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GfbV: Niger macht Journalisten wegen Tuareg-Konflikt mundtot

GfbVGöttingen (epo.de). – Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) hat der Regierung des Niger vorgeworfen, die Pressefreiheit massiv zu verletzen, um jede unabhängige Berichterstattung über den Tuareg-Konflikt im Norden des Landes zu unterdrücken. Die Menschenrechtsorganisation appellierte nachdrücklich an den Staatspräsidenten des Niger, Mamadou Tandja, unverzüglich drei inhaftierte Journalisten freizulassen und eine freie Berichterstattung zu ermöglichen.

„Mit besonderer Sorge verfolgen wir das Schicksal des nun schon seit 40 Tagen inhaftierten Rundfunkredakteurs Moussa Kaka“, berichtete GfbV-Afrikareferent Ulrich Delius am Donnerstag in Göttingen. Der Direktor des privaten Senders Radio Saraounia und Korrespondent von Radio France Internationale sei auch ein langjähriger Partner der Deutschen Welle. Sein Sender strahle täglich Programme der Deutschen Welle in Französisch und Haussa aus.

Moussa Kaka werde „Landesverrat“ vorgeworfen, weil er Interviews mit Tuareg-Rebellen geführt habe,so die GfbV. Ihm drohe eine lebenslange Haftstrafe. Schon vor seiner Verhaftung am 20. September 2007 sei er mehrfach von Sicherheitskräften bedroht worden, berichtete Delius.

Bereits in den 90er Jahren hatte der Journalist mit seiner umfassenden Berichterstattung über den Tuareg-Konflikt landesweit Aufsehen erregt. Tuareg hatten im Januar 2007 erneut zu den Waffen gegriffen, nachdem ein 1996 geschlossener Frieden zusammengebrochen war. Die Nomaden fühlten sich von der Regierung benachteiligt und fordern mehr Hilfen für ihre Region, so die GfbV. Seither starben mehr als 80 Menschen bei Angriffen der Tuareg-Kämpfer und Übergriffen der Armee auf die Zivilbevölkerung. Bislang setze die Regierung des Niger nur auf eine militärische Zerschlagung der Rebellenbewegung und verweigere einen glaubwürdigen Dialog, kritisierte die GfbV.

Die beiden anderen Inhaftierten arbeiten für die Zeitung „Air-Info“. Gegen den am 9. Oktober 2007 festgenommenen Herausgeber Ibrahim Manzo Diallo hat die Staatsanwaltschaft nach Informationen der GfbV am Mittwoch offiziell Anklage wegen Unterstützung der Tuareg-Rebellen erhoben. Seine zweimal im Monat in der Stadt Agadez erscheinende Zeitung hatte die Behörden verärgert, weil sie eine Liste mit den Namen von 20 Personen veröffentlicht hatte, die aufgrund des Tuareg-Konflikts festgenommen worden waren. Aufgrund ihrer kritischen Berichterstattung über die Lage der Tuareg war „Air Info“ im Juni mit einem dreimonatigen Publikationsverbot belegt worden. Am 25. Oktober wurde der Zeitungs-Korrespondent Daouda Yacouba verhaftet.

„Auch die Berichterstattung ausländischer Journalisten wird unterbunden“, kritisierte Delius. So sei der französische Filmemacher Francois Bergeron bereits am 5. Oktober ausgewiesen worden, weil er einen Filmbeitrag über den Tuareg-Konflikt vorbereitete. Einer Korrespondentin von Radio France Internationale (RFI) sei die Reise in den Norden des Landes nicht gestattet worden. Gegen RFI sei im Juli ein einmonatiges Sendeverbot ausgesprochen worden.

„Die Verhaftung und Kriminalisierung von Journalisten, die zeitweilige Schließung von Zeitungen und Radiosendern, die Verweigerung von Reisegenehmigungen und Ausweisung ausländischer Journalisten missachten grundlegende Menschenrechte in der jungen Demokratie und sind ein Rückfall in schlimmste Zeiten der Diktatur“, erklärte Delius.

www.gfbv.de

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