Genf. – Die Verhandlungen für ein globales Plastikmüll-Abkommen in Genf sind gescheitert. Die Delegierten aus 184 Staaten versuchten seit 5. August, einen Vertrag zur Beendigung der Plastikverschmutzung abzuschließen und ein weiteres Ansteigen der Kunststoffproduktion zu verhindern. Luis Vayas Valdivieso, der Vorsitzende des Verhandlungskomitees, hatte zwei Vertragsentwürfe präsentiert. Die Delegierten lehnten es jodoch ab, eines der beiden Dokumente als Grundlage für ihre Verhandlungen zu nutzen. Ohne eine solche Übereinkunft wird sich der Plastikmüll bis 2060 verdreifachen, prognostiziert das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP).
Der Ecuadorianer Luis Vayas Valdivieso, Vorsitzender des Verhandlungskomitees, sagte am Freitagmorgen, es seien keine weiteren Diskussionen über den letzten Vertragsentwurf vorgesehen. Die Delegierten seien aber noch in Gesprächen. Am Nachmittag kam die Meldung des Earth Negotiations Bulletin (ENB), dass die Tagung beendet sei und der Vertragsabschluss auf einen neuen Termin verschoben wird.
Die Delegation von Palau erklärte als Vertreterin für 39 kleine Inselstaaten, man sie frustriert darüber, dass Ressourcen und Personal in Diskussionen investiert werden müssten, die mit unzureichenden Ergebnisen endeten. Letztlich müssten die kleinen Inselstaaten die Hauptlast der Umweltkrise tragen, zu der sie nur einen minimalen Beitrag leisteten.
Vertreter Norwegens, Australiens, Tuvalus und anderer Länder sagten, sie seien zutiefst enttäuscht, Genf ohne Vertrag zu verlassen. Die EU-Kommissarin Jessika Roswall sagte, die EU und ihre Mitgliedsstaaten hätten höhere Erwartungen an dieses Treffen gehabt. „Die Erde gehört nicht nur uns. Wir sind Verwalter für diejenigen, die nach uns kommen. Lassen Sie uns diese Aufgabe erfüllen“, sagte sie.
Der Entwurf, der am frühen Freitag veröffentlicht wurde, enthielt keine Begrenzung der Kunststoffproduktion, hielt aber fest, dass das derzeitige Produktions- und Verbrauchsniveau „nicht nachhaltig“ sei und globales Handeln erfordere.
Saudi-Arabien erklärte, beide Entwürfe seien nicht ausgewogen. Ebenso wie Kuwait und andere erdölproduzierende Länder betrachtet Saudi-Arabien das Ausmaß der Kunststoffproduktion nicht als Gegenstand der Verhandlungen.
Mehr als 100 Millionen Tonnen Plastikabfälle im Meer
Verhandelt wird im Rahmen der sperrigen Bezeichnung „Intergovernmental Negotiating Committee to develop an international legally binding instrument on plastic pollution, including in the marine environment„. Neben den offiziellen Delegationen sind bei der Konferenz 1.900 weitere Teilnehmer dabei, darunter 618 Beobachter-Organisationen sowie Wissenschaftler, Umweltschützer und Lobbyisten.
Die von UNEP geleiteten Gespräche gehen auf eine Entscheidung der Mitgliedstaaten im Jahr 2022 zurück. Innerhalb von zwei Jahren sollte ein international rechtsverbindliches Instrument zur Beendigung der Plastikverschmutzung erreicht werden, lautete der damalige Beschluss. Bereits 1989 war in Basel ein „Übereinkommen über die Kontrolle der grenzüberschreitenden Verbringung gefährlicher Abfälle und ihrer Entsorgung“ geschlossen worden. Mit der Basler Konvention wurden erstmals weltweit geltende Regelungen über Zulässigkeit und Kontrolle von Exporten gefährlicher Abfälle getroffen.
Das Ausmaß des Problems ist immens: Strohhalme, Plastikgeschirr, Tragetaschen, Kosmetika und viele weitere Produkte, die im Alltag verwendet werden, enthalten winzige Plastikanteile. Bislang wird nur ein Bruchteil des anfallenden Plastikmülls in Einwegprodukten recycelt. Der Rest landet in Deponien oder in unseren Ozeanen. Bisher sind mehr als 100 Millionen Tonnen Plastikmüll ins Meer gelangt, wo die Plastikabfälle inzwischen riesige Strudel bilden. Viele der zur Kunststoffherstellung verwendeten Zusätze sind nachweislich gesundheitsschädlich. Manche Bestandteile sind hormonell wirksam und werden über die Haut, durch Einatmen oder über die menschliche Nahrung aufgenommen.
Plastik wird in riesigen Mengen gehandelt. Deutschland gehört zu den wichtigsten Exporteuren; ein Großteil der Plastikabfälle landet in ärmeren Ländern Afrikas und Südostasiens. Im Jahr 2022 wurden rund 745.100 Tonnen Kunststoffabfälle ausgeführt. Laut Statistischem Bundesamt (Destatis) wurde die Menge der exportierten Kunststoffabfälle in den letzten zehn Jahren aber mehr als halbiert. Ein Grund dafür sind Einfuhrbeschränkungen einiger asiatischer Länder für Plastikmüll. 2012 waren noch gut 1,5 Millionen Tonnen aus Deutschland exportiert worden.
Quellen: Nachrichtenagenturen | epo-Archiv







