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Manifest für eine gerechte Modeindustrie

Cover Just Fashion Manifest

Berlin. – Mehr als 230 Organisationen weltweithaben einen Aufruf für ein radikal gerechteres Modesystem veröffentlicht. Während viele Modemarken jährlich hohe Gewinne erwirtschaften und an Anteilseigner*innen ausschütten, kämpfen Millionen von Textilarbeiter*innen ums Überleben. Der Produktion von Kleidung, die niemand braucht, steht ein hoher Preis gegenüber: ausgebeutete Arbeiter*innen, verschmutzte Flüsse, überquellende Mülldeponien und ein Klima am Rande des Kollapses. Dem will das Just Fashion Manifest entgegenwirken.

Die Clean Clothes Campaign, ein weltweites Netzwerk für Arbeitsrechte in der Bekleidungsindustrie, hatte in einem umfangreichen Konsultationsprozess um zukunftsweisende Perspektiven gebeten. Aus hunderten gesammelter Beiträge, Kommentaren und Standpunkten unter Beteiligung von Beschäftigtenvertretungen weltweit entstand das Just Fashion Manifest. Es stellt soziale Gerechtigkeit und den Schutz der Umwelt in den Mittelpunkt. In Deutschland tragen 37 Organisationen und Gruppen das Manifest mit.

Aufruf zum Handeln

Das Manifest ist ein Aufruf zum Handeln: „Veränderung gelingt nur, wenn wir uns für unser Recht auf ein würdevolles Leben und eine lebenswerte Zukunft einsetzen. Denn Veränderung beginnt nicht in den Chefetagen. Sie beginnt bei uns.“

Das Manifest beschreibt ein gerechtes Modesystem

  • das menschenwürdige Arbeit, hohe Lebensqualität und gleiche Rechte für alle Arbeiter*innen entlang der gesamten Wertschöpfungskette garantiert.
  • das soziale, wirtschaftliche, geschlechtsspezifische und klima-bezogene Gerechtigkeit verwirklicht – durch existenzsichernde Löhne, universelle soziale Absicherung und eine faire Verteilung der Kosten für Klimaanpassung und -schutz.
  • das Arbeiter*innen Mitsprache und Schutz garantiert: ohne Angst, aber mit Gestaltungsmacht und der Gewissheit, dass Unternehmen für verursachte Schäden hafte
  • das Überproduktion stoppt, Arbeitsplätze sichert und durch regenerative Praktiken innerhalb planetarer Grenzen bleibt.

Es ist ein System, das neue, gerechte Wege geht – vom Anbau der Rohstoffe bis zum Recycling der Produkte. Es entsteht durch globales Engagement und Solidarität.

„Echte Veränderung entsteht nur, wenn wir uns verbünden“, erklärte Helen Gimber von der Kampagne für Saubere Kleidung in Deutschland. „Das Just Fashion Manifest zeigt die Macht des Kollektivs – was entstehen kann, wenn wir uns zusammentun. Eine Modeindustrie, die nicht auf Ausbeutung, sondern auf Würde und Mitbestimmung basiert. Klimaschutz, der nicht von oben verordnet, sondern von denen mitgestaltet wird, die die Folgen der Klimakrise täglich (er)leben. Das ist keine Utopie. Das ist unsere Aufgabe! Nur durch die Einbindung der Perspektiven von Arbeiter*innen in Entscheidungsprozesse können wir menschenwürdige Arbeitsbedingungen schaffen, echten Klimaschutz umsetzen und ein gerechtes Modesystem aufbauen.“

Armin Šestić von der Organisation ZORA in Bosnien betonte: „Wenn Arbeiter*innen nicht genug verdienen, um in Würde zu leben, dann gibt es keinen echten gerechten Wandel. Es mag einen grünen Wandel geben, neue Standards, neue Berichtspflichten, eine neue Nachhaltigkeitssprache – aber er ist nicht gerecht, wenn die Menschen, die die Arbeit verrichten, weiterhin in Armut gefangen sind. Wir sollten aufhören, über Löhne und Nachhaltigkeit zu sprechen, als wären das zwei getrennte Themen. Sie sind tief miteinander verbunden. Wenn Arbeiter*innen von ihren Löhnen nicht leben können, bleiben sie in Armut, während von ihnen erwartet wird, die Last des Wandels zu tragen. Ein existenzsichernder Lohn ist nicht alles, aber er ist die Grundlage. Ohne ihn bleibt eine ‚gerechte‘ Transition nur eine leere Floskel. Mit ihm haben Arbeiter*innen wenigstens eine echte Chance, eine bessere Zukunft mitzugestalten.“

Quelle: saubere-kleidung.de

Grafik: Cover Just Fashion Manifest


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