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China startet Staudamm-Megaprojekt in Tibet

Der 7782 Meter hohe Namjagbarwa (Namcha Barwa) im Kreis Medong, China. By JL Cogburn, CC BY-SA 2.0, , via Wikimedia Commons

Berlin. – China hat offiziell mit dem Bau des weltweit größten Wasserkraftwerks auf dem Tibetischen Plateau begonnen. Der Staudamm entsteht am Fluss Yarlung Tsangpo in Medog, einem Gebiet nahe der umstrittenen Grenze zu Indien. Der Damm soll die gewaltige Wasserkraft einer steilen Schlucht nutzen, in die der Yarlung Tsangpo auf einer Strecke von 50 Kilometern rund 2.000 Meter abfällt. Das Megaprojekt werde rund 1,2 Billionen Yuan (167 Milliarden US-Dollar) kosten, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua. Nach der Fertigstellung soll es bis zu 300 Milliarden Kilowattstunden Strom pro Jahr produzieren, dreimal so viel wie der Drei-Schluchten-Staudamm am Jangtse.

Der Yarlung Tsangpo fließt nach Indien und wird dort zum Brahmaputra. Dieser mündet in Bangladesch ins Meer. Das Vorhaben könnte die Spannungen mit Indien verschärfen. Immer wieder flammen teilweise gewaltsam ausgetragene Grenzstreitigkeiten zwischen China und Indien auf. In Indien und Bangledesch gibt es zudem Bedenken hinsichtlich der Auswirkungen auf die Umwelt und die Wasserversorgung.

Das geplante Wasserkraftwerk soll einmal 60.000 Megawatt (MW) Leistung erzeugen Die chinesische Regierung investiert mehr als eine Billion Yuan (137 Milliarden US-Dollar in das Projekt. Der kommerzielle Betrieb soll 2033 beginnen.

Umsiedlungen und Umweltschäden befürchtet

Für den Drei-Schluchten-Staudamm mussten 1,4 Millionen Menschen umgesiedelt werden. Da die Region Medong dünner besiedelt ist, wird mit weniger Betroffenen gerechnet. Das Projekt stieß jedoch auf den Widerstand von Umweltorganisationen, die negative Auswirkungen auf die Artenvielfalt des tibetischen Plateaus und die Menschen flussabwärts befürchten . Der Projektstandort liegt in einer seismisch aktiven Zone, die anfällig für Erdrutsche und Schlammlawinen ist. Die aufgestauten Wassermassen könnten die geologische Stabilität beeinflussen. Die steile, schmale Schlucht, in die der Yarlung Tsangpo stürzt, liegt in einem Naturschutzgebiet, die für ihre Artenvielfalt bekannt ist.

Der ehrgeizige Plan der chinesischen Regierung mit dem Staudamm läuft darauf hinaus, das Land unabhängiger von der Kohle zu machen. Da China bis 2060 CO₂-neutral sein will, soll der Damm ein wichtiger Baustein hin zu einer autarken Energieversorgung sein. Die 1,4 Milliarden Chinesen werden noch zu 25% mit Energie aus dem Ausland versorgt. Trotz riesiger Fortschritte bei der Nutzung erneuerbarer Energien kommt noch etwa die Hälfte der Energie von fossilen Brennstoffen.

Chinas Führung setzt zudem auf zusätzliche Anreize für die Wirtschaft durch das Medog-Projekt, die sich auch in Form von Arbeitsplätzen auszahlen könnten. Lin Minwang, stellvertretender Direktor des Zentrums für Südasienstudien der Fudan-Universität, erwartet, dass der Damm mehr als hunderttausend Menschen in die Region bringen könnte.

Foto: Der 7782 Meter hohe Namjagbarwa (Namcha Barwa) im Kreis Medong, China. By JL Cogburn, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons

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