Berlin. – Die Zahl der von Ernährungsarmut betroffenen Menschen ist um 78 Millionen auf 2,79 Milliarden Menschen gesunken. Das ist ein Ergebnis der Studie „Armutslücke Welternährung 2026“, die im Vorfeld des Erntedankfestes (4.10.) und des Welternährungstages (16.10) vorgestellt worden ist.
„Die diesjährigen Ergebnisse der Studie Armutslücke Welternährung machen deutlich, dass Verbesserungen möglich sind“, erklärt Lutz Depenbusch, Misereor-Experte für Welternährung und Entwicklungsökonom. „Das ist ein ermutigendes Signal für den Einsatz gegen Hunger und Mangelernährung, insbesondere angesichts der Verschlechterungen in den Vorjahren.“ Die größte Verbesserung verzeichnet im Berechnungszeitraum 2025 Südasien. Damit lässt die Region Rückschläge aus Zeiten der Coronakrise hinter sich. Auch in Subsahara-Afrika und Nahost-Nordafrika ist die Ernährungsarmut nach mehrjährigen Verschlechterungen etwas zurückgegangen.
Allerdings bleibt die Ernährungsarmut global betrachtet weiterhin auf hohem Niveau. Mehr als jeder dritte Mensch weltweit kann sich keine gesunde Ernährung leisten. Der Betrag, der Betroffenen zusammengerechnet fehlt, beträgt 2,79 Billionen US-Dollar. Das bedeutet, jeder Person fehlen umgerechnet 1.000 US-Dollar pro Jahr bzw. 2,74 US-Dollar am Tag, um sich gesundes Essen leisten zu können. „Die Welt produziert faktisch genug Wohlstand, doch Milliarden bleiben davon ausgeschlossen,“ gibt Depenbusch zu bedenken. Wie die Berechnungen in der Studie zeigen, entspricht die Armutslücke von 2,79 Billionen US-Dollar lediglich 1,31 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung.
Teure Lebensmittel
Ein Treiber von Ernährungsarmut sind steigende Preise für Lebensmittel. „Die Preise für eine gesunde Ernährung sind zwischen 2017 und 2025 um 46 Prozent angestiegen“, berichtet Jonas Stehl, Entwicklungsökonom an der Universität Göttingen. „Unsere Berechnungen zeigen, dass dies erheblich zum heutigen Ausmaß der Ernährungsarmut beigetragen hat.“ Insbesondere in Nahost-Nordafrika haben die gestiegenen Preise für eine gesunde Ernährung zwischen 2017 und 2025 den langjährigen Anstieg der Ernährungsarmut mitbewirkt. In Südasien haben die gestiegenen Preise die Effekte großer Einkommenszuwächse zwischen 2017 und 2025 fast vollständig aufgehoben.
„Das macht deutlich, wie wichtig es ist, die Folgen steigender Preise für Menschen mit niedrigen Einkommen abzufedern“, folgert Lutz Depenbusch. Für viele der am stärksten betroffenen Staaten bleiben solche einkommensunterstützenden Maßnahmen jedoch kaum finanzierbar. Entscheidend sei daher nicht nur kurzfristige Hilfe, sondern strukturelle Verbesserungen zugunsten ärmerer Länder, etwa im Rahmen laufender UN-Prozesse zur globalen Schulden- und Steuerarchitektur.
Laut Depenbusch kann trotz der Verbesserungen zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht von einer Trendwende gesprochen werden. „Die globale Ernährungssituation steht aktuell durch den Krieg am Persischen Golf und das sich anbahnende El-Niño Klimaphänomen unter enormem Druck. Partnerorganisationen von Misereor berichten bereits von Ernteausfällen, weiter steigenden Lebensmittelpreisen und sinkenden Einkommen. Selbst wenn diese Krisen vorübergehend sind, werden sie den Kampf gegen die Ernährungsarmut erneut zurückwerfen, wenn keine zusätzlichen Maßnahmen ergriffen werden.“
Quelle: misereor.de







