Berlin. – Heftige Monsunregen haben in Pakistan in den vergangenen Wochen verheerende Überschwemmungen angerichtet. Das Land erlebt eine der schlimmsten Hochwasserkatastrophen seiner Geschichte – rund zwei Millionen Menschen sind betroffen. Bislang kamen mehr als 800 Menschen ums Leben, davon 479 in der Provinz Khyber Pakhtunkhwa und 165 in der Provinz Punjab. Die Behörden warnen vor weiteren Überflutungen in den kommenden Tagen, da der Wasserstand steigt und die Stauseen fast voll sind.
„Im Dorf Qadar Nagar, einem der am stärksten betroffenen Gebiete im Distrikt Buner, haben wir das Ausmaß der Zerstörung mit eigenen Augen gesehen. Die Schäden sind enorm, die Bedürfnisse immens, und angesichts der bergigen Landschaft bleibt der Wiederaufbau eine große Herausforderung“, erklärt Aamir Muhammad, Landesdirektor von Aktion gegen den Hunger in Pakistan. „In Buner konnten mehr als 850 Menschen gerettet und Hilfsgüter wie Zelte, Lebensmittel und medizinische Ausrüstung im ganzen Land verteilt werden.”
Tausende Familien ohne Lebensgrundlage
Tausende Familien mussten ihre Häuser verlassen, ihre Lebensgrundlagen sind zerstört. Die Sturzfluten haben zu unzähligen Vertreibungen geführt, zahlreiche Verletzte gefordert und ganze Gemeinden ohne Zugang zu grundlegenden Versorgungsleistungen zurückgelassen. Teams von Aktion gegen den Hunger sind in den besonders betroffenen Distrikt Buner in der Provinz Khyber Pakhtunkhwa gereist, um die dringendsten humanitären Bedürfnisse und die gravierendsten Lücken im Gesundheitswesen zu identifizieren und die Gebiete zu bestimmen, die sofortige Hilfe benötigen.
„Diese Katastrophe hat zu einer beispiellosen Notlage unter der Bevölkerung geführt”, sagt Muhammad. „Wir sehen bereits, dass die Gemeinden dringend psychologische Unterstützung benötigen, und planen, in den nächsten Tagen qualifiziertes Fachpersonal einzusetzen.”
Auch Indien betroffen
Auch die Lage in Indien ist besorgniserregend, so die Aktion gegen den Hunger. Plötzliche Überschwemmungen aufgrund von überlaufenden Dämmen haben zur Vertreibung von rund zwei Millionen Menschen in Punjab geführt. Bis zum 3. September werden weitere Regenfälle und Überschwemmungen erwartet. Die Provinz Sindh rechnet mit schweren Überschwemmungen, da das Wasser aus Khyber Pakhtunkhwa und Punjab dann in den Indus fließen wird.
Pakistan erlebt seit Ende Juni 2025 eine der schlimmsten Monsunzeiten seiner Geschichte mit Niederschlägen, die 73 Prozent über dem Durchschnitt liegen und für Millionen von Menschen katastrophale Folgen haben.
Aktion gegen den Hunger leistet Hilfe
Aktion gegen den Hunger liefert medizinische Hilfsgüter und gebrauchsfertige therapeutische Nahrungsmittel (RUTF) und unterstützt zehn mobile Gesundheitscamps. Die Teams verteilen Kochutensilien sowie Menstruations- und Hygiene-Sets an die betroffenen Familien. Sie bereiten zudem ein Projekt zur Sanierung des Wasserversorgungssystems vor und planen, bei Bedarf Wassertransporte mit Lastwagen zu organisieren, um Trinkwasser bereitzustellen.
Im Jahr 2024 litt in Pakistan laut Welternährungsprogramm (WFP) fast jeder fünfte Mensch unter akuter Ernährungsunsicherheit. 18 Prozent der Kinder sind mangelernährt und 40 Prozent leiden unter Wachstumsstörungen. Klimatische Schocks, Inflation und Überschwemmungen verschärfen die Situation und erhöhen die Abhängigkeit von Hilfe.
Aktion gegen den Hunger ist seit 1979 in Pakistan und konzentriert sich insbesondere auf lebensrettende Maßnahmen, Resilienzaufbau sowie Gesundheit, Ernährungssicherheit, Katastrophenvorsorge und Wasser-, Sanitär- und Hygienemaßnahmen in gefährdeten Gemeinden.
Foto: Floods in Pakistan. Copyright © Aktion gegen den Hunger
Quelle: www.aktiongegendenhunger.de






