sie als Redakteurin und Moderatorin bei Nachrichtenformaten des ZDF.“
Warum Aline Abboud einen schwierigen Job antritt, lässt sich an einem aktuellen Beispiel erklären: Einer von uns kommentierten Pressemitteilung des BMZ mit Zitaten der Ministerin vom 8. August (für die Frau Abboud noch nicht verantwortlich gemacht werden kann):
BMZ: „Mit der Aussetzung von Waffenlieferungen, die in Gaza eingesetzt werden können, zieht die Bundesregierung die notwendigen Konsequenzen aus den jüngsten Entscheidungen der israelischen Regierung. Das unterstütze ich nachdrücklich.“
Redaktion: Welche Waffen können denn in Gaza nicht eingesetzt werden? (U-Boote? „U-Boote halfen bekanntlich nicht, den Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober 2023 zu stoppen oder gar zu verhindern“, so ein NDR-Beitrag zur Korruption in der Nethanyahu-Regierung. „Die Korvetten, von denen Thyssenkrupp vier an Israel lieferte, halfen dann allerdings dabei, Gaza in einen Trümmerhaufen mit darunter liegendem Massengrab zu verwandeln. Netanjahu trägt die Verantwortung.“)
BMZ: „Die Bundesregierung hat sich deutlich positioniert. Die Menschen in Gaza müssen umgehend Hilfe erhalten. Eine Annexion des Gaza-Streifens oder Vertreibung der Menschen aus Gaza sind inakzeptabel. Es braucht einen sofortigen Waffenstillstand.“
Redaktion: Man kann sich deutlicher als Friedrich Merz postionieren, der monatelang verhindert hat, dass die EU mit einer Stimme spricht. Während die Bundesregierung die deutsche Nibelungentreue zu Israel („Staatsräson“) beschwört, schafft Nethanyahu Tatsachen. Er macht für uns die „Drecksarbeit„, wie sich Merz auszudrücken pflegt.
Gerade jetzt müssen wir jede Chance auf eine Zwei-Staaten-Lösung wahren. Der Wiederaufbau in Gaza wird entscheidend sein, sobald die Lage vor Ort es zulässt. Deutschland wird hierbei Verantwortung übernehmen – als Mitausrichter einer internationalen Wiederaufbaukonferenz und als Partner für ein Leben in Würde und Sicherheit für alle Menschen in der Region.
Redaktion: Die Zwei-Staaten-Lösung ist längst keine Option mehr, zumal eine Mehrheit der israelischen Bevölkerung offenbar hinter dem Plan steht, die Palästinenserfrage ein für allemal zu „lösen“. Während der Gazastreifen von den israelischen Streifkräften „kontrolliert“ und „ethnisch gesäubert“ wird, vertreiben israelische Siedler mit staatlicher Unterstützung immer mehr Palästinenser im Westjordanland. Und warum deutsche Steuerzahler Waffenexporte für Israels völkerrechtswidrigen Angriffe auf die Zivilbevölkerung Gazas finanzieren müssen, um anschließend den „Wiederaufbau“ des fast komplett zerstörte Gaza mit Steuergeldern mitzutragen, erschließt sich nur Politikern.
BMZ: „Klar ist auch: Die Hamas muss alle Geiseln freilassen und den Terror gegen Israel beenden. In einem zukünftigen Gaza darf für die Hamas kein Platz sein. Gleichzeitig muss Israel umgehend uneingeschränkte humanitäre Hilfslieferungen über die Vereinten Nationen zulassen.“
Redaktion: Leider werden weder die Hamas noch Israel auf die deutsche Bundesregierung hören. Und letztere hört leider nicht auf das BMZ.
Foto: Aline Abboud. Screenshot der Website der Akademie für Publizistik by epo.de






