
Die meisten Kindersoldaten gibt es nach Angaben von UNICEF und missio auf dem afrikanischen Kontinent, aber auch in Asien, im Nahen Osten und in Bürgerkriegen in Lateinamerika werden Kinder als Soldaten missbraucht. Viele dienen bereits mit acht oder neun Jahren in Milizen, aber auch in regulären Truppen, und werden häufig zu entsetzlichen Grausamkeiten gezwungen.
Nach einer aktuelle Studie, die Kinderpsychiater der Ambulanz für Flüchtlingskinder, ein Projekt der Stiftung Children for Tomorrow und der Universitätsklinik Hamburg Eppendorf, mit Unterstützung u.a. von UNICEF in Uganda und der Demokratischen Republik Kongo durchgeführt haben, litten über ein Drittel der untersuchten ehemaligen Kindersoldaten unter schweren posttraumatischen Belastungsstörungen. 54 Prozent der befragten Kinder gaben an, selbst jemanden getötet zu haben.
Die ehemalige Kindersoldatin China Keitetsi aus Uganda wurde mit neun Jahren rekrutiert. Über zehn Jahre waren der Krieg und die Welt der Soldaten ihr zu Hause. Nach ihrer Flucht nach Dänemark schrieb sie als erste Kindersoldatin ihre dramatischen Erfahrungen auf. In ihrem neuen Buch „Tränen zwischen Himmel und Erde“, das in dieser Woche im Marion von Schröder Verlag erscheint, schildert sie, wie sie auch im sicheren Europa immer wieder von ihren traumatischen Erfahrungen eingeholt wird und um ihren Weg zurück ins Leben kämpfen muss. „Wir brauchen Ihre Hilfe. Sehen Sie mich als Kindersoldatin, nicht als Monster an“, schreibt China Keitetsi.
„Der Missbrauch von Kindern als Soldaten ist eine der schlimmsten Menschenrechtsverletzung. Doch die meisten ehemaligen Kindersoldaten können physisch und psychisch wieder gesund werden, wenn wir ihnen die Möglichkeit geben, ihre Erfahrungen aufzuarbeiten, zur Schule zu gehen und einen Beruf zu erlernen“, sagte Dietrich Garlichs, Geschäftsführer von UNICEF Deutschland.
„Kindersoldaten leiden an den Verbrechen, zu denen sie gezwungen wurden. Ohne Versöhnung mit sich selbst und ihren Mitmenschen kann es keinen Frieden geben“, erklärte Pater Josef Gerner, der seit Mitte der 90er Jahre ehemaligen Kindersoldaten in Norduganda hilft.
Seit 2001 haben mit Unterstützung von UNICEF und anderen Organisationen weltweit über 95.000 Jungen und Mädchen in Krisengebieten spezielle Demobilisierungsprogramme durchlaufen. In dieser Woche wird die Arbeitsgruppe des UN-Sicherheitsrats zu Kindersoldaten in New York zusammen kommen. Der Sicherheitsrat hat den Einsatz von Kindersoldaten in 38 Konfliktparteien in 12 Ländern dokumentiert – darunter Burundi, Elfenbeinküste, Demokratische Republik Kongo, Burma, Somalia, Sri Lanka, Sudan, Tschad und Uganda. Aber auch in anderen Konflikten wie im Irak, in Palästina oder Afghanistan werden Kinder und Jugendliche immer wieder in bewaffnete Auseinandersetzungen hinein gezogen.
Zusammen mit der internationalen Kampagne „Stop the Use of Child Soldiers“ fordern UNICEF und missio, Regierungen und Rebellengruppen müssten das Zusatzprotokoll zur UN-Kinderrechtskonvention zu Kindersoldaten umzusetzen. Dieses verbietet den Einsatz von Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren in Kampfeinsätzen. Zusätzlich sollen alle Militärs auch auf den Einsatz von Minderjährigen außerhalb von Kampfeinsätzen verzichten.
Die internationale Gemeinschaft müsse zudem mehr Druck auf nicht-staatliche Akteure ausüben, keine Kinder mehr einzusetzen, fordern UNICEF und missio. Im Gegenzug dazu sollte sie Unterstützung bei der Demobilisierung anbieten. Militärs oder Milizenchefs, die Kinder als Soldaten missbrauchen, müssten zur Verantwortung gezogen werden.




