
„Mehr als die Hälfte der Vergewaltigungen, die ai dokumentiert hat, wurden auf Polizeistationen oder in Armeebaracken begangen. Um Geständnisse zu erzwingen, einzelne Personen oder ganze Gemeinden einzuschüchtern“, sagte Christian Hanussek, Nigeria-Experte der deutschen Sektion von amnesty international. „Sexuelle Gewalt ist zu einer Art stillen Waffe der Polizei und Armee geworden.“
Häufig würden Vergewaltigungsopfer von ihrer Familie oder Gemeinschaft verstoßen und redeten deshalb mit niemandem über das Geschehene, so ai. Viele Frauen wüssten nicht, wie und wo sie Hilfe erhalten können. Deswegen zeigten nur wenige vergewaltigte Mädchen und Frauen das Verbrechen an. „Kommt es zur Anzeige, behindern Korruption, Inkompetenz und diskriminierende Gesetze die Strafverfolgung“, so Nigeria-Experte Hanussek.
In den von ai untersuchten Fällen ist kaum ein Täter verurteilt worden. Im Norden, wo das islamische Scharia-Recht gilt, liefen die Frauen und Mädchen außerdem Gefahr, wegen unbewiesener Anschuldigungen oder außerehelicher sexueller Beziehung selbst verurteilt zu werden – manchmal sogar zum Tod durch Steinigung.
ai fordert die nigerianische Regierung auf, ihren internationalen Verpflichtungen nachzukommen, Vergewaltigung und sexuelle Gewalt zu bekämpfen und der fest verwurzelten Kultur der Straflosigkeit ein Ende zu setzen.




