Berlin. – Kurz vor der Abreise von Bundeskanzler Friedrich Merz zum G20-Gipfel in Südafrika erneuert die Entwicklungsorganisation ONE ihre Forderung nach spürbaren Verbesserungen der Investitionsbedingungen für afrikanische Staaten. Merz wird nach dem Treffen der zwanzig führenden Industrie- und Schwellenländer weiter nach Angola reisen, wo am 24. und 25. November der gemeinsame Gipfel der Afrikanischen und Europäischen Union stattfindet.
Nach Einschätzung von ONE zahlen afrikanische Länder weiterhin deutlich höhere Kreditkosten als vergleichbare Staaten in anderen Weltregionen, mit gravierenden Folgen für öffentliche Investitionen. Die Organisation drängt den Kanzler daher, sich auf dem Gipfel klar für eine Senkung der Kapitalkosten und eine Stärkung der von Deutschland initiierten G20-Reformpartnerschaften „Compacts with Africa“ einzusetzen. Diese sollen private Investitionen erleichtern und den Zugang zu Finanzmärkten verbessern.
Ein zentraler Punkt sei laut ONE die Unterstützung der von Südafrika vorangetriebenen „Cost of Capital“-Initiative, die Reformen im globalen Finanzsystem anstoßen will. Dazu gehört unter anderem eine grundlegende Überarbeitung der Risikobewertungen internationaler Ratingagenturen. Viele afrikanische Staaten würden zu schlecht bewertet, was zu überhöhten Zinssätzen führe. Gefordert werden deshalb transparentere Bewertungsmethoden, präzisere Risikoanalysen sowie ein verstärkter Einsatz von Garantien und Risikoabsicherungen durch multilaterale Entwicklungsbanken wie die Weltbank.
Dazu sagt Lisa Ditlmann, Deutschland-Direktorin von ONE: “20 von 54 afrikanischen Staaten stehen am Rande der Zahlungsunfähigkeit. Ihnen fehlt jedweder Spielraum, in die Bildung, Gesundheit und soziale Sicherung ihrer eigenen Bürgerinnen und Bürger zu investieren. Das sind Kinder, die nicht zur Schule gehen, Schwangere, die nicht versorgt werden und Menschen, die an Krankheiten sterben, gegen die es Medikamente gibt. Afrika zahlt Wucherzinsen am Kapitalmarkt. Wenn sich hier nichts ändert, schaffen es die betroffenen Länder nie aus eigener Kraft aus diesem Teufelskreis. Kanzler Merz muss im Rahmen der G20 Reformen anstoßen, damit afrikanische Regierungen wieder in ihre Bevölkerung investieren können.”
Quelle: www.one.org







