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NGO-Bericht zu Pestiziden im Kaffee

Foto: Kaffee, gemeinfrei, via Wikimedia Commons

Berlin. – Konventioneller Kaffee ist mit in Deutschland verbotenen, hochgiftigen Pestiziden belastet. Das ist das Ergebnis eines gemeinsamen Berichts von Coffee Watch, Deutscher Umwelthilfe, dem INKOTA-Netzwerk und dem Pesticide Action Network (PAN) UK. Der Deutsche Kaffeeverband hat den Bericht zurückgewiesen und spricht von „Alarmismus und pauschalen Verurteilungen“.

Der Bericht stellt insgesamt 159 Pestizidwirkstoffe fest, die in der Kaffeeproduktion eingesetzt werden. Davon sind 59 Prozent in der Europäischen Union verboten. Die Pestizide kommen vor allem in den Anbauländern zum Einsatz, wo sie Mensch und Natur gefährden, und gelangen über globale Lieferketten dennoch in die Kaffeetassen der Menschen in Deutschland. Der Bericht legt die ungerechten doppelten Standards in der Kaffeebranche offen.

Silke Bollmohr vom INKOTA-Netzwerk und Hauptautorin des Berichts erklärt: „Der Bericht macht die Doppelmoral in der Kaffeebranche deutlich sichtbar: Pestizide, die in der EU als zu gefährlich eingestuft sind, werden in Kaffeeanbauländer exportiert und dort unter deutlich schwächeren Schutzstandards eingesetzt. Der so produzierte Kaffee gelangt anschließend wieder in unsere Supermärkte – die gesundheitlichen Folgen tragen jedoch andere: Arbeiterinnen und Arbeiter, ihre Familien und die Bevölkerung in den Anbaugebieten. Sie erkranken, während wohlhabende Länder sich vor genau diesen Risiken schützen. Das ist Umweltungerechtigkeit und ein Menschenrechtsproblem. Politik und Unternehmen dürfen nicht länger von einem System profitieren, das die Risiken auf Menschen und Ökosysteme in den Anbauländern verlagert.“

Pestizid-Export stoppen

Dazu Svane Bender, Bereichsleiterin Naturschutz und biologische Vielfalt der DUH: „Der Schaden, der durch hochgiftige Pestizide im Kaffeeanbau für Mensch und Natur entsteht, ist katastrophal. Allein Deutschland importiert jährlich durchschnittlich 1,1 Millionen Tonnen ungerösteten Kaffee mit einem Profit für die Kaffeefirmen von bis zu 12,9 Milliarden Euro pro Jahr. Die Folge sind kranke Arbeiterinnen und Arbeiter, zerstörte Artenvielfalt und vergiftete Böden. Wir fordern, dass der Export von Pestiziden, die hierzulande verboten sind, schnellstmöglich gestoppt wird. Deutsche Kaffeefirmen müssen außerdem Bäuerinnen und Bauern in den Anbaugebieten beim ökologischen Umbau ihrer Plantagen unterstützen.“

Die eingesetzten Pestizide stehen nachweislich mit massiven Gesundheitsschäden in Zusammenhang, wie Krebs und Fortpflanzungsschäden. Laut Bericht enthält etwa jede fünfte Tasse Kaffee giftige Pestizidrückstände. Während Verbraucherinnen und Verbraucher so mit Pestizidrückständen in Kontakt kommen können, tragen die Menschen in den Anbauländern die größte Last. Sie sind den Pestiziden unmittelbar ausgesetzt, oft ohne ausreichende Schutzkleidung. Bei einigen Giften sind die Rückstände sogar noch langanhaltender, wie bei Glyphosatrückständen (AMPA genannt), bei denen in 72 Prozent der Kaffeeproben Giftrückstände nachgewiesen wurden.

Allein in Brasilien wurden 2015 rund 19,8 Millionen Liter Pestizide im Kaffeeanbau eingesetzt, das ist pro Hektar mehr als beim Anbau von Mais oder Soja. In Vietnam hat sich der Pestizideinsatz in 25 Jahren mindestens verdreifacht. In Kenia entfallen 27 Prozent des nationalen Pestizideinsatzes auf den Kaffeeanbau, obwohl Kaffee weniger als ein Prozent der Anbaufläche einnimmt.

Coffee Watch, DUH, INKOTA-Netzwerk und PAN fordern Bundesregierung und die EU auf, den Export von in Europa verbotenen Pestiziden zu beenden und Unternehmen stärker in die Pflicht zu nehmen, den Übergang zu einer ökologisch verträglichen und menschenrechtskonformen Kaffeeproduktion mitzufinanzieren.

=> Bericht „Gift in unserer Kaffeetasse“

Quelle: inkota.de

Der Deutsche Kaffeeverband nimmt zu dem NGO-Bericht wie folgt Stellung:

Als Deutscher Kaffeeverband teilen wir das grundlegende Ziel, den Kaffeeanbau weltweit nachhaltiger, umweltschonender und sozial gerechter zu gestalten. Die in dem Bericht dargestellten Verallgemeinerungen und die erzeugte Verunsicherung von Verbrauchern weisen wir jedoch entschieden zurück.
 
​Zur Versachlichung der Debatte nehmen wir wie folgt Stellung:
 
​1. Höchste Produktsicherheit: Kaffee in Deutschland ist sicher.
​Kaffee gehört zu den am strengsten kontrollierten Lebensmitteln in Deutschland und Europa.

​Einhaltung der Höchstmengen: Die europäische und deutsche Lebensmittelüberwachung setzt extrem niedrige und streng wissenschaftlich begründete Rückstandshöchstmengen (MRLs) für Pflanzenschutzmittel fest.
 
​Der Röstprozess als Barriere: Kaffee wird als Rohkaffee importiert und in Deutschland bei Temperaturen von bis zu 200 bis 250 °C geröstet. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen kontinuierlich, dass eventuell vorhandene Spuren von Pflanzenschutzmitteln durch die thermische Behandlung beim Rösten sowie bei der anschließenden Extraktion (Brühen) nahezu vollständig abgebaut werden. Für den Endverbraucher besteht zu keinem Zeitpunkt ein gesundheitliches Risiko. Die Behauptung, Kaffee sei ein „belastetes“ Endprodukt, ist wissenschaftlich nicht haltbar.
 
2. Differenzierter Pflanzenschutz statt pauschaler Verbote
​Der moderne Kaffeeanbau im globalen Süden steht vor enormen Herausforderungen, insbesondere durch die spürbaren Folgen des Klimawandels (z. B. die unvorhersehbare Ausbreitung von Schädlingen wie dem Kaffeekirschenkäfer oder Pilzerkrankungen wie dem Kaffeerost). Unsere Mitgliedsunternehmen engagieren sich für nachhaltige Klimaanpassungsmaßnahmen und für eine regenerative Landwirtschaft, die darauf abzielt, Bodenfruchtbarkeit, Biodiversität und Ökosysteme aktiv zu verbessern und wiederherzustellen. Dies sind mittel- und langfristige Maßnahmen, die mit aktuellen Erfordernissen der Kaffeeproduzenten in Einklang gebracht werden müssen.

​Existenzsicherung der Farmer: Ein gänzlicher Verzicht auf gezielten Pflanzenschutz würde in vielen Anbauregionen zu massiven Ernteausfällen führen. Dies würde die Existenz von Millionen Kleinbauern unmittelbar bedrohen, die auf ein stabiles Einkommen angewiesen sind.
 
​Integrierter Pflanzenschutz: Unsere Mitgliedsunternehmen fördern vor Ort das Konzept des „Integrierten Pflanzenschutzes“: Chemische Mittel werden dabei als letztes Resort und unter Einhaltung lokaler und internationaler Anwendungsregeln eingesetzt, während biologische und mechanische Verfahren Vorrang haben.

​3. Verantwortung in der Lieferkette und Unterstützung vor Ort
​Die deutsche Kaffeewirtschaft stellt sich ihrer menschenrechtlichen und ökologischen Verantwortung entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

​Umsetzung des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes (LkSG): Deutsche Kaffeeröster und -händler prüfen ihre Lieferketten kontinuierlich und intensiv auf Risiken für Mensch und Umwelt. Die Sicherheit und Gesundheit der Arbeiter auf den Plantagen hat dabei oberste Priorität.

​Kapazitätsaufbau (Capacity Building): Durch zahlreiche privatwirtschaftliche Initiativen, Partnerschaften mit der Entwicklungszusammenarbeit und anderen renommierten Institutionen und die Förderung von zertifizierten Kaffees (wie Fairtrade, Rainforest Alliance, 4C oder Bio) unterstützen Kaffeeunternehmen Farmer aktiv bei Schulungen zur Arbeitssicherheit, dem korrekten Umgang mit Betriebsmitteln oder der Transformation hin zu agroforstwirtschaftlichen Strukturen.

​4. Zum Thema Export von Pflanzenschutzmitteln
​Die Regulierung und Zulassung von Pflanzenschutzmitteln obliegt den souveränen Regierungen der jeweiligen Anbauländer. Diese müssen basierend auf ihren spezifischen klimatischen Bedingungen und Schädlingsdrucken entscheiden, welche Mittel notwendig sind. Ein einseitiges Exportverbot aus der EU löst das Problem vor Ort nicht, sondern führt lediglich dazu, dass Anbauländer diese Mittel aus anderen Regionen der Welt (z. B. Asien) beziehen, wo europäische Sicherheitsstandards bei der Herstellung und Kennzeichnung nicht greifen.

​Der Deutsche Kaffeeverband und seine Mitglieder arbeiten kontinuierlich an der Dekarbonisierung und Ökologisierung der Lieferketten. Dies ist ein langfristiger Transformationsprozess, der nur im Dialog mit allen Beteiligten – inklusive der Erzeugerländer – gelingen kann. Alarmismus und pauschale Verurteilungen einer ganzen Branche helfen weder den Kaffeebauern im globalen Süden noch den Verbrauchern in Deutschland.

Foto: Kaffeepflanzen, gemeinfrei, via Wikimedia Commons

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