Köln (epo.de/mm). – Mit einer Installation von 36 Schaufensterfiguren hat die Frauenrechtsorganisation medica mondiale in der Kölner Innenstadt die Öffentlichkeitskampagne „Im Einsatz“ gestartet. Ziel der Kampagne ist es, auf die Not von Frauen und Mädchen in Kriegs- und Krisengebieten aufmerksam zu machen und um Unterstützung für betroffene Frauen und Mädchen zu werben.
In Begleitung der Gründerin von medica mondiale, Monika Hauser, besuchten Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes, die Fernsehjournalistin Bettina Böttinger und die Schauspielerin und Sängerin Kirstin Hesse die Installation. Die 36 Schaufensterfiguren – aufgestellt in einer belebten Fußgängerzone Kölns – stehen stellvertretend für die unzähligen Frauen, die in jedem Krieg sexualisierte Gewalt erleiden müssen. Sie tragen T-Shirts mit der Aufschrift Kriegsbeute und Zitaten von vergewaltigten Frauen, so „Der Schmerz in der Seele raubt mir meine Zunge“ von einer Frau aus Liberia und „Sieben Soldaten haben mich vergewaltigt und dabei schwer verletzt. Jetzt läuft wegen eines Risses zwischen Blase und Vagina ständig Urin aus meinem Körper“ von einer Frau aus der Demokratischen Republik Kongo.
Bereits bei der Aufstellung der Figuren blieben nach Angaben von medica mondiale Passanten interessiert stehen. Besonders die Zitate auf der Rückseite der T-Shirts zogen die Aufmerksamkeit auf sich. Bei einem Rundgang durch die Schaufensterfiguren zeigten sich Bürgermeisterin Scho-Antwerpes, Schauspielerin Kirstin Hesse und TV-Journalistin Bettina Böttinger berührt von den Aussagen der von Gewalt betroffenen Frauen.
„Die Installation zeigt in erschreckender Weise, welchen Grausamkeiten Frauen in vielen Krisen- und Kriegsgebieten wehrlos ausgesetzt sind. Damit dürfen wir uns nicht abfinden. Wir müssen weltweit politischen Druck auf die Verantwortlichen ausüben, damit diese Menschenrechtsverletzungen endlich ein Ende haben“, erklärte die Bürgermeisterin. Die Schauspielerin und Sängerin Kirstin Hesse wies darauf hin, dass es unfassbar sei, dass Mädchen oft schon im Kindesalter vergewaltigt werden: „Ich lebe in einem sicheren und reichen Erste-Welt-Land und es geht mir gut. Doch für viele Frauen und Mädchen sind Kriegsvergewaltigungen immer noch traurige Realität – daher will ich ihnen eine Stimme geben, deswegen unterstütze ich medica mondiale.“
Die langjährige Unterstützerin von medica mondiale Bettina Böttinger lud die Besucher des Standes ein, sich als „Einsatzkraft“ der Kampagne anzuschließen: „Es ist wichtig, dass sich medica mondiale um Frauen kümmert, die im Krieg Opfer von Vergewaltigungen geworden sind. Ich unterstütze diese Arbeit und würde mich freuen, wenn Sie dabei wären.“
Mit Blick auf die kürzlich erfolgte Verhaftung des mutmaßlichen Kriegsverbrechers Radovan Karadžic‘ wies die Gründerin von medica mondiale, Monika Hauser, darauf hin, wie wichtig es sei, dass Organisationen wie medica mondiale kriegsvergewaltigten Frauen zur Seite stehen: „Frauen in Kriegs- und Krisengebieten brauchen Sicherheit vor Gewalt und Unterstützung, um mit ihren Erlebnissen weiterleben zu können. Aber sie brauchen unbedingt auch Gerechtigkeit, die Chance auf Genugtuung, weil das ihr Leiden öffentlich anerkennt und offiziell deutlich macht, dass nicht sie die Verantwortung für eine Vergewaltigung tragen, wie das leider in vielen Gesellschaften geschieht, sondern Männer wie Karadžic‘.“
Die Kampagne „Im Einsatz“ stellt die betroffenen Frauen in den Mittelpunkt und ruft zu einem verstärkten Engagement auf. Medica mondiale bittet dabei vor allem um Unterstützung für Frauen in Afghanistan, in der Demokratischen Republik Kongo und in Liberia. Bestandteil der Kampagne ist auch eine Unterschriftenaktion.
Die Aktionen werden von einer Reihe prominenter Botschafterinnen unterstützt: Neben Böttinger und Hesse gehören die Landesbischöfin der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannover, Margot Käßmann, die TV-Moderatorin Sabine Christiansen, die Direktorin des Landesfunkhauses Hamburg des NDR, Maria von Welser, die Fußball-Weltmeisterin Sonja Fuss, die Schauspielerinnen Nina Hoger und Jenny Jürgens, die Unternehmerinnen Bettina Würth und Beatrice Rodenstock und die Bundestagspräsidentin a. D. Rita Süßmuth dazu.
Zu den UnterstützerInnen der Kampagne zählen auch verschiedene Organisationen, so der Deutsche Juristinnenbund, der Deutsche Ärztinnenbund, der Verband der angestellten und beamteten Ärztinnen und Ärzte Deutschlands, der Deutsche Hebammenverband, der Funktionsbereich Frauen- und Gleichstellungspolitik der IG Metall und der Bayrische Hebammen-Landesverband.
Die Installation ist noch bis zum 21. August, 19 Uhr, in der Kölner Schildergasse zu sehen.
Foto: © Stefanie Keienburg/medica mondiale





