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Täglich werden weltweit 3.000 Mädchen und Jungen verkauft

Kinderprostitution im Kongo. Foto: UNICEF

Berlin (epo.de). – Täglich werden weltweit mehr als 3.000 Mädchen und Jungen wie Ware verkauft. Das haben das UN-Kinderhilfswerk UNICEF und die Kinderschutzorganisation ECPAT anlässlich der Konferenz „Kinder sind unverkäuflich!“ am Dienstag in Berlin beklagt. „Kinderpornografie und Kinderhandel haben sich zu riesigen Märkten mit enormen Gewinnspannen entwickelt“, sagte die stellvertretende UNICEF-Direktorin Hilde Johnson. Die Vereinten Nationen schätzen, dass weltweit 1,8 Millionen Kinder zu Prostitution und Pornografie gezwungen werden. Rund 1,2 Millionen Mädchen und Jungen jährlich fallen Menschenhändlern zum Opfer.

 

Weltweit versagten Politiker und Bürger bei ihrer Pflicht, Kinder vor Unheil zu schützen, sagte Hilde Johnson. Nach einer 2007 erschienenen Studie der Vereinten Nationen seien Gewalt gegen Kinder und die sexuelle Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen im Anstieg begriffen. Menschenhandel werde als eines der lukrativesten Geschäftsfelder betrachtet, mit einem geschätzten Jahresumsatz von zehn Milliarden US-Dollar pro Jahr. Der UNICEF-Vorsitzende Jürgen Heraeus betonte, auch die weltweit 82 Millionen Kinderhochzeiten mit der Beteiligung von mindestens einem Partner unter 18 Jahren seien ein Skandal.

Die von UNICEF, ECPAT und der Friedrich-Ebert-Stiftung organisierte Tagung mit rund 80 bis 100 Experten dient der Vorbereitung des dritten Weltkongresses gegen sexuelle Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen, der im November 2008 in Rio de Janeiro stattfindet. UNICEF und ECPAT forderten die Bundesregierung, Internetprovider und Öffentlichkeit zum verstärkten Kampf gegen sexuelle Ausbeutung von Kindern auf. Ein wichtiger Schritt in diese Richtung wäre die Ratifizierung des einschlägigen Zusatzprotokolls zur UN-Kinderrechtskonvention durch Deutschland“, erklärten die Organisationen.

„TATORT INTERNET“

Einer der Schwerpunkte der Berliner Konferenz ist das Internet, das – obwohl lediglich ein Medium wie Zeitungen oder Magazine auch – immer wieder für die Verbreitung von Kinderpornographie verantwortlich gemacht wird. „Das Internet ist eine zunehmende Gefahr auch für Kinder in Deutschland. Zehntausende Konsumenten von Kinderpornografie heizen die Nachfrage nach pornografischen Darstellungen mit Kindern an und fördern den damit stets verbundenen Missbrauch“, sagte die Geschäftsführerin von ECPAT Deutschland, Mechtild Maurer.

Die deutsche Regierung müsse sich den Defiziten beim Kinderschutz stellen, sagte Maurer. So gebe es in Deutschland zwar eine Betreuung für die Täter, aber keinen Opferschutz. Konkrete Maßnahmen mit einer Zeitschiene seien notwendig.

„Mir als Jugendvertreterin ist wichtig für uns selbst einzustehen und unsere Erfahrungen und kreativen Ideen in die Bekämpfung der Verletzung von Kinderrechten einzubringen. Wir wollen echte Solidarität und Beteiligung an Entscheidungen“, fordert Catharina Schymczyk, Jugendvertreterin von ECPAT Deutschland.

Die kommerzielle sexuelle Ausbeutung von Kindern ist ein kriminelles Geschäft, das nur zu einem Bruchteil aufgedeckt wird. Angaben zum Ausmaß beruhen daher meist auf Schätzungen. Die Bundesregierung ging bereits 2003 davon aus, dass drei Millionen kinderpornografische Bilder im Netz vorhanden sind. Da die Nutzung des Internet in den vergangenen Jahren drastisch zugenommen hat, dürfte auch die Zahl der kinderpornografischen Bilder deutlich gestiegen sein, so ECPAT.

Das Internet ist nach Angaben der Kinderschutzorganisationen ein Treffpunkt für Täter geworden, die Bilder handeln und tauschen. Sie bieten Kinder gegen Geld zum sexuellen Missbrauch an und geben Warnungen vor strafrechtlicher Verfolgung weiter. Die Anonymität im Netz mache es den Tätern leicht. Jeder könne unkontrolliert Bilder und Videos einstellen und Kontakte knüpfen, ohne seine wahre Identität preiszugeben. Lehrer, Eltern und Kinder wüssten zu wenig über die Risiken des Internet. Mädchen und Jungen brächten sich ahnungslos in Gefahr, indem sie persönliche Daten und Bilder ins Netz stellen.

Deutsche Schüler verbringen im Durchschnitt rund 70 Minuten an einem normalen Werktag im Chatroom, 122 Minuten am Wochenende oder während der Ferien. Viele Pädophile nutzen Chatrooms für ihre Zwecke, indem sie sich als Gleichaltrige ausgeben. In einer Studie der Universität Köln gaben 38 Prozent der befragten Jugendlichen an, gegen ihren Willen nach sexuellen Dingen gefragt worden zu sein. Mehr als jede/r Zehnte bekam unaufgefordert Nacktfotos zugesandt, fünf Prozent erhielten Pornofilme und acht Prozent wurden zu sexuellen Handlungen vor der Webcam aufgefordert.

Die Geschäftsführerin der Hilfsorganisation International Association of Internet Hotlines (INHOPE), Birgit Roth, berichtete in Berlin, über ihr Netzwerk würden jährlich 1,4 Millionen Reports über illegale Inhalte im Netz erstellt. Wie der aktuelle Trend zeige, würden immer mehr private kinderpornografische Inhalte angeboten, und die Bereitstellung verlagere sich von Websites mehr und mehr in Peer-to-Peer Netzwerke.

SEXTOURISMUS

Fernreisenden – vor allem in ärmere Länder – wird die sexuelle Annäherung an Minderjährige oft leicht gemach, klagen die Kinderschützer. Allein in Asien würden mindestens eine Million Kinder  jedes Jahr für die Prostitution missbraucht. Unter den Kunden seien Einheimische ebenso wie Sex-Touristen, denen es oft an jedem Unrechtsbewusstsein fehle. Sie rechtfertigten sich mitunter damit, den Kindern mit ihrem Geld noch etwas Gutes getan zu haben. Oder sie entschuldigten ihr Verhalten damit, dass Kinder in bestimmten Ländern viel früher bereit zum Sex seien. Zudem machen neben den Kunden noch eine Vielzahl weiterer Menschen mit den Kindern Profit – von den kriminellen Kinderhändlern über Zuhälter bis hin zu Taxifahrern und Reiseleitern, die Tipps geben.

WELTKONGRESS GEGEN SEXUELLE AUSBEUTUNG

Die sexuelle Ausbeutung von Kindern war Thema von Welt-Konferenzen in Stockholm 1996 und Yokohama 2001. Inzwischen ächten zahlreiche internationale Übereinkommen und Protokolle Menschenhandel und sexuelle Ausbeutung. Vom 25. bis zum 28. November 2008 geht es beim 3. Weltkongress in Rio de Janeiro darum, konkrete Ziele festzulegen, um diesen schweren Menschenrechtsverletzungen wirksamer zu begegnen. Über den Erfolg des Weltkongresses entscheiden die Vorbereitungen auf nationaler Ebene maßgeblich mit.

ECPAT und UNICEF Deutschland fordern die Bundesregierung auf, den Weltkongress hochrangig zu besetzen und sich mit Nachdruck dafür einzusetzen, dass in Rio de Janeiro wirksame Fortschritte für den Schutz von Kindern erzielt werden. Deutschland müsse endlich auch das Zusatzprotokoll zur Kinderrechtskonvention betreffend Kinderhandel, Kinderprostitution und Kinderpornografie ratifizieren.

Internetprovider und Plattformen müssen nach Auffassung der Kinderschutzorganisationen dafür sorgen, dass kinderpornografische Inhalte umgehend aus dem Netz genommen werden und die Strafverfolgungsbehörden bei der Tätersuche unterstützen. Kinder müssen über die Risiken von Internet und Chatrooms Bescheid wissen. Lehrer und Eltern seien aufgefordert, sich selbst zu informieren und ihre Kinder zu schützen.

Minderjährige Prostituierte aus dem Ausland, so eine weitere Forderung, brauchten in Deutschland Schutz und Hilfe, besonders wenn sie als Zeugen gegen Menschenhändler und Zuhälter aussagen. Eine Abschiebung solle unter allen Umständen vermieden werden. 

Foto: Kinderprostitution im Kongo. Copyright ©UNICEF/ HQ03-0300/Christine Nesbitt

www.unicef.de
www.ecpat.de
www.fes.de

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