Aachen. – Eine neue Studie von Rebalance Now und Misereor zeigt: Wenige Konzerne kontrollieren zunehmend die Agrar-Lieferketten. Das treibt Preise hoch, benachteiligt kleinere Betriebe in Europa und weltweit und begünstigt unfaire Handelspraktiken.
Deshalb fordern die Herausgeber der Studie Reformen in der Kartellpolitik: Große Fusionen von Unternehmen müssen strenger geprüft und Regeln gegen unfaire Handelspraktiken aktualisiert und konsequent umgesetzt werden. Mit Blick auf die Benzinpreise hat die Bundesregierung erste Maßnahmen ergriffen. Die Studie zeigt, dass dies im Lebensmittelsektor ebenfalls dringlich ist.
„Wenige Konzerne bestimmen, was auf den Feldern wächst, welche Preise gezahlt werden, was im Supermarktregal landet und auf unseren Tellern liegt“, sagt Ulrich Müller, Vorstand von Rebalance Now und Autor der Studie. „Bäuerinnen und Bauern sowie Verbraucherinnen und Verbraucher haben dagegen nur wenig Verhandlungsmacht und werden benachteiligt. Gerade in Zeiten steigender Lebenshaltungskosten muss eine weitere Monopolisierung der Lieferketten verhindert werden.“ In Deutschland kontrollieren Edeka, Rewe, Aldi und die Schwarz Gruppe (Lidl, Kaufland) über 87 Prozent des Lebensmitteleinzelhandels. Hinzu kommt, dass auch in der Verarbeitung von Agrarprodukten und bei Saatgut, Dünger und Landmaschinen die Marktkonzentration hoch ist.
Unfairer Wettbewerb verschärft Armut
„Eine Handvoll Konzerne erzielen Gewinne, während sie Produzentinnen und Produzenten in der Landwirtschaft in einen ruinösen Unterbietungswettbewerb treiben. Sie diktieren Preise, die oft nicht einmal die Kosten decken – und zwingen besonders Bäuerinnen und Bauern im Globalen Süden an den Rand ihrer Existenz. Auch wenn Preise in den Supermärkten steigen, kommt davon bei ihnen wenig an“, sagt Wilfried Wunden, Fairhandels-Experte bei Misereor. „Die Machtkonzentration im Agrarsektor führt dazu, dass sich Unternehmen aus dem globalen Süden gegen unfaire Geschäfte kaum zur Wehr setzen können. Sie riskieren bei Beschwerden den Marktzugang für ihren Kakao, Kaffee oder ihr Obst und Gemüse.“
Schwachstellen der Kartellpolitik
Die Studie zeigt die Schwachstellen der Kartellpolitik auf: Analyse-Methoden sind unzureichend, Verfahren dauern oft zu lange, die Beweislast ist hoch und bei der internationalen Durchsetzung gibt es Lücken. Dadurch kann das Kartellrecht seine wichtigste Aufgabe nur unzureichend erfüllen: die wachsende wirtschaftliche Macht einzelner Konzerne zu begrenzen. Müller appelliert: „Wir brauchen eine stärkere Begrenzung von großen Firmen-Übernahmen. Das Bundeskartellamt sollte etwa die aktuell geplante Übernahme von über 200 tegut-Filialen durch Edeka untersagen.“
=> Studie
Quelle: misereor.de







