Santiago de Chile/Berlin (epo.de). – Bei den 6. internationalen Verhandlungen des neuen Leitfadens „ISO 26.000“ zu sozialer und ökologischer Verantwortung von Unternehmen und Organisationen in Santiago de Chile zeichnet sich nach Angaben von Oxfam ab, „dass wesentliche erforderliche Kernelemente nicht enthalten sein werden“. Die Entwicklungsorganisation wird voraussichtlich aus dem ISO-Prozess aussteigen, wenn ihre Empfehlungen in der nächsten Version des Leitfadens keinen Niederschlag finden.
„Nach dem jetzigen Stand der Verhandlungen bleibt der Standard weit hinter dem zurück, was bereits jetzt bei multinationalen Unternehmen üblich ist“, kritisierte Franziska Humbert, Referentin für Arbeitsrechte bei Oxfam Deutschland. Zudem seien viele positive Elemente, wie faire Einkaufspreise oder angemessene Lieferzeiten gegenüber Zulieferern, im Verlauf der Verhandlungen auf Betreiben der Industrie wieder aus dem Leitfaden verschwunden.
Die derzeitige Version des Leitfadens greife nicht die üblichen Methoden zur Verbesserung der sozialen und ökologischen Bedingungen in der Lieferkette auf. „Zum Beispiel sollten die Zulieferbetriebe in Produktionsländern durch unabhängige Auditoren geprüft werden, die unangekündigte Besuche vor Ort machen“, so Humbert. Ebenso wenig würden Schulungsmaßnahmen für Manager/innen und Arbeiter/innen in Zulieferbetrieben empfohlen. „Auch die Idee eines Beschwerdesystems bei Arbeitsrechtsverletzungen in Zulieferbetrieben wird nur vage angedeutet“, so Humbert weiter.
LEDIGLICH EMPFEHLUNGEN
Es sei zwar einzuräumen, dass kleinere Unternehmen bestimmte Anforderungen nicht sofort erfüllen können. Da der Standard aber ohnehin freiwillig ist und lediglich Empfehlungen ausspricht, sei dies kein Argument. „Insgesamt ist der „ISO 26.000″-Leitfaden bisher viel zu vage formuliert und enthält wenig konkrete Handlungsanweisungen, wie Unternehmen soziale und ökologische Standards bei sich und in ihrer Lieferkette verankern sollen“, kritisierte Humbert. Außerdem bleibe die Definition eines Existenz sichernden Lohns hinter den Anforderungen von Oxfam und weiten Teilen der Zivilgesellschaft zurück.
Ein Teilerfolg der Verhandlungen sei die Einbeziehung der Lieferkette in die soziale Verantwortung der Unternehmen. Dabei müsse allerdings noch geklärt werden, inwiefern nicht nur die direkten Zulieferer, sondern auch Subunternehmer oder Heimarbeit einbezogen werden müssen. „Gerade in diesen Bereichen ist das Risiko von Arbeits- und Menschenrechtsverletzungen wie Kinderarbeit am größten“, sagte Humbert.
Die internationale Arbeitsgruppe mit Teilnehmern aus Industrie, Verbraucherschutz, Nichtregierungsorganisationen, Gewerkschaften, Regierungen und Wissenschaftlern bereitet in Santiago die nächste Phase der „ISO 26.000“-Verhandlungen mit voraussichtlichem Beginn im Dezember vor, in der grundlegende Veränderungen nur noch schwer durchsetzbar sein werden.




