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Millennium-Kampagne startet Aktionstag mit Aufruf zum Handeln

Aktion in Bonn - www.gruppenphoto.deBerlin (epo.de).- Die UN-Millenniumskampagne hat am Freitag ihren Aktionstag gestartet. Beim Ziel der Senkung der Müttersterblichkeit lägen die Vereinten Nationen noch am weitesten zurück, sagte Reneé Ernst, die Beauftragte der UN-Kampagne in Deutschland, bei der deutschen Auftaktveranstaltung in Berlin. Derzeit sterbe noch immer in jeder Minute eine Frau an Komplikationen während der Schwangerschaft. Weltweit werden bei den Aktionstagen vom 17.-19. Oktober fast 70 Millionen Teilnehmer erwartet.


Hunger und Armut würden gemacht, es fehle der politische Wille dies zu ändern, sagte Renée Ernst. Mildtätigkeit sei nicht das alleinige Motiv, Hilfe für ärmere Länder zu leisten. Sie erinnerte daran, dass den Entwicklungsländern rund 700 Milliarden US-Dollar pro Jahr durch ungerechte Handelsbedingungen verloren gehen.

Mehrere Redner kritisierten während der Auftaktveranstaltung am Potsdamer Platz in Berlin die Zurückhaltung der „Geberländer“ bei der Bekämpfung des Hungers, während die Hunderte Milliarden umfassenden Hilfspakete zur Rettung des internationalen Finanzsystems innerhalb weniger Tage geschnürt werden können. „Für mich ist das unterlassene Hilfeleistung“, sagte der Gründer des Alternativen Nobelpreises und des World Future Councils, Jakob von Uexküll. Es sei ein Skandal, „dass es gelingt, Banken zu retten und nicht gelingt, Menschen zu retten. Wir müssen wieder dafür sorgen, dass Ethik und Moral regieren und nicht unsere Profitinteressen.“ Die jetzige Politik sei auch „ein Verbrechen an der Demokratie“, weil diese Politik im Namen der Bürger gemacht werde.

Die frühere Bundestagspräsidentin Prof. Rita Süßmuth (CDU) sagte zur deutschen Politik vor dem Ausbruch der Finanzkrise und zur gesetzlichen Förderung von Börsenspekulation und Hedgefonds selbstkritisch: „Wir waren nicht unter denen, die dagegen aufgestanden sind.“

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Jakob von Uexküll übte auch heftige Kritik an der Handelspolitik der Europäischen Union gegenüber den Ländern des Südens. Es sei skandalös, dass Europa seine Agrarmärkte gegen die Exporte etwa aus Afrika abschotte und gleichzeitig westafrikanische Staaten mit Hühnchenteilen zu Dumpingpreisen überschütte und damit die afrikanischen Bauern ruiniere. Namentlich den scheidenden EU-Handelsminister Peter Mandelson („dieser unsägliche Mandelson…“) machte er für eine verfehlte Politik verantwortlich. „Was die EU in der Handelspolitik in unserem Namen macht, ist eine Unverschämtheit“, sagte von Uexküll.

AKTIONEN IN MEHR ALS 100 LÄNDERN

In mehr als 100 Ländern nutzen nichtstaatliche Organisationen, UN-Institutionen und Aktivsten den Aktionstag, um ihren Forderungen an die Regierungen Gehör zu verschaffen. In der deutschen UN-Stadt Bonn setzten am Freitag rund 300 Menschen „ein Zeichen gegen die Armut“. Bei einer gemeinsamen Aktion der Vereinten Nationen mit der Deutschen Welle, der Deutschen Post und benachbarten Institutionen bildeten sie die Jahreszahl „2015“ (Foto 1), um an die kurze verbleibende Frist zu erinnern, die Millenniums-Entwicklungsziele umzusetzen.
 
Rupert Maclean, Sprecher der UN-Organisationen in Bonn, erinnerte in seiner Rede daran, dass es noch ein weiter Weg sei, die Ziele zu verwirklichen. Er verlas die Millenniums-Erklärung, in der die Regierungen aufgefordert werden, sich an ihre Versprechen aus dem Jahr 2000 zu halten.

Dieses Jahr soll der Guiness-Buch-Rekord von 2007 mit weltweit über 43 Millionen Teilnehmern noch überboten werden. Die endgültige Zahl wird am 22. Oktober unter www.stell-dich-gegen-armut.de bekannt gegeben.
 
Mit der Millenniumserklärung hatten sich die Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen im September 2000 verpflichtet, die weltweite Armut zu bekämpfen, den Frieden zu sichern, die Umwelt zu schützen und die Globalisierung gerecht und nachhaltig zu gestalten.

Die Millenniums-Entwicklungsziele (Millennium Development Goals – MDGs) sind:

  1. Beseitigung der extremen Armut und des Hungers
  2. Verwirklichung der allgemeinen Grundschulbildung
  3. Förderung der Gleichstellung der Geschlechter und Stärkung der Rolle der Frauen
  4. Senkung der Kindersterblichkeit
  5. Verbesserung der Gesundheit von Müttern
  6. Bekämpfung von HIV/AIDS, Malaria und anderen Krankheiten
  7. Sicherung der ökologischen Nachhaltigkeit
  8. Aufbau einer weltweiten Entwicklungspartnerschaft

Foto 1 (2015): Schmitz & Hartmann, www.gruppenfoto.de (mit freundlicher Erlaubnis des Fotografen und des UN-Informationszentrums Bonn)
Foto 2: Anne Klinnert, epo.de

www.un-kampagne.de  
Aktueller Bericht zu den Millenniums-Entwicklungszielen