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Wie Golfstaaten den afrikanischen Kontinent erobern

Golfstaaten investieren in Afrika. Screenshot ARISE Website

Dubai. – Die Golfstaaten investieren massiv in afrikanische Infrastrukturprojekte. Ihr Ziel ist es, auf dem Kontinent wirtschaftlich und politisch an Einfluss zu gewinnen. Dabei setzen sie auf panafrikanische Industrieentwickler wie ARISE, die „grüne, integrative und nachhaltige industrielle Ökosysteme“ in Afrika aufbauen. Sie überflügeln inzwischen längst China und Europa. Die USA nehmen sich mit der Abwicklung von USAID selbst aus dem Rennen.

Das in Saudi-Arabien ansässige Unternehmen Vision Invest hat jetzt 700 Millionen US-Dollar in den panafrikanischen Industrieentwickler ARISE Integrated Industrial Platforms (ARISE IIP) investiert, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Ziel ist es laut ARISE, „grüne, integrative und nachhaltige industrielle Ökosysteme“ in Afrika aufzubauen. Das Unternehmen will nicht nur an die Rohstoffschätze des Kontinents. Es hat auch den Aufbau verarbeitender Betriebe im Blick – was Afrika wirtschaftlich entscheidend voranbringen könnte.

ARISE hat Industrieparks in Gabun, Benin und Togo entwickelt, die dazu beitragen sollen, Unternehmen zur Verarbeitung von Holz, Baumwolle, Cashewnüssen, Arzneimitteln und Fleisch aufzubauen. Die Golfstaaten verstärken derzeit ihre Präsenz – und damit auch ihren Einfluss – in Afrika massiv. Milliarden US-Dollar werden in erneuerbare Energien, Logistik, Technologie, Immobilien und Landwirtschaft kanalisiert.

Direktinvestitionen statt Entwicklungshilfe

Bei neuen ausländischen Direktinvestitionen stellen arabische Investoren traditionelle Akteure wie Europa oder China mittlerweile in den Schatten. Die Golfstaaten handeln alles andere als eigennützig. Es geht um Rohstoffe, Landressourcen, Energie. Da die Golfstaaten kaum eigene verarbeitende Industrien besitzen, investieren sie auch in die Verarbeitung der afrikanischen Rohstoffe vor Ort. Das kann den afrikanischen Ländern von großem Nutzen sein, wenn die Projekte auch so umgesetzt werden, wie die Investoren es versprechen.

Saudi-Arabien steht mit an der Spitze dieser Entwicklung. ACWA Power Co. und Red Sea Gateway Terminal, die beide von Staatsfonds des Königreichs mit 925 Milliarden US-Dollar unterstützt werden, haben in Südafrika investiert. Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) haben rund 1,4 Milliarden US-Dollar für Projekte in Simbabwe bereitgestellt. Die VAE kofinanzieren ein Gaspipeline-Projekt für Marokko und Nigeria im Umfang von 25 Milliarden Dollar.

Afrika rückt im globalen Wettlauf um Ressourcen und Einfluss auch immer stärker in den Fokus Katars. Emir Tamim bin Hamad Al Thani will über sein Unternehmen Al Mansour Holdings 103 Milliarden US-Dollar in sechs afrikanischen Ländern investieren. Im Vordergrund stehen Rohstoffe und Landressourcen. Auf die Demokratische Republik Kongo entfallen 21 Mrd. Dollar. Das Land besitzt Mineralvorkommen wie Lithium, die für die globale Energiewende von entscheidender Bedeutung sind. Investitionen in Botswana und Burundi zielen auf Schlüsselbereiche wie Infrastruktur, Diamantverarbeitung, Energie und Landwirtschaft ab.

USAID-Schließung hat Folgen

Währenddessen ziehen sich die USA aus der staatlichen Finanzierung großer Infrastrukturvorhaben in Afrika zurück. Die Millennium Challenge Corporation (MCC), eine im Rahmen der US-Auslandshilfe tätige US-Einrichtung, hatte sich auf die Fahnen geschrieben, Armut durch Wachstum zu bekämpfen. Jetzt muss sie ihre Tätigkeit in Malawi einstellen. Die US-Botschaft in Malawis Hauptstadt Lilongwe kündigte den Schritt an und verwies auf die Entscheidung der Trump-Administration, die Auslandshilfen von USAID weitgehend zu kappen. MCC hat deshalb Verträge für laufende Straßenbauvorhaben in Malawi gekündigt. Dies bedeutet das Ende von Projekten im Umfang von 350 Millionen Dollar.

MCC wurde 2004 von Präsident George W. Bush ins Leben gerufen und verwaltet derzeit noch rund 5,4 Milliarden Dollar an Zuschüssen für Entwicklungsländer mit starker Wirtschaftspolitik und Governance. Die Behörde wurde von der Trump-Administration angewiesen, ihre Tätigkeit abzuwickeln und nur noch einige wenige Projekte bis zu ihrer Fertigstellung fortzusetzen. USAID selbst ist bereits abgewickelt.

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