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Enzyklopädie über Massengewalt im Netz abrufbar

Mass Violence WebsiteParis/Berlin (epo.de). – Seit 2004 hat eine internationale Gruppe von Forschern unter der Leitung des Historikers und Politologen Prof. Jacques Sémelin, Forschungsdirektor am französischen Centre National de la Recherche Scientifique (CNRS) die weltweit erste Online-Enzyklopädie über Massengewalt vorbereitet und entwickelt. Seit Anfang April 2008 ist die Website, deren Inhalte über die Genozidforschung hinaus gehen, im Netz abrufbar.

Die Enzyklopädie ist aus der Sicht des Hamburger Instituts für Sozialforschung „ein einzigartiges Projekt“. Sie ist die erste im World Wide Web verfügbare Datenbank, die sich inhaltlich vornehmlich auf Massengewalt im 20. Jahrhundert bezieht. Sie enthält einen länderspezifischen chronologischen Index, verschiedene Fallstudien, ein Glossar, theoretische Beiträge sowie interaktive Karten und Illustrationen. Die Datenbank wird kontinuierlich vervollständigt und ergänzt.

Die Arbeitsgruppe entschied sich für die Verwendung des Begriffs der Massengewalt, da er neutraler und weiter gefasst ist als der Genozidbegriff. Der Begriff Massengewalt erstreckt sich auch auf Erscheinungsformen menschlicher Destruktivität, deren Gründe in erster Linie politischer, sozialer, religiöser oder kultureller Natur sind. Aggressionshandlungen zwischen Kombattanten sind jedoch von ihm nicht erfasst, wohl aber Gewalthandlungen in Kriegs- oder Friedenszeiten, die die Zivilbevölkerung direkt oder indirekt in großem Ausmaß treffen.

Die verschiedenen Einträge der Enzyklopädie werden von anerkannten Wissenschaftlern verfasst und vor ihrer Freischaltung sorgfältig geprüft. Einträge, etwa von Besuchern der Seite, sind nicht möglich, wodurch eine Instrumentalisierung der Inhalte zu politischen Zwecken oder im Sinne von spezifischen Interessen einer Gemeinschaft ausgeschlossen werden sollen.

Das Projekt ist an der Universität Sciences-Po und der dortigen Forschungsstelle des CERI (Centre d’Etudes et de Recherches Internationales) angesiedelt und wird u. a. vom CNRS und von der Stiftung „Mémoire de la Shoa“ unterstützt. Weitere Partner des Projekts sind das Hamburger Institut für Sozialforschung, die Communauté urbaine du grand Nancy und das Mémorial von Caen.

Das Internationale akademische Advisory Board hat 29 Mitglieder, das Steering Committee besteht aus 14 Mitgliedern, unter ihnen auch Dr. Gerd Hankel vom Hamburger Institut für Sozialforschung. Alle Beiträge der Enzyklopädie liegen auf Englisch vor. Es ist zudem beabsichtigt, die Informationen zu einem Land auch in der jeweiligen Landessprache zugänglich zu machen.

Die Enzyklopädie richtet sich nicht nur an Forscher, Lehrende und Studenten, sondern auch an Journalisten, Juristen, Mitglieder humanitärer Organisationen, Experten für internationale Beziehungen und an jeden, der sich für eine analytische Darstellung eines Massakers interessiert. Die Enzyklopädie ist auch ein Ort der Erinnerung an die destruktiven Seiten der Menschheitsgeschichte.

» http://www.massviolence.org/

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