Berlin. – Die humanitäre Lage im Südsudan spitzt sich dramatisch zu. Die Diakonie Katastrophenhilfe und ihre lokalen Partner warnen vor einer gewaltsamen Eskalation des politischen Machtkampfes, der seit Jahren das Land erschüttert. Hunderte Menschen wurden in den vergangenen Wochen getötet, während gleichzeitig Überschwemmungen die Notlage verschärfen.
Der Auslöser der jüngsten Gewaltwelle ist die Festnahme von Vizepräsident Riek Machar und der Prozessbeginn gegen ihn. „Unsere Partnerorganisationen berichten, dass schwere Kämpfe und Bombardements seit März vor allem im Bundesstaat Upper Nile Hunderte Tote gefordert und mehr als 130.000 Menschen vertrieben haben“, erklärte Katrin Jullien, Regionalbüroleiterin der Diakonie Katastrophenhilfe in Nairobi. „Durch Luftangriffe auf Dörfer sind viele Zivilisten getötet worden oder an den Folgen von schweren Verbrennungen gestorben. Die Menschen fliehen aus Angst ins benachbarte Äthiopien, wovon allerdings kaum jemand Notiz nimmt.“
Auch Geflüchtete aus dem Nachbarland Sudan sind betroffen: Knapp 600.000 von ihnen hatten im Südsudan Schutz gesucht, nun geraten sie erneut zwischen die Fronten. „Sie fliehen vor einem Konflikt und sind unmittelbar von einem anderen bedroht. Humanitäre Hilfe ist unter den bürgerkriegsähnlichen Zuständen und in oft schwer zugänglichen Gebieten kaum möglich“, so Jullien.
Die ökonomische Lage verschärft den Konflikt zusätzlich. Zerstörte Pipelines blockieren den Export von Erdöl über den Sudan, die wichtigste Einnahmequelle des Südsudan. Damit droht dem ohnehin geschwächten Staat der wirtschaftliche Kollaps.
Die Geschichte des Konflikts reicht zurück bis 2013, zwei Jahre nach der Unabhängigkeit des Südsudan. Damals brach zwischen Präsident Salva Kiir und Riek Machar ein Bürgerkrieg aus, der nach UN-Angaben etwa 400.000 Menschen das Leben kostete. Heute sind drei Viertel der Bevölkerung auf humanitäre Hilfe angewiesen, rund 1,9 Millionen Menschen sind innerhalb des Landes auf der Flucht. „Die internationale Gemeinschaft muss verhindern, dass die politischen und ethnischen Differenzen und der Kampf um Macht in einen erneuten offenen Bürgerkrieg münden und sich die humanitäre Katastrophe im Südsudan vertieft. Zudem muss humanitäre Hilfe vor allem in den betroffenen Konfliktgebieten aufrechterhalten werden“, mahnte Jullien.
Zusätzlich zu Gewalt und Vertreibung leidet das Land unter schweren Überschwemmungen. Laut UN mussten bislang rund 135.000 Menschen ihre Dörfer verlassen. Die Diakonie Katastrophenhilfe unterstützt gemeinsam mit Partnern derzeit 1.800 Menschen, unter anderem durch die Verteilung von Geflügel und die Reparatur beschädigter Deiche im Bundesstaat Jonglei.
Quelle: www.diakonie-katastrophenhilfe.de
Foto: Eine Frau im Schulgarten im Südsudan. © Copyright DKH.







