Freiburg. – Ein Jahr nach der Machtübernahme durch Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa steckt Syrien weiterhin in einer tiefen humanitären Krise. Insgesamt 16,5 Millionen Menschen sind in Not, knapp 15 Millionen Menschen leiden unter Lebensmittelmangel. „Die Hoffnung auf einen schnellen Wiederaufbau scheint zu verpuffen“, berichtet Christin Mothsche, Syrien-Referentin von Caritas international, die Hilfsprojekte in mehreren Landesteilen besucht hat.
„Hilfen wie die Verteilung von Lebensmitteln oder Bargeld sind für Millionen von Menschen überlebenswichtig“, so Mothsche, „Nothilfe allein wird aber nicht reichen, Syrerinnen und Syrern die Rückkehr in ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen.“ Eines der größten Probleme auf dem Weg dorthin sei, dass mehr als ein Drittel des Wohnraums in Syrien zerstört ist. Etwa 1,4 Millionen der sieben Millionen intern Vertriebenen leben noch immer in Camps. „Da vielerorts weder die Strom- noch die Wasserversorgung intakt ist und zahlreiche Häuser völlig entkernt sind, bestehen momentan kaum Perspektiven, dass die geflüchteten Menschen in ihre Wohnungen zurückkehren können“, berichtet Mothsche.
Oliver Müller, Leiter von Caritas international erklärte: „Vor diesem Hintergrund ist die deutsche Debatte um eine Rückkehrpflicht völlig deplatziert. Vielmehr gilt es, humanitäre Hilfe zu sichern, den Wiederaufbau langfristig zu unterstützen, Geflüchtete zu schützen, Integration zu stärken und politische Debatten an den Fakten auszurichten.“
Caritas international unterstützt über lokale Partner, darunter die Caritas Syrien, zahlreiche Hilfsprojekte in mehreren Landesteilen. Neben Überlebenshilfen liegt dabei ein besonderer Fokus auf psycho-sozialen Angeboten für kriegstraumatisierte Menschen, besonders für Kinder und Frauen. „Durch die weltweiten Kürzungen im Bereich der humanitären Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit ist der Fortbestand aller Hilfen, die über reine Überlebenshilfe hinausgehen, massiv gefährdet“, betont Oliver Müller.
„Was die Menschen in Syrien am dringendsten brauchen, sind berufliche und schulische Perspektiven, die sie die Schrecken des Krieges überwinden lassen und ihnen den Glauben zurückgeben, dass sie in ihrem Land eine Zukunft haben“, so Christin Mothsche. „Und nicht zuletzt braucht es auch Unterstützung in der Traumabewältigung und Friedensarbeit, damit die tiefen Wunden, die der fast 14 Jahre andauernde Konflikt in der Gesellschaft gerissen hat, heilen können.“
Foto: Ahmed al-Sharaa. Lula Oficial, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Quelle: caritas-international.de







