Göttingen. – Trotz erheblicher Widerstände und rechtlicher Bedenken will die EU-Kommission das umstrittene EU-Mercosur-Abkommen „vorläufig anwenden“. In einem neuen Briefing zeigen zivilgesellschaftliche Organisationen, darunter die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV), dass dieses Abkommen eine Gefahr für Wälder, Biodiversität, das Klima und Indigene Völker bedeutet.
Grafisch anschaulich zeigt das Briefing, welche Mitverantwortung europäische Länder an der Entwaldung im Amazonas und anderen Biomen haben. Anhand von Daten verdeutlicht es, wie das Abkommen genutzt wurde, um europäische Umwelt- und Klimaschutzmaßnahmen zu untergraben und wie sich der Status Quo bei Anwendung weiter verschlechtern wird.
Exportorientiertes Agrarmodell
Indigene Völker in Südamerika drohen zu den größten Verlierern des EU-Mercosur-Abkommens zu werden. Der GfbV zufolge stärkt es ein exportorientiertes Agrarmodell, das Entwaldung vorantreibt und den Druck auf indigene Territorien massiv erhöht.
„Für viele Indigene Völker und Gemeinschaften in Südamerika geht es bei diesem Abkommen nicht um abstraktes Handelsrecht, sondern um ihr Land, ihre Lebensgrundlagen und ihre Zukunft“, erklärt Jan Königshausen, GfbV-Referent für Indigene Völker. „Indigene Territorien sind für die exportorientierte Agrar- und Rohstoffindustrie besonders attraktiv. Wenn indigene Rechte nicht verbindlich geschützt werden, drohen neue Landkonflikte, Vertreibungen und Umweltzerstörung.“
Auch die handelspolitische Expertin Bettina Müller von der Organisation PowerShift sieht das Abkommen kritisch: „Das Mercosur-Abkommen steht exemplarisch für eine Handelspolitik, die wirtschaftliche Interessen über Umwelt- und Menschenrechtsstandards stellt. Wenn die EU glaubwürdig bleiben will, müssen Handelsabkommen mit ihren Klima- und Nachhaltigkeitszielen vereinbar sein – und das ist hier bislang nicht gewährleistet.“
=> Briefing: https://power-shift.de/eu-mercosur-abkommen
Quelle: gfbv.de







