Berlin (epo.de). – Um kaum eine andere Stadt haben die Menschen so viele Legenden gewoben wie um das antike Babylon. Eine Großausstellung im Berliner Pergamonmuseum versucht, Wahrheit und Mythos dieser versunkenen Metropole zu entwirren.
Ihre Blütezeit erlebte die Stadt am Euphrat unter König Nebukadnezar II. Im 7. Jahrhundert vor Christus reichte sein Reich bis ans Mittelmeer. Monumentale Bauten wie das weltberühmte Ischtar-Tor, das der König in Babylon errichten ließ, zeugen von einer Epoche des Wohlstands und inneren Friedens.
3000 JAHRE BABYLONISCHER GESCHICHTE
Der zeitliche Rahmen der Ausstellung im Pergamonmuseum reicht jedoch noch weiter: In ihrem ersten Teil "Wahrheit" präsentiert die Schau rund 3000 Jahre Geschichte des antiken Babylon. Ausgestellt sind mehr als 800 Objekte, unter ihnen Reliefs, Rollsiegel, Keilschrifturkunden, aber auch Schmuckstücke und Dinge des alltäglichen Bedarfs. Sie lassen ein anschauliches Bild von Königtum, Religion, Wissenschaft, Baukunst und Alltag in der legendären Metropole entstehen.
Beeindruckend sind nicht nur die wissenschaftlichen Errungenschaften der Babylonier, die zum Beispiel in der Medizin, in der Astrologie und der Mathematik wegweisend waren. Erstaunlich fortschrittlich erscheinen aus heutiger Sicht zum Beispiel auch die Rechtsordnung, das Bildungssystem oder die landwirtschaftlichen Anbaumethoden.
WICHTIGES KAPITEL ARCHÄOLOGISCHER FORSCHUNGSGESCHICHTE
Ohne die Arbeit der Archäologen wüsste die heutige Generation allerdings wenig über die Babylonier. Erst ihre Ausgrabungen haben die Schätze zu Tage gebracht, die heute so viel über Alltag und Kultur Babylons erzählen. Zwischen 1899 und 1917 entdeckte der deutsche Archäologe Robert Koldewey mit seinen Mitarbeitern Teile der Prozessionsstraße und das weltberühmte Ischtar-Tor. Diese begrüßen heute in Berlin die Ausstellungsbesucherinnen und -besucher. Der Arbeit und dem Erfolg von Koldewey und seinen Mitarbeitern ist ein eigenes Kapitel zu Beginn der Ausstellung gewidmet.
BABYLON WAR NICHT BABEL
Im zweiten Teil der Ausstellung steht der Mythos im Vordergrund. Seit der Offenbarung des Johannes mit ihren apokalyptischen Prophezeiungen ist er in der europäischen Kunst und Kultur verknüpft mit menschlichen Urängsten.
Die Geschichte vom Aufstieg und Fall Babylons als Stadt der Sünde und Tyrannei, als Schauplatz der Sprachverwirrung und als Metropole der ewigen Apokalypse hat die Künstlerinnen und Künstler immer wieder fasziniert. Der Turmbau zu Babel als Symbol menschlichen Übermuts ist Thema zahlreicher Kunstwerke aus allen Epochen. Die geheimnisvollen Quellen dieser Vorstellungen, ihre Entstehung und ihr Weiterleben über Jahrhunderte können Besucherinnen und Besucher in diesem Teil der Ausstellung kennen lernen.
ERFOLGREICHE ZUSAMMENARBEIT EUROPÄISCHER MUSEEN
Die Staatlichen Museen zu Berlin, das Musée du Louvre sowie die Réunion des Musées nationaux Paris und das British Museum, London, haben die Ausstellung gemeinsam erarbeitet. Mit ihr werden erstmals babylonische Schätze aus den Universalmuseen der Welt gemeinsam in einer Ausstellung präsentiert. Schirmherr der Ausstellung ist Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier. Die Ausstellung ist noch bis 5. Oktober zu sehen.
Foto: Prozessionsstraße, Detail: schreitender Löwe, Babylon, 6. Jh. v. Chr., Tonziegel, gebrannt und farbig glasiert © Vorderasiatisches Museum, Staatliche Museen zu Berlin, Foto Maximilian Meisse




