Start / Weltordnung / Vereinte Nationen / UN-Gipfel in New York berät über Millenniums-Entwicklungsziele

UN-Gipfel in New York berät über Millenniums-Entwicklungsziele

UN High Level Event

New York/Berlin (epo.de). – Im UN-Hauptquartier in New York haben Vertreter von mehr als 80 Staaten, UN-Organisationen, zahlreichen Organisationen der Zivilgesellschaft und privater Stiftungen am Donnerstag Beratungen über den Stand der Millenniums-Entwicklungsziele (Millennium Development Goals, MDG) aufgenommen. Das High-Level Meeting, überschattet von der Finanzmarktkrise, ist das wichtigste Treffen der vergangenen Jahre für das Millenniumprojekt, das sich unter anderem zum Ziel gesetzt hat, die Zahl der in absoluter Armut lebenden Menschen bis zum Jahr 2015 zu halbieren.


Die Teilnehmer wollen auf dem High-Level Event beraten, wie der Prozess der Millennium-Entwicklungsziele bis 2015 wieder auf Kurs gebracht werden kann. Deutschland ist durch Außenminister Frank-Walter Steinmeier und Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul vertreten.

Die Kirchen und die kirchlichen Entwicklungsorganisationen halten die Erreichung der Millenniums-Entwicklungsziele für unabdingbar für menschliche Entwicklung, Frieden und Sicherheit im 21. Jahrhundert. Das erklärte der Vorstand des Evangelischen Entwicklungsdienstes (EED), Wilfried Steen, anlässlich des High-level Events am Donnerstag in New York. Steen forderte die deutsche Bundesregierung auf, dem Appell von UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon nachzukommen und in den nächsten zwei Jahren ihre Entwicklungshilfe um rund 1,8 Milliarden US Dollar zu steigern.

“Einer der häufigsten Sätze der im September 2000 von über 180 Staatschefs verabschiedeten Millenniums-Erklärung heißt: ‚Wir werden keine Mühen scheuen.’ Genau dies ist aber bisher nicht geschehen”, betonte Wilfried Steen. “Die Zeit läuft aus. Nur dann, wenn den großen Worten jetzt überzeugende Taten folgen, werden noch einige der Ziele teilweise erreichbar sein!”

BONO BLOGGT AUF FT.COM

Die Zivilgesellschaft drängt auf Erfolge: Bono und Bob Geldof führen als Lobbyisten gegen Armut in New York zahlreiche Gespräche mit politischen Entscheidern. Bono bloggt über den Fortgang der Konferenz täglich auf der Website der Financial Times.

FAMILIENPLANUNG UNERLÄSSLICH

Ohne konsequente Investitionen in Familienplanung und sie begleitende Gesundheitsmaßnahmen können die Millennium-Entwicklungsziele (MDGs) nicht erreicht werden. Das rasante Bevölkerungswachstum und die schlechte Gesundheitsversorgung in vielen Entwicklungsländern trügen entscheidend zur Armut vieler Menschen bei, erklärte die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) anlässlich der Veröffentlichung einer aktuellen Studie zum UN-Gipfel zu den Millenniums-Entwicklungszielen.

MEHR AUFMERKSAMKEIT ERFORDERLICH

Das SÜDWIND-Institut hat davor gewarnt, dass die Entwicklungsziele weiter in den Hintergrund der Aufmerksamkeit geraten könnten. „Die bisherigen Prognosen gehen davon aus, dass die Ziele nicht wie vereinbart bis 2015 erreicht werden, wenn es nicht zu einer drastischen Erhöhung der Entwicklungsfinanzierung kommt“, so das Institut. Weitere weltweite Krisenszenarien bedrohten die Armen zusätzlich. Um die Ziele zu erreichen, fordert SÜDWIND eine deutliche Steigerung der Entwicklungshilfe sowie eine wirksamere Entwicklungszusammenarbeit.
 
Die gegenwärtige Finanzkrise und die Priorität für die Terrorbekämpfung verhinderten eine höhere Aufmerksamkeit für die MDG, erklärte das Institut. „Wenn die Millenniumserklärung der Vereinten Nationen – die ohnehin nur ein Minimalziel darstellt – keine leere Worthülse bleiben soll, sind zusätzlich zur derzeitigen Entwicklungshilfe weitere Mittel erforderlich.“ Schätzungen von Weltbank und Nichtregierungsorganisationen bezifferten den Mehrbedarf bereits jetzt auf jährlich 50 Mrd. US-Dollar und ab 2010 auf 150 Mrd. US-Dollar. Das bedeute etwa eine Verdopplung der Entwicklungshilfe. Derzeit blieben aber alle großen Industrienationen weit hinter den erforderlichen Finanzierungszusagen zurück.

923 MILLIONEN HUNGERNDE

Ingeborg Schäuble, Vorsitzende der Welthungerhilfe, erklärte: „Wenn die globale Hungerkrise so ernst genommen würde wie die Krise der Finanzmärkte, hätten wir längst eine Lösung. Dabei ist sie viel schlimmer, denn sie bedroht millionenfach Menschenleben.“ Vor wenigen Tagen musste die UN-Landwirtschafts- und Ernährungsorganisation (FAO) die Zahl der Hungernden weltweit von 854 Millionen auf 923 Millionen nach oben korrigieren.??????

„Immer mehr Menschen können sich nur noch eine Mahlzeit täglich leisten“, sagte Schäuble. „Besonders bedroht sind dadurch Kinder, Alte und Schwache.“ Angesichts der dramatisch gestiegenen Nahrungsmittelpreise werde es immer schwieriger, das erste Millenniumsziel zu erreichen, also den Anteil der Hungernden und extrem Armen bis zum Jahr 2015 zu halbieren.???

FIAN SIEHT WIDERSPRÜCHE BEI HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN

Zur Halbzeitbilanz der Millenniumsentwicklungsziele der UNO hat FIAN, die internationale Menschenrechtsorganisation für das Recht auf Nahrung, ein Positionspapier zum Aktionsplan gegen den Hunger vorgelegt, den die UNO gemeinsam mit der Weltbank und dem Internationalen Währungsfonds erarbeitet hat. FIAN begrüßt die größere Aufmerksamkeit der UNO für die ländliche Entwicklung, sieht aber erhebliche Widersprüche bei den konkreten Handlungsvorschlägen.

„Zwar fordert die UNO grundsätzlich eine Stärkung sozialer Sicherungssysteme, mehr Landwirtschaftsförderung und eine faire Handelspolitik. Viele konkrete Empfehlungen laufen aber auf das Gegenteil hinaus und würden das Recht auf Nahrung eher untergraben“, so Flavio Valente, Generalsekretär von FIAN International. „Hier rächt es sich, dass die UNO bei der Erarbeitung der Hungerstrategie weder Parlamente, noch die Zivilgesellschaft, noch ihr eigenes Menschenrechtssystem einbezogen hat und sich stattdessen an den altbekannten Rezepten der Weltbank orientiert.“ (mehr…)