
Offensichtlich sei der UNO-Sondergesandte ein Erfolgsmodell, obwohl das Aufgabenfeld und die Befugnisse nicht klar umrissen sind. „Das Mandat als Sondergesandte erhalten oft erfahrene Diplomaten, die ihr Einsatzgebiet bereits beruflich kennen gelernt haben“, so Manuel Fröhlich. Nicht selten würden die Emissäre nach ihrer Mission zu weiteren Einsätzen geschickt.
So wirkten Personen wie der algerische Diplomat Lakhdar Brahimi im UNO-Auftrag im Irak, in Haiti, Afghanistan und mehreren afrikanischen Ländern. „Wir stellen fest, dass die Sondergesandten in hohem Maße auf die Vermittlung von Normen und Werten setzen. So erarbeiten sie etwa Vorschläge zur politischen Machtteilung zwischen Konfliktparteien, zur Einhaltung von Menschenrechten oder des Minderheitenschutzes“, erklärt Fröhlich, der jüngst erneut in den Bundesvorstand der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen gewählt wurde und dort den Forschungsrat leitet.
Grundsätzlich müssen die Konfliktparteien dem Einsatz eines Sondergesandten zustimmen. Dennoch leben die Diplomaten gefährlich. Vergleichsweise harmlos wurde auf die Arbeit von Jan Pronk im Sudan reagiert: Der Sondergesandte wurde von der Regierung des Landes verwiesen, nachdem er das Vorgehen der Regierungstruppen in der Provinz Darfur kritisiert hatte. Hingegen fand der UNO-Sondergesandte Sergio Vieira de Mello im Irak bei einem Anschlag den Tod. Neu ist die Gewalt gegen die Diplomaten im Dienste der Völkergemeinschaft jedoch nicht: Bereits einer der ersten UNO-Vermittler, Folke Bernadotte Graf von Wisborg, wurde 1948 bei seiner Mission in Jerusalem ermordet.
Sondergesandte des Generalsekretärs sind auch im Falle des Erfolgs eher „stille Helden“ der Friedensarbeit, obwohl sie teils erhebliche Aufgaben schultern, große Friedensmissionen oder – wie beispielsweise im Kosovo – komplette Übergangsverwaltungen leiten. Manuel Fröhlich und seine Mitarbeiter wollen in den kommenden Monaten eine umfassende Datenbank erstellen und ihre Erkenntnisse über die UNO-Sondergesandten publizieren. Gefördert wird die Arbeit durch die Bundesstiftung Friedensforschung.
„Wir wollen eine Typologie der Sondergesandten entwickeln“, sagt Fröhlich. Die werde dann wissenschaftlich eingeordnet in Erkenntnisse der Friedens- und Konfliktforschung. Das Projekt stieß bei den Praktikern aus dem System der Vereinten Nationen, denen Fröhlich seine Arbeit in New York vorstellte, auf reges Interesse.
Methodisch ist das Projekt für die Politikwissenschaftler der Uni Jena eine echte Herausforderung. Sind doch die Sondergesandten wenig auskunftsfreudig, weil sie jenseits der medialen Öffentlichkeit arbeiten. Quellen werden deshalb UN-Berichte, Jahrbücher und Interviews mit Gesandten nach deren Tätigkeit sein. Geplant sind zudem Forschungsreisen nach Genf und New York. Erste Ergebnisse sollen im Oktober dieses Jahres vorliegen.




