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Mexiko: Welle der Gewalt

Flagge Mexikos. Public Domain, via Wikimedia Commons

Berlin. – Nach dem Tod des Drogenbosses Nemesio Oseguera Cervantes, bekannt als „El Mencho“, erfasst eine Welle der Gewalt Mexiko. Mitten im Kreuzfeuer ist die Zivilbevölkerung. Misereor fordert, die strukturellen Ursachen organisierter Kriminalität zu bekämpfen statt die Gewaltspirale weiter anzuheizen.

„Die Situation hat Panik und tiefe Verunsicherung ausgelöst. Unsere mexikanische Partnerorganisation ‚Educación y desarrollo para unificarnos en caminos alternativos‘ (EDUCA) berichtet von einer dramatischen Lage vor Ort im besonders betroffenen Bundesstaat Jalisco“, erklärte Helena Raspe, Expertin für Organisierte Kriminalität und Entwicklungszusammenarbeit bei Misereor. Nach dem Gewaltausbruch sei das öffentliche Leben in Ciudad Guzmán nahezu vollständig zum Stillstand gekommen. Geschäfte, Schulen, Märkte und selbst Apotheken waren geschlossen, der öffentliche Verkehr und grundlegende Dienstleistungen wurden eingestellt. Fahrzeuge wurden geraubt und verbrannt, Straßen blockiert, es fielen Schüsse.

Der Misereor-Partner „Instituto Mexicano para el Desarrollo Comunitario (IMDEC)“ in Guadalajara befürchtet, dass die Regierung nicht in der Lage ist, die Situation zu entschärfen. Auf die Verhaftung der großen Bosse folgten üblicherweise blutige Machtkämpfe zum Leidwesen der Bevölkerung, so das Institut.

Konfrontative Strategie

Die konfrontative Strategie der Regierung Sheinbaum, die offenbar maßgeblich unter Druck der USA erfolgt, trage nicht zu einem Rückgang der Bandengewalt und Drogenkriminalität bei, sagte Raspe. „Mit der Tötung eines Drogenbosses endet die Gewalt nicht – im Gegenteil: Eine Politik der ‚harten Hand‘ und Vergeltung befeuert die Gewaltspirale immer wieder aufs Neue und gefährdet die Zivilbevölkerung. Statt medienwirksame Operationen gegen einzelne Bosse oder Kartelle durchzuführen, sollte Mexiko dringend die strukturellen Ursachen Organisierter Kriminalität bekämpfen: Korruption, Straflosigkeit, insbesondere mangelnde Verfolgung von Wirtschafts- und Finanzkriminalität, die historische Verflechtung zwischen Staat, Militär und organisierter Kriminalität, und nicht zuletzt eine weit verbreitete Armut und Perspektivlosigkeit einer jungen Bevölkerung.“

Victor Hugo Lopez von der Misereor-Partnerorganisation „Red Nacional de Organismos Civiles de Derechos Humanos“ berichtete, dass Mexiko statt der Militarisierung des Landes jetzt demokratische Antworten auf kriminelle Geschäfte brauche, unter denen die Menschen direkt litten: Zwangsrekrutierungen für Banden und Kartelle, Menschenhandel, illegale Abholzung, Erpressungen und Schutzgeldforderungen, sowie laut offiziellen Zahlen über 130.000 gewaltsam verschwundene Menschen.

Auch Deutschland könne im Kampf gegen die transnationale Organisierte Kriminalität einen größeren Beitrag leisten, so Raspe. In Zusammenarbeit mit lateinamerikanischen Regierungen sollte darauf hingewirkt werden, dass auch durch entwicklungspolitische Strategien mehr soziale Sicherheit und eine widerstandsfähige Zivilgesellschaft gefördert wird, um die Spirale der Gewalt zu durchbrechen.

Quelle: misereor.de

Grafik: Flagge Mexikos. Public domain, via Wikimedia Commons

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