
In den gesamten zivilen Wiederaufbau flössen dagegen nur sieben Millionen US-Dollar täglich, kritisierte Neher. „Der Kampf gegen den Terror hat die internationale Gemeinschaft offenbar blind gemacht für die sozialen Nöte in Afghanistan.“ Afghanistan sei mit militärischen Mitteln nicht zu befrieden. Die Reduzierung von Armut und sozialer Not müsse deshalb Vorrang genießen gegenüber militärischen Zielen. Dafür sei ein grundlegender Strategiewechsel notwendig.
Die afghanische Bevölkerung verliert nach Ansicht von Caritas international aufgrund der militärischen Schwerpunktsetzung zunehmend das Vertrauen in die Uneigennützigkeit der internationalen Hilfe. Dazu trage auch bei, „dass 56 Prozent der in den zivilen Wiederaufbau investierten Entwicklungsgelder durch die Auftragsvergabe wieder in die Geberländer zurückfließen“. Dies widerspeche in eklatanter Weise allen Zielsetzungen, in Afghanistan politische und soziale Veränderungen durch einen „Wiederaufbau von unten“ zu erreichen.
Im Kabuler Caritas-Büro sind zwei internationale und 15 afghanische Mitarbeiter beschäftigt. Caritas international fördert in Afghanistan zahlreiche Projekte lokaler Partner. Schwerpunkte der Arbeit sind die Nothilfe in Dürregebieten des zentralen Hochlandes, der Bau von Kliniken, Straßen und Trinkwasserleitungen sowie die psycho-soziale Behandlung von kriegstraumatisierten Menschen.



