Berlin. – Die Kampagne für Saubere Kleidung hat Modeunternehmen dazu aufgerufen, Arbeiterinnen und Arbeiter in der globalen Bekleidungsindustrie besser vor extremer Hitze und deren Folgen zu schützen. Steigende Temperaturen gefährdeten Gesundheit, Sicherheit und Einkommen von Millionen Beschäftigten in den Produktionsländern, heißt es in einem aktuellen Positionspapier des globalen Netzwerks Clean Clothes Campaign (CCC).
Rund 72 Millionen Menschen arbeiten weltweit in der Bekleidungsindustrie. In ihrem aktuellen Positionspapier „Hitze und Rechte von Textilarbeiter*innen“ fordert die Kampagne anlässlich des Klimagipfels COP30 in Brasilien „verbindliche Maßnahmen und klare Verantwortlichkeiten, um Beschäftigte in der Modeindustrie vor Hitze zu schützen“.
„Die Weltklimakonferenz muss zentrale Impulse für den Klimaschutz und die Anpassung an die Klimakrise geben“, erklärte Helen Gimber von der Kampagne für Saubere Kleidung. „Die Modeindustrie trägt maßgeblich zum Fortschreiten der Klimakrise bei. Der Schutz ihrer Beschäftigten ist eine drängende Aufgabe – und ein Prüfstein für die Glaubwürdigkeit ihrer Klimapolitik.“
Die Kampagne fordert „Inklusive, arbeiter*innenorientierte Maßnahmen gegen Hitzestress“, beispielsweise die Überwachung von Temperaturen und Trinkwasserversorgung, die Lohnfortzahlung bei Produktionsausfällen und nachhaltige Produktionspraktiken entlang der Lieferketten.
Arbeiten in extremer Hitze
In Arbeitsstätten mit sich stark aufheizenden Metalldächern und kaum Belüftung müssten Beschäftigte ohne ausreichende Pausen arbeiten, heißt es in dem Positionspapier. Frauen etwa in Fabriken in Sri Lanka seien teilweise gezwungen, über Stunden in extremer Hitze zu arbeiten, oft bis sie ohnmächtig werden. Die Frauenrechtsaktivistin vom Women’s Centre Sri Lanka Gayani Gomes berichtete, dass mit steigenden Temperaturen auch Fälle von geschlechtsspezifischer Gewalt und Belästigung zunehmen.
Emelia Yanti von der Gewerkschaft Gabungan Serikat Buruh Indonesia: „Wir müssen sicherstellen, dass Arbeiter*innen nicht den Preis zahlen, wenn Fabriken zu heiß zum Arbeiten sind. Marken müssen Verantwortung übernehmen, sichere Arbeitsplätze schaffen und ihre Aufträge anpassen, wenn die Temperaturen das Arbeiten unsicher machen.“
Modeunternehmen müssen handeln
Die Schutzmaßnahmen seien bekannt, so die Kampagne für Saubere Kleidung: Bessere Belüftung, zusätzliche Pausen oder angepasste Arbeitszeiten könnten Abhilfe schaffen. Das zeigten Recherchen des Business & Human Rights Resource Centre. Trotzdem habe kaum ein Modeunternehmen eine öffentliche Strategie zum Umgang mit Hitze.
„Die COP30 ist eine gute Gelegenheit, zu zeigen, dass die Gefahr von Hitze am Arbeitsplatz ernst genommen wird. Dazu müssen Beschäftigtenvertretungen sowie Vertretungen für Beschäftigte des informellen Sektors bei der Klimakonferenz zu Wort kommen. Entgegen allen pessimistischen Einschätzungen zu den aktuellen Klimaverhandlungen müssen Regierungen die Chance nutzen und Maßnahmen vereinbaren, die die Klimakrise begrenzen. Sozial gerechte Anpassungen müssen in verschiedensten Sektoren ermöglicht werden“, erklärte Dr. Jiska Gojowczyk vom SÜDWIND-Institut. „Regierungen müssen zeigen, dass sie es mit dem Plan einer Just Transition ernst meinen, auch über den Energiesektor hinaus.“
Systemische Bedrohung der Arbeitsrechte
Hitze am Arbeitsplatz sei kein isoliertes Risiko, sondern eine Frage von Gerechtigkeit, Gesundheit und Überleben. Sie gefährde das Leben der Menschen, die am wenigsten zur Klimakrise beigetragen haben. „Extreme Temperaturen verstärken bestehende Missstände – von Ausbeutung und Belästigung bis zu Einkommensverlusten. Unternehmen müssen für sichere Arbeitsplätze sorgen. Und sie sind dafür verantwortlich, die Löhne und die Lebensgrundlagen der Beschäftigten zu schützen, wenn extreme Temperaturen die Produktion einschränken“, sagte Helen Gimber von der Kampagne für Saubere Kleidung.
Grafik: Cover des CCC-Positionspapiers. Screenshot by epo.de
=> Positionspapier „Hitze und Rechte von Textilarbeiter*innen
Quelle: saubere-kleidung.de







