Berlin. – Mit der Einrichtung des Nationalen Sicherheitsrats erhält Deutschland ein zentrales Gremium, das auf wachsende geopolitische Herausforderungen reagieren soll. Die Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch warnt jedoch davor, die Klimakrise als eine der größten sicherheitspolitischen Bedrohungen unserer Zeit zu vernachlässigen.
„In einer Welt, in der Extremwetterereignisse Konflikte verschärfen und Stabilität untergraben, gehört Klimapolitik ins Zentrum deutscher Sicherheits- und Außenpolitik“, erklärte Laura Schäfer, Leiterin des Bereichs Internationale Klimapolitik bei Germanwatch. Damit der Rat wirksam auf globale Risiken reagieren könne, müsse das Thema „konsequent und systematisch verankert sein“. Schäfer forderte zudem, dass auch der Bundesumweltminister sowie Klimaexpert:innen einen festen Platz im Gremium erhalten.
Laut Germanwatch gebietet bereits der im Koalitionsvertrag verankerte Ansatz der „integrierten Sicherheit“, die Klimakrise in den Fokus des Sicherheitsrats zu rücken. Auch die Anfang 2025 vorgelegte Nationale Interdisziplinäre Klimarisiko-Einschätzung – unter Beteiligung des Bundesnachrichtendienstes – habe die Klimafolgen als zentrale Sicherheitsherausforderungen benannt. „Der Zusammenhang zwischen Klima und Sicherheit ist schon lange in der deutschen Politik etabliert und wissenschaftlicher Standard. Dieses zentrale Thema muss daher permanent auf der Agenda des Sicherheitsrates stehen“, unterstrich Vera Künzel, Klimaanpassungs-Expertin bei Germanwatch.
Die Organisation verweist auf die erheblichen Risiken durch Extremwetter auch in Deutschland: Die Ahrtal-Flut 2021 mit 135 Todesopfern sei ein Beispiel dafür, wie eng nationale und menschliche Sicherheit miteinander verknüpft seien. Im Climate Risk Index von Germanwatch zählt Deutschland regelmäßig zum oberen Viertel der am stärksten von Extremwetter betroffenen Staaten.
Neben der nationalen Dimension betont Germanwatch die Bedeutung internationaler Kooperation. „Der nationale Sicherheitsrat muss eine enge Verzahnung und Kooperation mit Partnern und den europäischen Nachbarn verankern und sich an Strategien der EU-Sicherheits- und Verteidigungspolitik und der NATO orientieren, die beide die Sicherheitsimplikationen der Klimakrise benennen“, so Künzel.
Auch für die globale Rolle Deutschlands sei dies entscheidend, ergänzte Lisa Schultheiß, Referentin für Klimarisikomanagement bei Germanwatch: „Die Klimakrise ist ein wesentlicher Treiber von Armut, Hungersnöten sowie unterbrochenen Lieferketten. Sie kann regionale Destabilisierungen und weitere Krisen nach sich ziehen. Deutschland muss hier strategisch mit anderen Staaten zusammenarbeiten und einen Mix aus außen-, sicherheits- und entwicklungspolitischen Instrumenten nutzen, um adäquat reagieren zu können.“
Quelle: www.germanwatch.org
Bild: Gemälde „Klimakatastrope“ (Öl auf Leinwand) von Ingrida Preisa, exklusiv für epo.de. Copyright © 2025 by boldtpublishing.com







