Kyjiw/Berlin. – Die humanitäre Lage in der Ostukraine hat sich durch intensive Kampfhandlungen und den Vormarsch russischer Truppen in der Region Donezk dramatisch verschärft. Aktion gegen den Hunger reagiert darauf mit einer Ausweitung ihrer Nothilfemaßnahmen.
Die Sicherheitslage hat sich seit Ende Juli deutlich verschlechtert. Russische Streitkräfte erzielen erhebliche Geländegewinne, dicht besiedelte Gebiete sind zunehmend gefährdet. Am 24. Juli ordneten die ukrainischen Behörden eine verpflichtende Evakuierung an, woraufhin die Zahl der Vertriebenen sprunghaft anstieg: Zwischen dem 1. und 10. August wurden mehr als 14.000 Menschen evakuiert – Tendenz steigend.
Im Transitzentrum Pawlohrad stieg die Zahl der täglichen Ankünfte von zehn bis 40 Personen Anfang Juli auf mehr als 300 im August. Die ukrainischen Behörden eröffneten zusätzliche Transitzentren, um der steigenden Zahl der Vertriebenen gerecht zu werden.
„Die meisten Evakuierten kommen aus aktiven Kampfzonen, oft mit nichts als dem, was sie tragen können. Sie haben kein Geld und kein Einkommen, keine Lebensmittel, keine Haushaltsgegenstände – und sie benötigen dringend psychologische Unterstützung“, erklärt Ionuț Raita, Landesdirektor von Aktion gegen den Hunger in der Ukraine.
Als Antwort darauf startete Aktion gegen den Hunger eine schnelle Verteilung von Mehrzweck-Bargeldhilfe (MPCA), um mehr als 1.500 neu vertriebene Personen zu unterstützen. Diese Maßnahme ist Teil einer umfassenderen humanitären Hilfe, die vom Bureau for Humanitarian Assistance (BHA) unterstützt wird.
Besonders Kinder und Familien werden frühzeitig evakuiert, doch aktuelle Vertreibungsmuster lassen auf eine bevorstehende größere Welle erwachsener Evakuierter schließen. Laut Schätzungen des UN-Büros für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) könnten in den kommenden Wochen bis zu 43.500 weitere Menschen vertrieben werden.
Dank zusätzlicher Mittel der Schwedischen Agentur für internationale Entwicklungszusammenarbeit (SIDA) kann Aktion gegen den Hunger die Hilfe für weitere 600 Menschen bis Ende August verlängern. Dennoch bleibt die Lage angespannt: „Seit Mitte August reichen die verfügbaren Ressourcen nicht mehr aus. Mehrere Organisationen mussten ihre Hilfe einstellen“, warnt Raita.
Die geplante Eröffnung eines zweiten Transitzentrums in Synelnykowe wurde nach einem Angriff auf das Gelände am 9. August abgesagt. Ohne alternative Einrichtungen bleibt der Druck auf das Zentrum in Pawlohrad kritisch – viele Familien laufen Gefahr, keine Hilfe zu erhalten.
Gezielte Angriffe auf zivile Infrastruktur, einschließlich humanitärer Einrichtungen, stellen eine eklatante Verletzung des humanitären Völkerrechts dar. Aktion gegen den Hunger fordert alle Konfliktparteien auf, sicheren humanitären Zugang zu gewährleisten und die vertriebene Bevölkerung zu schützen.
Angesichts der sich zuspitzenden Lage ruft Aktion gegen den Hunger die internationale Gemeinschaft dazu auf, ihre Unterstützung für die humanitäre Hilfe in der Ukraine aufrechtzuerhalten und dringend zu verstärken.
Quelle: www.aktiongegendenhunger.de
Foto: Nothilfemaßnahmen von Aktion gegen den Hunger in der Ostukraine. Screenshot der Website von Aktion gegen den Hunger by epo.de






