Start / Weltordnung / Die US-Sanktionen und die ökonomische Krise in Venezuela

Die US-Sanktionen und die ökonomische Krise in Venezuela

USA Kopfgeld auf Venzuelas Präsident Maduro

Die Anzeichen mehren sich, dass die US-Regierung einen Regimewechsel in Venezuela provozieren will. Kürzlich hat sie das Kopfgeld für die Ergreifung Venezuelas Präsident Nicolás Maduro auf 50 Millionen US-Dollar erhöht. Am Mittwoch entsandten die USA Kriegsschiffe vor die Küste Venezuelas. Machthaber Maduro konterte mit der Mobilisilerung von 4,5 Millionen Reservisten. Die angespannten Beziehungen zwischen beiden Ländern seien auf einem neuen Höhepunkt angelangt, urteilt das Quincy Institute for Responsible Statecraft in Washington D.C., ein Think Tank, der für seine kritische Haltung gegenüber der US-Außenpolitik bekannt ist. Die US-Sanktionen seien aber nur ein Baustein zum Niedergang der venezolanischen Wirtschaft, die um 70 % eingebrochen ist.

Das „Bureau of International Narcotics and Law Enforcement Affairs„, das im State Department angesiedelt ist, hat nach eigene Angaben die Aufgabe, „die Amerikaner zu schützen, indem Verbrechen, illegale Drogen und Instabilität im Ausland (!) entgegenwirkt wird„. Es hat das bereits bestehende Kopfgeld auf Maduro auf 50.000 Dollar erhöht. Der Vorwurf: „Verschwörung zum Drogen-Terrorismus“, Verschwörung zum Import von Kokain“, „Verschwörung zum Gebrauch von Maschinengewehren und anderer destruktiver Geräte, um ein Drogenverbrechen zu begehen“. Vertrauliche Hinweise zu Ergreifung des Gesuchten können an die Mailadresse CartelSolesTips@dea.gov gesendet werden.

Justizministerin Pam Bondi erklärte, das Ministerium habe Vermögenswerte im Wert von mehr als 700 Millionen US-Dollar beschlagnahmt, die mit Maduro in Verbindung stünden – darunter zwei Privatjets. Zudem seien große Mengen beschlagnahmtes Kokain direkt auf den Politiker zurückzuführen gewesen, behauptete sie.

Das Kopfgeld auf Maduro ist nur ein Beispiel für die Anstrengungen der USA, mit allen Mitteln und notfalls mit Gewalt Einfluss auf das Schicksal anderer Nationen zu nehmen, so das Qincy Institute. Es fordert ein fundamentales Umdenken in der US-Außenpolitik, weist aber selbst daraufhin, warum dies schwierig ist: Der Einfluss des militärisch-industriellen Komplexes, vor dem selbst der General und Präsident Eisenhower 1961 gewarnt hatte, verhindert eine offene Debatte über die Grundannahmen der US-Außenpolitik. Die Einsicht, dass im 21. Jahrhundert eine multi-polare Welt im Entstehen begriffen ist, ist in den Köpfen der Verantwortlichen noch nicht angekommen:

„The practical and moral failures of U.S. efforts to unilaterally shape the destiny of other nations by force requires a fundamental rethinking of U.S. foreign policy assumptions. So does the emergence of a multi-polar world in the 21st century where economic power is more evenly shared across nations. Yet the influence of the “military industrial complex” that President Eisenhower warned of has led to a situation where the foreign policy debate within Washington is intentionally constrained and fails to incorporate the diversity of views needed for that rethinking.“ – Qincy Institute

Die US-Sanktionen und die politische Polarisierung im Land trugen dazu bei, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des südamerikanischen Staates um mehr als 70% eingebrochen ist, so die Analyse des Qincy Institute. Der wirtschaftliche Kollaps Venezuelas zeige jedoch vor allem die Risiken einer langfristigen Abhängigkeit von Rohstoffexporten auf.

Venezuela verfügt über die größten nachgewiesenen Erdölreserven der Welt. Dank des Öl-Booms erreichte das südamerikanische Land 1957 die Hälfte des Bruttoinlandsprodukts pro Kopf der USA. Doch die einseitige Ausrichtung auf die Exportwirtschaft und der Verfall des Ölpreises führten dazu, dass Venezuela 1998 nur noch 15% des BIP pro Kopf der USA hatte.

Heute ist das Land von Hyperinflation, Versorgungsengpässen und Hungersnöten geprägt. Nichts macht den Niedergang der venezolanischen Wirtschaft deutlicher als die Tatsache, dass ab dem Sommer 2018 nicht mehr die Erdölexporte, sondern die Rücküberweisungen der ins Ausland geflüchteten Venezolaner an ihre Familien die wichtigste Finanzierungsquelle des Landes waren.

Quellen: quincyinst.org | state.gov | wikipedia.org

Markiert:

Login

Neue Jobs bei epojobs.eu

Bannerwerbung

GNE Banner

Newsletter abonnieren!

Subscription Form

Events

Anstehende Events

Tags

Afrika Armut Bildung BMZ Brasilien CO2 Coronavirus Deutschland Entwicklungsfinanzierung Entwicklungshilfe Entwicklungspolitik Entwicklungszusammenarbeit Ernährung Europäische Union EZ Fairer Handel Flüchtlinge Gesundheit Humanitäre Hilfe Hunger Jemen Katastrophen Kinder Klimagipfel Klimakrise Klimaschutz Kolumbien Konflikte Kriege und Konflikte Landwirtschaft Medien Menschenrechte Migration Nachhaltigkeit Nothilfe Oxfam Pressefreiheit Sudan Syrien Umwelt UNO USA Venezuela Wahlen Weltwirtschaft