Genf. – Mindestens 6.279 Menschen sind 2024 durch Antipersonen-Minen, selbstgebaute Minen oder explosive Kriegsreste verletzt oder getötet worden. Das meldet der am 1. Dezember in Genf veröffentlichte Landminen-Monitor 2025. Dies ist die höchste Zahl seit 2020. 90 Prozent der registrierten Opfer stammen aus der Zivilbevölkerung.
Angesichts dieser alarmierenden Zahlen verurteilt die Hilfsorganisation Handicap International (HI) die Reduzierung der Unterstützung für Minenräumung und Opferhilfe sowie die angekündigten Austritte von sechs Vertragsstaaten aus dem Landminen-Verbotsvertrag.
Ergebnisse aus dem Landminen-Monitor 2025:
- Im Jahr 2024 wurden 6.279 Menschen durch Landminen und explosive Kriegsreste getötet oder verletzt (1.945 Tote und 4.325 Verletzte).
- Zum zehnten Mal in Folge bleibt die Zahl der Opfer erschreckend hoch – vor allem aufgrund zunehmender bewaffneter Konflikte wie in der Ukraine und Myanmar und der vielen Blindgänger in Ländern wie Syrien.
- Zivilisten machten 90 % aller registrierten Opfer aus, bei denen der militärische oder zivile Status bekannt war. Kinder stellten fast die Hälfte (46 %) der zivilen Opfer, sofern das Alter erfasst wurde.
- Es wurden Opfer in 52 Ländern und Gebieten registriert. Die Länder mit den höchsten Opferzahlen waren: Myanmar (2.029), Syrien (1.015), Afghanistan (624), Ukraine (293) und Jemen (247). Die Dunkelziffer, insbesondere in aktuellen Konfliktregionen, ist jedoch hoch.
- Zwischen Mitte 2024 und Oktober 2025 wurden Antipersonen-Minen von Iran, Myanmar und Nordkorea eingesetzt. Auch Russland setzt seit Februar 2022 in großem Umfang Landminen ein. Es gibt außerdem zunehmend Hinweise auf einen Einsatz durch die Ukraine, dessen Ausmaß jedoch unklar ist.
„Jahr für Jahr sehen wir Tausende von Zivilist*innen, die durch Landminen und explosive Kriegsreste getötet oder verstümmelt werden. In Myanmar und in der Ukraine werden diese Waffen in großem Umfang eingesetzt. Diese versteckten Killer bleiben noch jahrzehntelang aktiv und zerstören auch lange nach Beendigung der Kämpfe weiterhin Leben. Die Vertragsstaaten müssen konsequent ihren vertraglichen Verpflichtungen nachkommen und sie müssen den Einsatz von Antipersonen-Minen durch jeden Akteur und unter allen Umständen auf das Schärfste verurteilen“, fordert Dr. Eva Maria Fischer, Leiterin der politischen Abteilung von Handicap International Deutschland.
Ottawa-Vertrag verteidigen
Der Minenverbotsvertrag ist in Gefahr, so Handicap. Estland, Finnland, Lettland, Litauen und Polen haben den Prozess zum Austritt aus dem Minenverbotsvertrag von 1997 im Juni 2025 eingeleitet. Auch die Ukraine hat angekündigt, den Ottawa-Vertrag auszusetzen. Zudem werden Mittel für Entwicklung und humanitäre Hilfe weltweit gekürzt. Staatliche Geber verringern ihre Unterstützung für die Minenräumung und für die Opferhilfe.
„Wir wissen, dass der Minen-Verbotsvertrag Leben rettet. Deshalb rufen wir die Vertragsstaaten dazu auf, Minenräumaktionen, einschließlich der Opferhilfe, zu unterstützen und Antipersonen-Minen zu beseitigen. Außerdem müssen die Vertragsstatten alles dafür tun, dass die sechs austrittswilligen Staaten ihren Entschluss überdenken“, so Fischer.
Der Landminen-Monitor 2025 erfasst die Umsetzung der sogenannten Ottawa-Konvention, die den Einsatz, die Herstellung, die Weitergabe und die Lagerung von Antipersonen-Minen verbietet sowie die Räumung und Vernichtung von Minen und die Unterstützung der Opfer regelt. Er veröffentlicht Daten für das Kalenderjahr 2024 und enthält Informationen bis Oktober 2025, falls diese vorliegen.
Der Landminen-Monitor wird von der Internationalen Kampagne für das Verbot von Landminen (ICBL) herausgegeben. Handicap International ist Gründungsmitglied der ICBL, die 1997 für ihren Einsatz den Friedensnobelpreis erhielt.
Anlässlich der jährlichen Konferenz über das Minenverbot in Genf fordert Handicap International die internationale Staatengemeinschaft auf, Konfliktparteien dazu zu drängen, den Einsatz dieser barbarischen Waffen einzustellen. Auch 28 Jahre nach Annahme des Vertrags über ein Verbot von Antipersonen-Minen töten und verstümmeln diese Waffen weiterhin.
Grafik: Minenwarnung, Public domain, via Wikimedia Commons
Quelle: handicap-international.de







