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EU-Migrationspolitik verschärft Gefahren für Kinder auf der Flucht

Sudanesisches Flüchtlingslager im Tschad, 2023. Wikimedia Commons - gemeinfrei

Berlin/Brüssel. – Kinder, die vor dem Krieg im Sudan fliehen, sind auf der Suche nach Schutz häufig mit Gewalt, Ausbeutung und anderen traumatischen Erlebnissen konfrontiert – und die Politik der Europäischen Union verschärft diese Risiken. Ein neuer Bericht von Save the Children zeigt, dass die mit verschärften Grenzkontrollen einhergehende EU-Migrationspolitik insbesondere unbegleitete Kinder in prekäre Situationen und in die Hände von Schleusern treibt. Dadurch können die Minderjährigen nur schwer mit Hilfsorganisationen in Kontakt treten.  

„Die EU investiert Hunderte Millionen Euro in Grenzkontrollen, ohne gleichzeitig sicherzustellen, dass Kinder auf ihrem Fluchtweg geschützt werden“, sagt Janneke Stein, Expertin für Flucht und Migration bei Save the Children Deutschland. „Kinder auf der Flucht sehnen sich nach Sicherheit und müssen doch weiterhin Angst davor haben, misshandelt, inhaftiert und ausgebeutet zu werden. Die psychologischen Folgen sind schwerwiegend und reichen von posttraumatischen Belastungsstörungen, Einsamkeit und Konzentrationsproblemen bis hin zu Selbstverletzungen.“

In dem Bericht untersucht Save the Children die Fluchtrouten zwischen dem Sudan und Ägypten, zwischen Libyen und Griechenland sowie auf der Westbalkanroute. Die Ergebnisse, die auf Interviews mit 66 Kindern, 19 Expert*innen und 11 Betreuungspersonen basieren, zeichnen ein Bild von dem, was die Forschenden als „kumulativen Schaden“ bezeichnen: eine Abfolge traumatischer Ereignisse, welche die körperliche und geistige Gesundheit von Kindern ernsthaft beeinträchtigen.

Ein 15-jähriger Junge aus dem sudanesischen Al-Faschir berichtete: „Mein Vater brachte uns alle nach Zamzam [Flüchtlingscamp in Nord-Darfur], weil es dort sicher sein sollte. Aber bewaffnete Gruppen suchten nach Kindern, um sie zu zwingen, bis zum Tod gegen die Armee zu kämpfen. Deshalb gab mir mein Vater 100.000 sudanesische Pfund und sagte, ich solle fliehen. Ich wusste nicht, wohin. In Al-Dabbah sprang ich in ein Auto, das nach Ägypten fuhr.“

Weil geflüchtete Kinder in Ägypten kaum Unterstützung bekommen, ziehen viele von ihnen weiter nach Libyen. Doch dort sei die Situation noch gefährlicher: Alle befragten Kinder waren laut Bericht mit schwerer Gewalt, (sexueller) Ausbeutung, Erpressung und/oder Inhaftierung konfrontiert. Oft würden Kinder in Libyen monatelang in Containern festgehalten, wo sie unter der Kontrolle bewaffneter Gruppen und Milizen stünden.

Wem die Überfahrt über das Mittelmeer nach Europa gelingt, findet häufig auch dort keine Sicherheit, so Save the Children. In Griechenland etwa würden Minderjährige, die von Schleusern zum Steuern von Booten gezwungen werden, von den Behörden als Menschenschmuggler verfolgt. Darüber hinaus würden Neuankömmlinge in haftähnlichen Einrichtungen untergebracht, die kaum Zugang zu medizinischer Versorgung böten. Auch auf der Balkanroute seien die Kinder nicht sicher, viele von ihnen gerieten an Schleuser und berichteten von gewaltsamen Zurückweisungen und Demütigungen durch Grenzbeamte.

Um Migration zu verhindern und Grenzen zu überwachen, investiert die EU erheblich in die Zusammenarbeit mit Drittländern wie Ägypten und Tunesien und gibt damit die Verantwortung für den Kinderschutz ab. Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass der einseitige Fokus der EU auf Sicherheit und die Bekämpfung von Schleusernetzwerken kontraproduktiv ist. Da es statt sichere und legale Migrationswege immer striktere Kontrollen gebe, nähmen Geflüchtete unsichere Routen und lebten in prekären Verhältnissen, um nicht entdeckt zu werden. So würden Kinder für Behörden und Schutzsysteme unsichtbar, wodurch sie vollständig von Schleusern abhängig und anfälliger für Menschenhandel und Ausbeutung würden.

Save the Children fordert die politischen Entscheidungsträger*innen zu einem Kurswechsel auf. Es müsse in sichere Migrationsrouten investiert werden und der Schutz von Kindern müsse Voraussetzung für jede Form der Zusammenarbeit mit anderen Ländern werden.

Foto: Sudanesisches Flüchtlingslager im Tschad, 2023. Wikimedia Commons – gemeinfrei

=> Bericht Traversing Danger. Cumulative Risks and Psychological Harm for Children in Migration

Quelle: savethechildren.de

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