Berlin. – Aktion gegen den Hunger warnt, dass in diesem Jahr mehr als 50 Millionen Menschen von Juni bis September während der sogenannten Hungerperiode in Afrika von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen sein werden. Diese Zahl hat sich in nur fünf Jahren vervierfacht. Zusätzlichen Druck erzeugen die Spannungen im Nahen Osten.
Verschärft wird die Ernährungskrise während der Hungerperiode durch eine Kombination sich gegenseitig verstärkender Faktoren: dazu gehören bewaffnete Konflikte, die Klimakrise sowie steigende Preise für Lebensmittel und lebenswichtige Grundversorgungsgüter.
Zusätzlichen Druck erzeugen die Spannungen im Nahen Osten: Die anhaltende Sperrung der Straße von Hormus – einer zentralen Handelsroute für 25 Prozent des weltweiten Öls und 30 Prozent der Düngemittel – hat die Transportkosten in Länder wie Mali, Niger und Tschad deutlich erhöht. Diese Entwicklung könnte weitere 10 Millionen Menschen in Afrika in Ernährungsunsicherheit treiben. Zudem werden steigende Düngemittelpreise die Erträge wichtiger Grundnahrungsmittel wie Reis und Mais bis 2027 spürbar beeinträchtigen.
„Die Blockaden in der Straße von Hormus sowie die Spannungen infolge der Konflikte im Nahen Osten könnten während der Hungerperiode zu noch mehr leeren Tellern im Sahel führen. Die Region steht vor einem regelrechten wirtschaftlichen Tsunami durch steigende Preise und gleichzeitig fehlende internationale Hilfsgelder“, sagte Paloma Martín de Miguel, Leiterin der Afrika-Einsätze bei Aktion gegen den Hunger.
Kürzungen der Hilfe
Während der Hungerperiode gehen die Vorräte aus der letzten Ernte zur Neige, Lebensmittel werden teurer und neue Ernten stehen erst ab Oktober zur Verfügung. Familien reduzieren in dieser Zeit Menge und Qualität ihrer Mahlzeiten, verkaufen oft ihr verbleibendes Vieh, und die Unterernährung nimmt zu. In den letzten drei Jahren ist die Zahl der Menschen in einer Ernährungskrise in dieser Phase um mehr als 8 Millionen gestiegen.
Gleichzeitig verschärfen Konflikte und Vertreibungen die Lage: Millionen Menschen im Sahel und im Sudan können ihre Felder nicht bewirtschaften oder Märkte nicht erreichen, während Nahrungsmittel und Treibstoff gezielt als Mittel der Kriegsführung eingesetzt werden.
Die Finanzierung humanitärer Hilfe bleibt unzureichend: Derzeit sind nur 22 Prozent der benötigten Mittel für den Sudan gesichert, 16 Prozent für Mali und 13 Prozent für Niger.
„Das Ausbleiben einer internationalen Reaktion verwandelt vorhersehbare Krisen in extreme Notlagen und Hungersnöte. Kürzungen der humanitären Hilfe und der Entwicklungszusammenarbeit bedeuten, dass Hunderte von Gemeinden in einen Teufelskreis aus Armut und Hunger geraten könnten“, so Martín de Miguel.
Globales Epizentrum des Hungers
Besonders betroffen sind viele Länder in der Sahelregion, das globale Epizentrum des Hungers. Im Sudan sind rund 20 Millionen Menschen – fast 40 Prozent der Bevölkerung – von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen. Auch in Mali und Niger dürfte sich die Lage während der Hungerperiode weiter verschärfen. In Niger sind die Preise für Grundnahrungsmittel wie Hirse und Reis in den letzten fünf Jahren um rund 30 Prozent gestiegen, wodurch sie für viele Menschen kaum noch erschwinglich sind.
Kinder sind besonders gefährdet: Mangelernährung und damit verbundene Krankheiten können langfristige Folgen für die körperliche und kognitive Entwicklung einer ganzen Generation haben.
Aktion gegen den Hunger reagiert mit einer Kombination aus Soforthilfe und langfristigen Maßnahmen zur Stärkung der Ernährungssicherheit. In Ländern wie Sudan, Mali, Niger, Mauretanien und Senegal unterstützt die Organisation Millionen Menschen mit Gesundheits- und Ernährungsdiensten, Wasser- und Sanitärversorgung, Bargeldhilfen sowie Unterstützung der Landwirtschaft. Allein im Sudan erreicht sie mehr als 615.000 Menschen, in Mali rund 1,5 Millionen. Diese Maßnahmen retten Leben und tragen dazu bei, die Ernährungssicherheit nachhaltig zu verbessern.
Quelle: www.aktiongegendenhunger.de







