Berlin. – Handicap International (HI) hat mit einer Gedenkveranstaltung am temporären „Mahnmal für die unbekannten Zivilistinnen und Zivilisten“ vor dem Brandenburger Tor auf die zahlreichen unbekannten zivilen Opfer von Bomben und Drohnen-Angriffen auf Wohngebiete aufmerksam gemacht. Im vergangenen Jahr waren Menschen in 74 Ländern und Gebieten davon betroffen.
Abgeordnete verschiedener Parteien, Vertreter humanitärer Organisationen und Kriegs-Überlebende aus Syrien und Ukraine nahmen auf Einladung von HI an der Zeremonie teil. Stellvertretend wurden Namen getöteter und verletzter Zivilist*innen verlesen, während Bundestagsabgeordnete die überlebensgroßen Porträts von Betroffenen präsentierten. Im Rahmen ihrer weltweiten Kampagne „Stop Bombing Civilians“ forderte die gemeinnützige Organisation die internationale Staatengemeinschaft auf, völkerrechtliche Verpflichtungen zum Schutz der Zivilbevölkerung endlich umzusetzen.
Völkerrechtliche Verpflichtungen umsetzen
Handicap International ist Gründungsmitglied des Internationalen Netzwerks zu Explosivwaffen (INEW). Die Organistation appellierte an die internationale Staatengemeinschaft, völkerrechtliche Verpflichtungen einzuhalten und die von 80 Staaten unterzeichnete Erklärung zum Schutz der Zivilbevölkerung vor Explosivwaffeneinsätzen in bewohnten Gebieten umzusetzen.
„Bomben, Raketen oder Mörsergranaten, die ungezielt große Flächen treffen, fordern bei jedem Einsatz in Wohngebieten zivile Opfer. Dieses Leid wollen wir nicht mehr hinnehmen und engagieren uns deshalb gemeinsam mit einem großen Netzwerk für den besseren Schutz der Zivilbevölkerung und die Stärkung des Völkerrechts“, sagte Dr. Eva Maria Fischer, Leiterin der politischen Abteilung von HI Deutschland und deutsche Vertreterin von INEW.
Das Leid der Zivilbevölkerung
Handidcap unterstützt in vielen Krisenregionen betroffene Menschen mit Prothesen, Rollstühlen, Physiotherapie und psychosozialer Hilfe – unter anderem in der Ukraine und in Syrien. Olha Lieshukova, Kriegsüberlebende aus der Ukraine, sagte vor dem Mahnmal: „Jeden Tag lebte ich mit der Angst, jederzeit sterben zu können – entweder, weil ich mich aufgrund meiner Behinderung bei Raketenalarm nicht rechtzeitig in Sicherheit bringen konnte, oder weil mir die notwendigen Medikamente für meine chronischen Erkrankungen nicht mehr zur Verfügung standen.“
Marwa Almbaed aus Syrien, die seit einem Autounfall infolge des Einschlags einer Rakete einen Rollstuhl nutzt, forderte: „Ich will nicht, dass noch mehr Zivilistinnen und Zivilisten im Krieg sterben oder verletzt werden. Wie viele müssen noch leiden, während wir wegsehen? Der Tod und die Narben bleiben. Lasst uns gemeinsam mutig sein und sagen: Genug Krieg, die Zivilbevölkerung darf nicht den Preis dafür zahlen. Wir alle verdienen ein schönes und sicheres Leben.“
Die schreckliche Bilanz
Tagtäglich mehr als 50 zivile Opfer: Das ist die erschreckende Bilanz von Explosivwaffeneinsätzen in bevölkerten Gebieten. Ob in Gaza, der Ukraine, in Syrien, Myanmar oder im Jemen – ganze Städte verwandeln sich durch den Einsatz von Explosivwaffen in Trümmerfelder. Insbesondere ungezielte Angriffe und der Abwurf von Bomben auf Wohngebiete führen zu zahlreichen Opfern, die zu 90 Prozent aus der Zivilbevölkerung stammen.
Die Angriffe töten oder verletzen Menschen so schwer, dass lebenslange Behinderungen bleiben, so HI. Außerdem leiden viele unter starken psychologischen Traumata. Bombardierungen führen zur Vertreibung und Verarmung der Bevölkerung, zerstören Wohnhäuser sowie grundlegende Infrastrukturen wie Krankenhäuser, Schulen, Stromversorgung, Häfen oder Brücken und zerrütten das soziale wie auch wirtschaftliche Gefüge.
Foto: Abgeordnete mit Porträts vor dem Mahnmal in Berlin. © Stefan Beetz/HI.
=> Informationen zur Kampagne „Stop Bombing Civilians“
Quelle: handicap-international.de







