In Madagaskar hat sich eine Eliteeinheit der Armee den seit mehr als zwei Wochen andauernden Protesten der Generation Z angeschlossen. Präsident Andry Nirina Rajoelina sprach daraufhin von einem Putschversuch. Berichten zufolge handelt es sich um dieselbe Armeeeinheit, die 2009 eine entscheidende Rolle dabei gespielt hat, Rajoelina zur Macht zu verhelfen. Nun ist Rajoelina aus dem Land geflohen.
Das Büro des Präsidenten sprach am Sonntag vom Versuch einer illegalen und gewaltsamen Machtübernahme. In der Erklärung verurteilte Rajoelina den Versuch, „das Land zu destabilisieren“, und rief zur Verteidigung der verfassungsmäßigen Ordnung auf.
Stunden später erklärte die meuternde Armeeeinheit CAPSAT – ein Kontingent aus Verwaltungs- und Technikoffizieren – sie habe die Kontrolle über die Streitkräfte von Madagaskar übernommen. In einer Videobotschaft der aufständischen Soldaten hieß es, ab sofort gingen alle Befehle der Armee vom CAPSAT-Hauptquartier aus.
„Lasst uns alle Kräfte, Militär, Gendarmen und Polizei, bündeln und weigert euch dafür bezahlt zu werden, auf unsere Freunde, Brüder und Schwestern zu schießen“, erklärten die CAPSAT-Soldaten in ihrem Video, das in sozialen Medien veröffentlicht wurde.
Rajoelina flieht aus dem Land
Noch am Sonntag floh Staatschef Andry Rajoelina offenbar mit französischer Hilfe aus dem Land. Radio France International (RFI) berichtete, der Präsident sei von einer französischen Militärmaschine ausgeflogen worden – offenbar nach Absprache mit Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron. Rajoelina ist seit 2014 auch Staatsbürger Frankreichs.
In einer Ansprache an die Nation erklärte Rajoelina: „Ich war gezwungen, einen sicheren Ort zu suchen, um mein Leben zu schützen.“ Wo er sich derzeit aufhält, ist nicht bekannt.
CAPSAT zufolge wurde General Demosthene Pikulas zum neuen Stabschef der Armee ernannt. Die Nachrichtenagentur AFP berichtete, Verteidigungungsminister Manantsoa Deramasinjaka Rakotoarivelo habe die Ernennung akzeptiert. Die rebellierenden Soldaten gehören derselben Armeeeinheit an, die während der politischen Krise 2009 Rajoelina zur Macht verholfen hatte.
Die Rebellion begann, nachdem mehrheitlich junge Demonstranten der „Gen Z Mada“am Samstag in der Hauptstadt Antanarivo den Platz des 13. Mai besetzten und Polizeikräfte mit Tränengas und Gummigeschossen gegen sie vorgingen. CAPSAT-Soldaten rückten daraufhin aus, um die Demonstranten zu unterstützen.
Nach Angaben der Vereinten Nationen wurden im Verlauf der Unruhen der vergangenen Wochen mindestens 22 Menschen getötet und mehr als 100 verletzt. Die Regierung sprach von lediglich 12 toten „Plüderern und Vandalen“.







