Bonn. – Ein neuer Bericht von UN Women zeigt die dramatischen Folgen der jüngsten Kürzungen in der Entwicklungszusammenarbeit und humanitären Hilfe auf. Mindestens eine Million Frauen und Mädchen haben demnach seit Januar 2025 den Zugang zu lebenswichtiger Unterstützung verloren.
Der Bericht „Beyond the Breaking Point“ beklagt, dass Konflikte und humanitäre Krisen weltweit zunehmen und immer häufiger eskalieren: „Bewaffnete Konflikte haben ein Ausmaß erreicht, das seit 80 Jahren beispiellos ist, und konfliktbedingte sexualisierte Gewalt hat sich 2025 verdoppelt.“ Für den Bericht wurden 855 Frauenrechts- und frauengeführte Organisationen in 52 von Krisen und Konflikten betroffenen Ländern befragt. Viele von ihnen operieren an der vordersten Front und in Gemeinden, die von internationalen Organisationen nicht oder nicht mehr erreicht werden.
Alarmierende Lage
Die Ergebnisse zeichnen ein alarmierendes Bild: Mindestens 1 Million Frauen und Mädchen haben seit Januar 2025 den Zugang zu lebenswichtiger Unterstützung verloren. 92 Prozent der befragten Frauenorganisationen verzeichnen eine zunehmende Armut unter den von ihnen unterstützten Frauen und Mädchen. 84 Prozent berichten in Folge von einer steigenden Nachfrage nach ihrer Unterstützung. Neun von zehn Organisationen können den aktuellen Bedarf nicht mehr decken. 63 Prozent der Organisationen mussten ihre Angebote in abgelegenen und schwer erreichbaren Gemeinden einschränken oder ganz einstellen. 86 Prozent beobachten einen gravierenden Anstieg geschlechtsspezifischer Gewalt; 62 Prozent berichten, dass Schutzräume für gewaltbetroffene Frauen nicht mehr verfügbar sind oder erheblich reduziert werden mussten.
Die Hälfte der Organisationen hat dem Bericht zufolge Wartelisten eingeführt oder muss hilfesuchende Frauen und Mädchen abweisen. 82 Prozent geben an, dass immer mehr Mädchen die Schule abbrechen. 65 Prozent der frauengeführten Organisationen berichten, dass Mitarbeitende unbezahlt weiterarbeiten, um die Unterstützung aufrechtzuerhalten. 88 Prozent berichten von einer Verschlechterung der psychischen Gesundheit der von ihnen betreuten Frauen und Mädchen und 48 Prozent verzeichnen zunehmende Burnout-Fälle innerhalb ihrer eigenen Teams.
„Trotz ihrer unverzichtbaren Rolle waren Frauenorganisationen bereits vor der aktuellen Kürzungswelle chronisch unterfinanziert. Weltweit benötigen rund 120 Millionen Frauen und Mädchen humanitäre Hilfe und Schutz. Eine verlässliche und angemessene Finanzierung ist nicht nur eine Frage der globalen Verantwortung und der Menschenrechte, sondern für viele dieser Frauen und Mädchen eine Frage des Überlebens“, sagt Dr. Angela Langenkamp, Vorsitzende von UN Women Deutschland.
Frauenrechte unter Druck
Der globale Bericht warnt davor, dass sich die Mittelkürzungen weit über humanitäre Hilfsmaßnahmen hinaus auswirken: Frauenrechte und Geschlechtergerechtigkeit geraten weltweit zunehmend unter Druck. Bereits jede fünfte Organisation hat ihre Arbeit zur Gleichstellung der Geschlechter und Förderung von Frauen in Führungspositionen eingestellt. Mehr als die Hälfte berichtet von einer rückläufigen Beteiligung von Frauen an lokalen Entscheidungsprozessen – Prozessen, in denen es unmittelbar um ihr Leben ebenso wie Frieden, Sicherheit und Wiederaufbau geht.
„Die aktuell diskutierte Zusammenlegung von UN Women und dem UN-Bevölkerungsfonds UNFPA würde die Situation für Frauen und Mädchen in Not noch verschärfen. Wir fordern daher eine sichere Finanzierung und die Stärkung des Dreifachmandats von UN Women auch in Konflikten und Krisen, in denen die Sicherheitsrat Resolution 1325 zu Frauen, Frieden und Sicherheit greift, sowie die Förderung von Frauenrechten und Geschlechtergerechtigkeit weltweit.“, so Dr. Langenkamp.
Quelle: unwomen.de







