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Syrien: Angriffe auf Drusen und Alawiten halten an

Syriens Hauptstadt Damaskus. Foto: © Vyacheslav Argenberg, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons

Göttingen. – Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) macht auf das Schicksal der alawitischen und drusischen Religionsgemeinschaften in Syrien aufmerksam. „Seit dem Sturz des Assad-Regimes im Dezember 2024 vergeht kein Tag, an dem Angehörige der alawitischen und der drusischen Minderheit nicht Opfer blinder, religiös motivierter Gewalt werden“, berichtete GfbV-Nahostreferent Dr. Kamal Sido am Donnerstag.

Nach Angaben des Menschenrechtlers werden Gebiete, in denen Minderheiten leben, gezielt angegriffen. Im vergangenen März seien Tausende unschuldige Alawiten von den „Sicherheitskräften“ des neuen Regimes und anderen islamistischen Milizen gezielt getötet worden. Diese Angriffe gingen unvermindert weiter. So sei das Dorf Qaniyat al-Asi nördlich von Homs in Zentralsyrien am Abend des 4. August 2025 angegriffen worden.

„Ziel des Angriffs, bei dem Granaten und Maschinengewehren eingesetzt wurden, war unter anderem das Haus von Muhammad Jihad al-Asaad. Seine Kinder Dalaa (14) und Natalie (7) wurden getötet. Ein weiteres Kind, Bisan (5), und ein Nachbar namens Iyad Barboura wurden schwer verletzt. Alle sind Angehörige der alawitischen Minderheit“, so GfbV-Referent Sido. Das Dorf sei bereits zuvor angegriffen worden. Am Dorfeingang befinde sich ein Kontrollpunkt der sogenannten „Allgemeinen Sicherheit“, die dem neuen islamistischen Regime in Syrien unterstellt ist.

„Als ich im April dieses Jahres Syrien bereist habe, habe ich selbst erlebt, dass kein Mensch ohne die Kenntnis der ‚Sicherheitskräfte‘ des Regimes von Dorf zu Dorf fahren kann. Dennoch behauptet das Informationsministerium in Damaskus nach jedem Angriff auf Angehörige von Minderheiten, die Täter seien unbekannt. Diese Aussage wird von ausländischen Regierungen und Medien nicht ausreichend hinterfragt. Es ist abwegig, dass schweres Gerät wie Granatwerfer und Maschinengewehre in der Nähe eines Kontrollpunkts in Stellung gebracht werden und die ganze Nacht lang Häuser der Alawiten beschossen werden, ohne dass die anwesenden Sicherheitskräfte der Regierung dies mitbekommen.“ – Dr. Kamal Sido

Auch die drusische Bevölkerung werde immer wieder gezielt angegriffen. Ende Juli seien zwei junge Männer vor ihrem Geschäft in Barzeh in Damaskus getötet worden: Duraid Hashem Al-Shabli Azzam, der von Beruf Medientechniker war, und sein Bruder Muhannad, der kurz zuvor aus dem Ausland eingereist war, um seine Familie zu besuchen. „Die öffentliche Tötung von Drusen ist im Süden von Damaskus an der Tagesordnung. Nachts verlässt niemand das Haus“, sagt der Nahostreferent.

Laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte (SOHR) mit Sitz in Großbritannien, einer Partnerorganisation der GfbV, wurden seit Beginn des Massakers von al-Suwaida am 13. Juli 2025 mindestens 1.520 Menschen getötet. Mindestens 300 Mitglieder der drusischen Gemeinschaft wurden demnach öffentlich von Regierungstruppen und ihren Hilfstruppen hingerichtet. Diese Massaker werden von Alawiten und Drusen als versuchter Völkermord bezeichnet, denn diesen Massenmorden gingen Aufrufe zur Ausrottung dieser Minderheiten und ihre Klassifizierung als „Assad-Anhänger“ oder „Agenten der Juden und Israels“ voraus.

Weltweit gibt es schätzungsweise eine Million Drusen, von denen die Mehrheit in Syrien, dem Libanon, Israel und Jordanien lebt. Arabischsprachige Alawiten leben vor allem in Syrien, wo sie 10 bis 15 Prozent der Bevölkerung ausmachen, sowie in der Türkei und im Libanon.

Foto: Syriens Hauptstadt Damaskus. © Vyacheslav Argenberg, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons

Quelle: gfbv.de

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