Berlin. – Die Vereinten Nationen haben am Montag in Genf den weltweiten humanitären Bedarf für das kommende Jahr vorgestellt. Laut dem Global Humanitarian Overview (GHO) werden dafür umgerechnet rund 28 Milliarden Euro benötigt. Die Diakonie Katastrophenhilfe kritisiert den Hilfsplan: Mehr als 100 Millionen Menschen würden damit im Stich gelassen.
«Der neue Bericht zur humanitären Lage und den notwendigen Hilfsmaßnahmen bestätigt einen fatalen Trend: Immer mehr Menschen in humanitären Krisen werden im Stich gelassen, weil nicht genügend Hilfsgelder bereitstehen», sagt sagt Martin Keßler, Leiter der Diakonie Katastrophenhilfe. «2026 werden rund 239 Millionen Menschen auf Hilfe angewiesen sein, doch nur noch 87 Millionen sollen prioritär humanitäre Hilfe erhalten. Weit mehr als 100 Millionen Menschen in Not erhalten kein Zelt, kein Wasser oder keine Medikamente. Ihr Leid wird nur noch erwähnt, aber nicht mehr gemindert. Das ist ein Eingeständnis zunehmender internationaler Hilflosigkeit, die auch Deutschland durch Kürzungen bei der humanitären Hilfe verstärkt.»
Der laufende Hilfsplan für 2025 sah bereits vor, dass von 300 Millionen auf Hilfe angewiesenen Menschen nur 181 Millionen weltweit berücksichtigt werden. Mitte des Jahres sahen sich die Vereinten Nationen mangels finanzieller Mittel erneut gezwungen, die Hilfe auf 114 Millionen Menschen zu reduzieren. Bis heute sei selbst dieser Hilfsplan nur zu 28 Prozent finanziert – der schlechteste Wert seit einem Jahrzehnt, betont Keßler. Laut den Vereinten Nationen würden dieses Jahr 25 Millionen Menschen weniger erreicht als noch 2024.
Martin Keßler: «Es braucht eine Kehrtwende im Umgang mit dem Hilfsplan. Dass heute laut dem Bericht 60 Millionen Menschen weniger Hilfe benötigen als 2025, liegt nicht an einer verbesserten Weltlage, sondern an immer rigideren Messmethoden. Es führt dazu, dass weniger Menschen im aktuellen Report als hilfsbedürftig aufgeführt werden, als es global wirklich gibt. Wir dürfen aber die Realität nicht am zu erwartenden Hilfsbudget ausrichten, sondern das Budget muss sich an der humanitären Realität orientieren. Nur das bewahrt das Vertrauen in die Aussagekraft des Aufrufs.»
Der jährlich erscheinende Global Humanitarian Overview (GHO) des UN-Büros für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) ist der umfassendste Bericht zur humanitären Lage und zur Planung der humanitären Hilfe weltweit. Er analysiert aktuelle Krisen- und Risikoländer, beziffert den globalen Finanzbedarf für angemessene Hilfe und soll die Koordinierung zwischen Hilfsorganisationen erleichtern, um humanitäre Maßnahmen gemeinsam und komplementär zu leisten.
Grafik: United Nations, GHO 2026
=> GHO 2026
Quelle: diakonie-katastrophenhilfe.de







