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Island tötet wieder Wale

Foto: Nordatlantische Glattwale. Public Domain, via Wikimedia Commons

Hamburg, 22. Juni 2026 – Erstmals seit drei Jahren haben Walfänger in Island wieder Wale getötet. Das Walfangschiff Hvalur 9 harpunierte zwei Finnwale. Die getöteten Tiere werden zur Walfangstation im Hvalfjörður gebracht und anschließend and Land zerlegt. Es handelt sich um die ersten Wale, die seit 2023 vor Island gejagt wurden. In den kommenden Wochen könnten insgesamt bis zu 150 Wale der Jagd zum Opfer fallen.

„Es ist die Katastrophe, die wir nicht erleben wollten: Das brutale Töten von Walen geht wieder los“, sagt Andreas Dinkelmeyer, Kampagnenleiter des IFAW in Deutschland. „Ich fordere die Regierung und die zuständige Ministerin auf, ihre Ablehnung des Walfangs jetzt unmissverständlich zu bekräftigen und konkrete Pläne für ein neues Gesetz zur Beendigung des Walfangs vorzulegen. Zugleich erwarten wir, dass die bestehenden Vorschriften zum Walfang in der aktuellen Saison konsequent durchgesetzt und Verstöße streng geahndet werden.“

Der IFAW (International Fund for Animal Welfare) kritisiert den Walfang als unnötig, unmenschlich und grausam. Die Tiere leiden oft lange Qualen: Nach einer erschöpfenden Verfolgung werden sie mit Explosivharpunen beschossen. Offizielle Studien haben gezeigt, dass es in einzelnen Fällen bis zu zwei Stunden dauern kann, bis ein Wal stirbt, im Durchschnitt kämpfen sie elfeinhalb Minuten mit dem Tod. Außerdem wurden Fälle dokumentiert, in denen schwer verletzte Tiere entkommen konnten.

Exporte nach Japan

Das isländische Walfangunternehmen Hvalur hf., im Besitz von Kristján Loftsson, hat nach zweijähriger Pause die Jagd auf Finnwale mit zwei Schiffen wieder aufgenommen. Seit der Wiederaufnahme des Walfangs im Jahr 2009 hat das Unternehmen insgesamt 1.017 Finnwale getötet. In der letzten Saison 2023 wurden nur 24 Finnwale erlegt, nachdem es 2022 noch 148 Tiere waren. Das Fleisch wurde überwiegend nach Japan exportiert, wo die Nachfrage jedoch zurückgeht – unter anderem, weil das Land seine eigene Walfangkapazität ausbaut.

Für die Saison 2026 wurde den Walfängern eine Quote von 150 Finnwalen und 168 Zwergwalen zugeteilt. Finnwale sind die zweitgrößten Tiere der Erde und werden offiziell als „gefährdet“ eingestuft. Das bedeutet, dass für diese Art ein hohes Risiko besteht, auszusterben.

Sinkende Nachfrage

Der kommerzielle Walfang erfolgt vor dem Hintergrund einer sinkenden Nachfrage nach Walfleisch. Gleichzeitig steht Island vor einer politischen Richtungsentscheidung: Ende August soll per Referendum darüber abgestimmt werden, ob die Verhandlungen über einen EU-Beitritt wieder aufgenommen werden. Während die Europäische Union kommerziellen Walfang strikt ablehnt, betrachten einige diesen als Symbol nationaler Unabhängigkeit.

„Es gibt nicht einmal einen Markt für das isländische Walfleisch. Kristján Loftsson betreibt diese sinnlose Jagd vermutlich nur, um seiner politischen Interessen Willen“, so Dinkelmeyer weiter. „Das ist umso schockierender, weil die Regierung die Chance hatte, den Walfang in dieser Saison zu stoppen oder wenigstens einzuschränken – und diese Gelegenheit ungenutzt verstreichen ließ. Den Preis dafür zahlen jetzt bis zu 150 tote Finnwale.“

Walfang wird überprüft

Die isländische Regierung hatte angekündigt, die Walfanggesetze zu überprüfen – mit dem klaren Ziel, die Jagd langfristig zu beenden. Ein neuer Anlauf im Gesetzgebungsverfahren könnte bereits im Herbst erfolgen. Allerdings ist nicht auszuschließen, dass mögliche Änderungen erst nach Ablauf der aktuellen Fünfjahreslizenz im Jahr 2029 in Kraft treten. Zuständig ist Industrieministerin Hanna Katrín Friðriksson, die auch die Fischerei verantwortet.

Hoffnung macht der kontinuierliche Wandel in der öffentlichen Meinung und die fast verschwundene Nachfrage nach Walfleisch in Island. Seit der Wiederaufnahme des Walfangs 2003 hat sich in Island ein breites Bündnis aus Umwelt- und Tierschutzorganisationen, dem Tourismussektor, politischen Entscheidungsträger:innen und Rechtsexpert:innen formiert, das auf einen gesellschaftlichen Wandel hinarbeitet.

Andreas Dinkelmeyer: „Die Mehrheit der Isländer:innen will keinen Walfang mehr. Die Regierung ist in der Pflicht, das rücksichtslose und unverantwortliche Verhalten der Walfänger endgültig zu beenden.“

Quelle: ifaw.org

Foto: Nordatlantische Glattwale. Public Domain, via Wikimedia Commons

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