
Nach Angaben des Flüchtlingskommissariats der Vereinten Nationen (UNHCR) ist eine von fünf Frauen auf der Welt Opfer einer Vergewaltigung geworden. In einem Offenen Brief forderte die Frauenrechtsorganisation medica mondiale von Bundeskanzlerin Angela Merkel, eine Schlüsselrolle im Einsatz gegen die Gewalt an Frauen in der Demokratischen Republik (DR) Kongo einzunehmen. In dem Land seien trotz Friedensvertrag und dem jüngsten Friedensabkommen von Goma Frauen und Mädchen fortwährend extremer Gewalt ausgeliefert. In der Krisenprovinz Kivu hätten Kriegsparteien aller Couleur schätzungsweise jede dritte Frau vergewaltigt. Die Täter gingen zumeist straffrei aus.
Reporter ohne Grenzen (ROG) forderte mehr Unterstützung für Journalistinnen und all jene, die sich im Internet für die Rechte von Frauen einsetzen. Immer häufiger übten Regierungen und religiöse Gruppen Druck auf sie aus. „Wer sich für Frauenrechte engagiert, muss auch im Jahr 2008 mit langwierigen Prozessen, Morddrohungen, Gefängnis und Folter rechnen“, erklärte ROG. „Das ist nicht akzeptabel. Alle Fälle müssen an die Öffentlichkeit gebracht werden.“
Besonders im Iran stünden all jene unter Druck, die Frauenrechte zum Thema machten. Viele Frauen kämpften im Internet für ihr Recht auf freie Meinungsäußerung, berichtete ROG. Im vergangenen Jahr habre die Regierung 40 von ihnen festnehmen lassen, darunter 32 Journalistinnen und Bloggerinnen. Einige hätten mehrere Wochen im Gefängnis verbracht. Für das iranische Sicherheitsministerium seien sie „Staatsfeinde im Dienste von Ausländern“.
In Afghanistan drängten die konservativen Teile der Bevölkerung auf ein Gesetz, das den zahlreichen Frauen im Fernsehen vorschreiben solle, den religiösen Bekeidungskodex zu befolgen. Im Februar, so ROG, wurde drei Journalistinnen in Mazar-i-Sharif mit der Entführung ihrer Familienangehörigen gedroht, sollten sie weiterhin im Fernsehen auftreten. Die drei Frauen erhielten keinen polizeilichen Schutz. Am 22. Januar verurteilte ebenfalls in Mazar-i-Sharif ein Gericht den jungen Journalisten Sayed Perwiz Kambachsch zum Tode. Er hatte einen Artikel über die Rolle der Frau im Koran aus dem Internet heruntergeladen. Das Gerichtsverfahren gegen den 23-Jährigen fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit und ohne Rechtsbeistand statt.
HOHE MÜTTERSTERBLICHKEIT
Die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) machte darauf aufmerksam, dass täglich 1.464 Frauen weltweit während der Schwangerschaft oder bei der Geburt ihres Babys sterben. Vor allem für Frauen in Afrika südlich der Sahara sei es lebensgefährlich, ein Kind auszutragen oder zu entbinden. In dieser Region stirbt eine von 22 Frauen bei der Geburt – in Deutschland ist es eine von 19.200 Frauen.
„Ein wichtiger Grund für die hohe Müttersterblichkeit gerade in Entwicklungsländern ist der fehlende Zugang zu modernen Familienplanungsmethoden“, erklärte Renate Bähr, stellvertretende Geschäftsführerin der DSW. Die DWS forderte mehr Entwicklungshilfe für die Familienplanung. Seit Jahren seien die Gelder in diesem Bereich rückläufig.
FRAUENRECHTE STÄRKEN
In der vom Tsunami zerstörten indonesischen Provinz Aceh hat die Reform des Einwohnerwesens dazu geführt, die Bürgerrechte der Frauen in ganz Indonesien deutlich zu stärken. Das Programm, das vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) finanziert und von der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) durchgeführt wird, hat den GTZ-Genderpreis erhalten.
Viele Frauen verzichten in Indonesien auf die staatliche Registrierung ihrer Ehen, da ihnen die rechtlichen Vorteile nicht bekannt sind. Doch nur mit der standesamtlichen Beurkundung von Geburten und Heirat können die Frauen das Sorgerecht für ihre Kinder, ein Erbe und Unterhalt einklagen. Vor allem die Zusammenarbeit mit islamischen Gelehrten habe dazu beigetragen, dass sich die Rechtssituation der Frauen durch das GTZ-Programm bereits verbessert hat. Zum Beispiel habe der Islamische Gelehrtenrat in der Provinz Aceh die Registrierung öffentlich befürwortet. Damit sei eine Basis dafür geschaffen worden, dass die Bürgerrechte der Frauen weiter gestärkt und gesellschaftlich anerkannt werden, so die GTZ.
Die Hilfsorganisationen World Vision kritisierte, noch immer würden „jeden Tag rund 70.000 minderjährige Mädchen weltweit gegen ihren Willen verheiratet und viele dieser Mädchen müssen sich jeden Schritt aus dem Haus genehmigen lassen“. Langfristig angelegte Entwicklungsprojekte von World Vision sollen den Mädchen und Frauen neue Möglichkeiten bieten. Sie können in Alphabetisierungskursen versäumte Bildungschancen nachholen, an verschiedensten thematischen Fortbildungen teilnehmen und mit Hilfe von Kleinkrediten neue Berufe ergreifen oder Geschäftsideen verwirklichen. Sie werden außerdem dazu ermutigt, Gruppen zu leiten oder Sprecher-Funktionen wahrzunehmen.
Das Kinderhilfswerk Plan unterstützt beispielsweise in Ghana Mädchen aus ländlichen Gebieten, die aus Familien mit geringem Einkommen stammen. 200 Mädchen können so in den nächsten drei Jahren eine weiterführende Schule beenden, 25 junge Frauen einen naturwissenschaftlichen Studiengang an einer Universität absolvieren und weitere 100 erhalten eine dreijährige Berufsausbildung als Friseurin, Automechanikerin, Lackiererin oder Köchin.
Die Malteser bauen in ihrer Arbeit auf die außergewöhnlichen Stärken von Frauen. „Frauen übernehmen besondere Verantwortung für den familiären Zusammenhalt, für die Ernährung und für die Kindererziehung“, erklärte Elisabeth Freifrau Spies von Büllesheim, Generaloberin und Frauenbeauftragte der Malteser.
Weltweit organisieren die Malteser daher Fort- und Weiterbildungen speziell für Frauen und ermöglichen ihnen so selbstständig Geld für sich und ihre Familien zu verdienen. In Kambodscha beispielsweise bilden sie Hebammen und traditionelle Geburtshelferinnen fort, die in Schwangerschafts-Vorbereitungskursen auch ihr Wissen über Hygiene und gesunde Ernährung vermitteln.
„Frauen, die solche Kurse besuchen, sind als Multiplikatorinnen sehr wichtig. Sie geben ihr Wissen an ihre Familien und die Dorfgemeinschaft weiter, achten auf Anzeichen von Krankheiten in ihrer Familie, bringen kranke Kinder zum Arzt und sorgen für die Einhaltung der wichtigsten Hygieneregeln“, so Spies. „Das heißt, die Arbeit der Malteser fördert nicht nur die Frauen sondern kommt der gesamten Gemeinschaft zu Gute.“
www.eirene.org
www.weltbevoelkerung.de
www.medicamondiale.org
www.reporter-ohne-grenzen.de
www.gtz.de
www.worldvision.org
www.plan-deutschland.de
www.malteser-international.org




