Genf/Stuttgart (epo.de). – Pierre Claver Mbonimpa, ein Menschenrechtskämpfer und ehemaliger Polizist aus Burundi, sowie zwei Lehrer aus Sri Lanka, Rajan Hoole und Kopalasingham Sritharan, die die Menschenrechtsverletzungen aller Kriegsparteien dokumentiert haben, erhalten am Dienstag (2. Oktober) den Martin Ennals Preis (MEA) 2007 für Menschenrechtsverteidiger. Der UN-Kommissar für Menschenrechte wird den Preis während einer Zeremonie in Genf überreichen.
Im Namen der zehn internationalen Nichtregierungsorganisationen der Jury des Martin Ennals Preises bezeichnete der Vorsitzende, Hans Thoolen, die Laureaten als „Schlüsselfiguren im Kampf um Menschenrechte und Demokratie in ihren Ländern, in denen der dramatische Kampf um Frieden ein grosses Risiko für ihre Arbeit darstellt.“
Pierre Claver Mbonimpa war bis Dezember 1994 Polizist in Burundi. Aufgrund falscher Beschuldigungen verbrachte er zwei Jahre im Gefängnis. Nach seiner Freilassung gründete er die Burundian Association for the Protection of Human Rights and Detained Persons (APRODH) zum Schutz der Rechte von Gefängnisinsassen. Er habe furchtlos die Folter angeprangert und Zusammenkünfte organisiert, während derer sich Polizei und Repräsentanten des Militärs öffentlich den Fragen von Menschenrechtsaktivisten und Opfern stellen mussten, so die NRO. Oft werde hervorgehoben, dass er der einzige sei, der sich für die Rechte der Hutus, Tutsis und Batwas einsetze. Er spreche sich offen gegen Menschenrechtsverletzungen aus, so z. B. im Februar, als er die Misshandlung von Gefangenen in Untersuchungshaft durch Polizei und Verwaltungspersonal anprangerte, insbesondere im Landesinnern. Sein Mut und sein Einsatz seien international anerkannt: Während der letzten Sitzung des Menschenrechtsrates in Genf war er aufgefordert worden, im Namen von Menschenrechtsorganisationen über die Lage in Burundi zu sprechen.
Rajan Hoole und Kopalasingham Sritharan, Mitbegründer der University Teachers for Human Rights (UTHR), haben die Menschenrechtsverletzungen in Sri Lanka, die sowohl von der Regierung als auch von der Rebellenorganisation Tamil Tigers (LTTE) verübt wurden, beobachtet und dokumentiert. Unter grossem persönlichen Risiko berichteten sie in den letzten 18 Jahren über die Folgen der bewaffneten Auseinandersetzung für Kinder, Frauen, Minderheiten und Flüchtlinge. Seit dem letzten Aufflammen der Auseinandersetzungen hat die UTHR nach Angaben der Jury bahnbrechende Nachforschungen zu den schlimmsten Verbrechen angestellt, darunter zu Trinco 5, der Mullaitivu Bombardierung, bei der 51 junge Frauen und Mädchen umkamen, sowie zur hinrichtungsartigen Ermordung von 17 Mitarbeitern von Hilfsorganisationen. Da sie oft als einzige die Menschenrechtsverletzungen aller beteiligten Kriegsparteien anprangerten, habe die LTTE gegen beide Männer die Todesstrafe verhängt. Obwohl sie nach der Ermordung ihres Mitstreiters Rajani Thiranagama gezwungen waren, mehr als zehn Jahre lang im Untergrund zu arbeiteten, sind ihre Berichte in Sri Lanka und im Ausland wohl bekannt.
Der Martin Ennals Preis (MEA) ist aufgrund einer einzigartigen Zusammenarbeit von zehn der weltweit führenden Menschenrechtsorganisationen der bedeutendste Preis der Menschenrechtsbewegung. Er ist nach dem ersten Generalsekretär von Amnesty International benannt. Die Jury besteht aus folgenden Nichtregierungsorganisationen: Amnesty International, Human Rights Watch, Human Rights First, International Federation for Human Rights, World Organization Against Torture, International Commission of Jurists, German Diakonie, International Service for Human Rights, Front Line und HURIDOCS.
Frühere Preisträger sind: Akbar Ganji, Iran und Arnold Tsunga, Zimbabwe (2006); Aktham Naisse, Syrien (2005); Lida Yusupova, Russland; Alirio Uribe Mu?oz, Kolumbien; Jacqueline Moudeina, Tschad; Peace Brigades International; Immacul?e Birhaheka, DR Congo; Natasa Kandic, Jugoslavien; Eyad El Sarraj, Palestina; Samuel Ruiz Garc?a, Mexiko; Clement Nwankwo, Nigeria; Asma Jahangir, Pakistan; Harry Wu, China.




