Berlin. – Ein Jahr nach dem Zusammenbruch des Assad-Regimes (8. Dezember) ist die Sicherheitslage in Syrien nach wie vor instabil. Sieben Millionen Menschen seien weiterhin innerhalb des Landes vertrieben; es mangele an ausreichend Wohnraum und angemessener Unterstützung, mahnen Diakonie Deutschland, Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe. Eine «sachliche und faktenbasierte Debatte» über Migration sei deshalb notwendig. Der Schutz und die Unterstützung geflüchteter Menschen müssten weiterhin zentrale Leitlinien politischen Handelns bleiben.
Der internationale Plan für humanitäre Hilfe in Syrien für das Jahr 2025 war Anfang Dezember erst zu 30 Prozent finanziert, berichteten die evangelischen Hilfswerke. Dennoch würden in Deutschland immer wieder Forderungen nach möglichen Rückführungen von syrischen Geflüchteten laut.
«Wir hoffen gemeinsam mit allen Syrerinnen und Syrern, dass ihr Heimatland in Zukunft wieder ein sicherer Ort sein wird», sagte Dagmar Pruin, Präsidentin von Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe. «Diese Vision hat aber leider wenig mit der aktuellen Realität zu tun. Bewaffnete Milizen stellen in ganz Syrien eine ernsthafte Bedrohung für die Menschen dar, die humanitäre und wirtschaftliche Lage im Land ist katastrophal. Damit fehlen wichtige Grundvoraussetzungen für Rückkehrende, sich ein neues Leben in der Heimat aufzubauen. Diese Realität muss anerkannt und beachtet werden. Wer Syrien für sicher erklärt, um Abschiebungen zu rechtfertigen, ignoriert die Verhältnisse vor Ort. Die fehlende Empathie hinter diesen Forderungen besorgt mich.»
Rüdiger Schuch, Präsident der Diakonie Deutschland, erklärte: «Sehr viele Syrerinnen und Syrer sind längst Teil unserer Gesellschaft geworden, haben Familien gegründet und leisten einen wichtigen Beitrag für Deutschland. Rund 250.000 syrische Staatsbürgerinnen und Staatsbürger sind in Deutschland sozialversicherungspflichtig beschäftigt, viele von ihnen in Mangelberufen. Viele Kinder sind nach 2015 in Deutschland geboren und aufgewachsen. Sie sind hier meist sehr gut integriert und die Fachkräfte von morgen, die wir dringend brauchen! Es braucht ein klares Signal, dass viele Menschen bleiben werden und hier nach wie vor willkommen sind. Sie sollten in erster Linie Bleibeperspektiven haben, statt sie zur Rückkehr nach Syrien aufzufordern. Die Menschen, die sich eine Rückkehr vorstellen können, sollten die Möglichkeit zu Erkundungsreisen bekommen, ohne dass sie dadurch ihren Schutzstatus in Deutschland verlieren. Eine sichere und gelingende Rückkehr sollte in unser aller Interesse sein.»
Syrien bleibe ein Jahr nach dem Sturz des Assad-Regimes ein Land in tiefer Not, betonte Martin Keßler, Leiter der Diakonie Katastrophenhilfe. «Rund 16 Millionen Menschen sind auf Hilfe angewiesen – das sind zwei Drittel der Bevölkerung! Trotz dieser angespannten humanitären Lage sowie zerstörter Städte und Landstriche sind bereits mehr als eine Million Syrerinnen und Syrer in ihre Heimat zurückgekehrt. Die Zahl zeigt: Es braucht keine Drohung zur Rückkehr, sondern konstruktive Angebote, gemeinsam mit Rückkehrwilligen den Wiederaufbau Syriens stärker in den Blick zu nehmen. Das Recht auf ein Leben unter würdevollen Bedingungen – mit Trinkwasser, einem Dach über dem Kopf und ohne Angst um das eigene Leben – steht allen Menschen zu. Daran sollte sich die internationale Gemeinschaft stärker als bisher beteiligen.»
Foto: Verteilung von Hilfsgütern an geflüchtete Syrer in der Türkei. © Kerem Uzel/Diakonie Katastrophenhilfe
Quelle: diakonie-katastrophenhilfe.de







