Berlin. – Ein neuer UN-Bericht mit dem Titel „Gender Snapshot 2026“ warnt vor politischen Rückschritten bei der Gleichstellung der Geschlechter. Institutionen würden gezielt geschwächt, Finanzierungen gekürzt und Frauen von politischer, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Macht ausgeschlossen, erklärte UN Women.
Der „Gender Snapshot“ von UN Women und UN DESA analysiert Fortschritte und Rückschritte bei der Umsetzung der 17 UN-Nachhaltigkeitsziele (SDGs) aus Geschlechterperspektive und kommt zu dem Schluss: Schon bei gleichbleibendem Tempo würde es 171 Jahre dauern bis das SDG 5 – das Ziel der Geschlechtergerechtigkeit – erreicht ist.
„Wir müssen uns fragen: In welcher Welt, in welchen Gesellschaften und Gemeinschaften wollen wir leben – welche Werte leiten uns? Mit politischem Willen, gezieltem und konsequentem Handeln und ausreichenden Investitionen können Entscheidungsträger*innen SDG 5, die Gleichstellung der Geschlechter, die im Grundgesetz und in der Nachhaltigkeitsagenda fest verankert ist, Realität werden lassen. Unterstützen wir sie dabei, es zu tun!“, sagt Dr. Angela Langenkamp, Vorstandsvorsitzende von UN Women Deutschland.
Frauen unterrepräsentiert
Der Bericht zeigt auch: Frauen sind weltweit noch immer noch deutlich seltener dort vertreten, wo politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Entscheidungen getroffen werden. 6 von 7 Ländern, 90 Prozent der Verteidigungsministerien und über 80 Prozent der Finanzministerien werden von Männern geführt. In den nationalen Parlamenten sitzen im Durchschnitt nur 27,4 Prozent Frauen.
Noch immer stellen Frauen nur 6 Prozent der CEOs und ein Viertel der Unternehmensvorstände. In der Forschung sind weniger als ein Drittel Frauen, unter KI-Fachkräften sind es sogar nur 22 Prozent. Bei fast 8 von 10 Friedensprozessen weltweit waren Frauen überhaupt nicht als Verhandlungsführerinnen oder Vermittlerinnen zugelassen und/oder beteiligt.
„Die Glaubwürdigkeit eines jeden demokratischen Staates steht auf dem Spiel, wenn er sich nicht an die eigene Verfassung und politischen Verpflichtungen hält, wenn er sich nicht aktiv und wirksam dafür einsetzt, dass geschlechtsspezifische Benachteiligungen und Ausgrenzungen abgebaut werden und Frauen gleichberechtigt über die Zukunft mitentscheiden.“, so Dr. Langenkamp weiter.
Diskriminierung und Gewalt
2025 wurden mehr als doppelt so viele Fälle konfliktbezogener sexualisierter Gewalt bestätigt wie 2024, so der Bericht. Jede dritte Frau erlebt im Laufe ihres Lebens Partnerschaftsgewalt oder sexualisierte Gewalt. 80 Prozent der weiblichen Parlamentskandidatinnen und 63 Prozent der Kandidatinnen bei Kommunalwahlen erleben während des Wahlkampfs Gewalt. Geschlechtsspezifische Gewalt ist nicht nur eine Folge fehlender Gleichstellung, sondern auch ein Instrument, um Frauen von Macht und Einfluss fernzuhalten.
Es fehlt nicht nur an deutlichen Fortschritten – Rückschritte sind messbar. Frauenrechtsorganisationen, die sich für die Stärkung von Frauen und Mädchen einsetzen, werden die Mittel gekürzt: von 2023 bis 2024 gingen sie um 28 Prozent zurück, weitere Kürzungen sind zu erwarten. Am stärksten betroffen sind Frauenorganisationen in humanitären Krisengebieten, wo die Unterstützung am dringendsten nötig ist.
Zwischen 2020 und 2026 ist der Frauenanteil in den Parlamenten von 54 Ländern gesunken. Bei der aktuellen Entwicklung würde Parität in den Parlamenten erst 2064 erreicht; bei dem langsameren Tempo der vergangenen fünf Jahre sogar erst 2089.
Politischer Wille notwendig
Schnellere Fortschritte erfordern dringend politischen Willen und umfassende Maßnahmen, die die Teilhabe von Frauen durch Quoten erhöhen, strukturelle Barrieren wie diskriminierende soziale Normen und geschlechtsspezifische Gewalt abbauen sowie die Finanzierung für Frauenorganisationen erhöhen und nicht senken.
UN Women Deutschland fordert die UN-Mitgliedstaaten auf, die Gleichstellung der Geschlechter jetzt und über das Jahr 2030 hinaus zu fördern, ausreichend zu finanzieren und ihr Priorität einzuräumen. Politische Entscheidungsträger*innen müssten sicherstellen, dass der Agenda 2030 ein umfassendes, global verpflichtendes Regelwerk folgt, in dem die Gleichstellung der Geschlechter ein unverhandelbares Ziel, handlungsleitendes Prinzip und verbindlicher Maßstab für eine lebenswerte und nachhaltige Zukunft bleibt.
Die Ergebnisse des Berichts kommen zu einem entscheidenden Zeitpunkt für das multilaterale System: Die Staats- und Regierungsoberhäupter der Welt versammeln sich zur 81. Sitzung der UN-Generalversammlung (UNGA81), während die Vereinten Nationen die Wahl des zehnten Generalsekretärs vorbereiten – ein Amt, das in der 80-jährigen Geschichte der UN noch nie von einer Frau bekleidet wurde.
Quelle: unwomen.de







