
Mindestens 500 ehemalige Kindersoldaten leben Schätzungen zufolge derzeit in Deutschland. Sie müssten komplizierte und belastende Asylverfahren durchlaufen, erklärten Kindernothilfe und terre des hommes. Kinderspezifische Fluchtgründe wie Zwangsrekrutierung, Missbrauch oder die Ermordung der Eltern spielten dabei asylrechtlich keine Rolle.

Zweite zentrale Forderung von Kindernothilfe und terre des hommes ist die rechtliche Festschreibung von 18 Jahren als Mindestalter für die Aufnahme in die Bundeswehr. Die Bundeswehr beschäftigt nach eigenen Angaben in diesem Jahr 304 Soldatinnen und Soldaten unter 18 Jahren in den Streitkräften. Andererseits kritisiert die Bundesregierung den Einsatz von Kindersoldaten in Asien, Afrika und Lateinamerika. „Der Protest wäre glaubwürdiger, wenn sich die Bundesregierung für einen klaren Standard, also keine Aufnahme von unter 18-Jährigen in die Bundeswehr („straight 18″) entscheiden würde“, erläuterte Barbara Dünnweller von der Kindernothilfe. „Wir fordern daher von der Bundesregierung eine Änderung der Rechtslage.“
Der „Schattenbericht Kindersoldaten“ wurde vom Rechtswissenschaftler Hendrik Cremer im Auftrag von Kindernothilfe und terre des hommes verfasst. Beide Organisationen gehören der Deutschen Koordination Kindersoldaten an, einem Bündnis von zehn Nichtregierungsorganisationen, die Mitherausgeber des Schattenberichts ist. Der „Schattenbericht“ kommentiert den offiziellen deutschen Bericht an die Vereinten Nationen, in dem die Bundesregierung darlegt, auf welche Weise sie den Bestimmungen der UN-Kinderrechtskonvention nachkommt, die Kinder vor dem Missbrauch als Soldaten zu schützen. Er ist Bestandteil des Staatenberichtsverfahrens an die Vereinten Nationen, des bislang einzigen Kontrollinstruments zur Einhaltung der Kinderrechtskonvention.
terre des hommes und Kindernothilfe engagieren sich mit Projekten vor Ort und mit Lobbyarbeit gegen den Einsatz von Minderjährigen in bewaffneten Konflikten. Weltweit leben schätzungsweise 250.000 bis 300.000 Mädchen und Jungen als Kindersoldaten, allein 120.000 von ihnen in Afrika. Sie müssen kämpfen, Boten- und Kochdienste verrichten, schwere Lasten tragen und werden sexuell missbraucht, gefoltert und ermordet.




