Berlin (epo.de). – In Mauretanien werden Flüchtlinge und Migranten zu Tausenden festgenommen, misshandelt und massenhaft in Nachbarländer abgeschoben, ohne gegen die Abschiebung gerichtlich vorgehen zu können. Das schildert ein neuer Bericht von Amnesty International (ai), dem kürzlich durchgeführte Recherchen vor Ort zugrunde liegen.
Nach dem tödlichen Vorgehen gegen afrikanische Flüchtlinge in den spanischen Exklaven Ceuta und Melilla in Nordafrika hat sich Mauretanien ai zufolge zu einem neuen Zentrum für die Flucht nach Europa entwickelt. Flüchtlinge und Migranten vor allem aus westafrikanischen Ländern versuchen mit Booten, die Kanarischen Inseln und damit spanisches Territorium zu erreichen. Seit 2006 werden tausende Flüchtlinge festgenommen und nach Mali oder in den Senegal abgeschoben.
„Die Umstände der Abschiebungen sind in vielen Fällen menschenrechtswidrig“, sagte Amnesty-Flüchtlingsexpertin Julia Duchrow. „Das harte Vorgehen der mauretanischen Behörden ist eine Folge des intensiven Drucks der EU auf nordafrikanische Länder, irreguläre Zuwanderung nach Europa zu verhindern. Länder wie Mauretanien werden als EU-Polizisten missbraucht. Es ist Aufgabe der EU sicherzustellen, dass Migranten nach menschenrechtlichen Standards behandelt werden. Wir fordern die Bundesregierung auf, dafür zu sorgen. Die mauretanischen Behörden und ihre Sicherheitskräfte fordern wir auf, sich an die völkerrechtlichen Vorgaben zu halten.“
Viele der verhafteten Flüchtlinge und Migranten würden in einem Haftzentrum in der nördlichen Grenzstadt Nouadhibou festgehalten, so der ai-Bericht. Das von Gefangenen und Anwohnern „Guantanamito“ getaufte ehemalige Schulgebäude sei völlig überfüllt; bis zu 300 Menschen würden im Monat dorthin verbracht. Die Gefangenen seien gerichtlicher Kontrolle entzogen und würden teilweise misshandelt.
Nach offiziellen mauretanischen Zahlen wurden 2007 3.247 Personen in das Haftzentrum gebracht. Unabhängig von ihrem Herkunftsstaat wurden alle nach Senegal und Mali abgeschoben. Dabei werden sie oft an den Grenzen ohne Transportmöglichkeit und mit nur wenig Nahrung ausgesetzt und ihrem Schicksal überlassen, berichtet ai.
Bericht „Mauritania: Nobody wants to have anything to do with us. Arrests and Collective Expulsions of Migrants…“





