
Die knapp 117 Millionen Menschen forderten bei Demonstrationen, Konzerten, Sportveranstaltungen, Konferenzen, in Gottesdiensten, an Universitäten und bei öffentlichen Aktionen den verstärkten Kampf gegen weltweite Armut und die Umsetzung der Millenniums-Entwickungsziele der Vereinten Nationen (MDG). Aufgerufen hatten die weltweite Aktion gegen Armut (Global Call to Action against Poverty, GCAP) und die UN-Millenniumskampagne.
„Die Geschichte hat gezeigt, dass Massenproteste die Kraft haben auch große Missstände zu beenden.“ erklärte Eveline Herfkens, Gründerin der UN-Millenniumkampagne. „Dieses Wochenende sind die Stimmen gegen Armut so laut geworden, dass die Regierenden darauf reagieren müssen“. Im Vergleich zum Vorjahr hätten sich die Teilnehmerzahlen annähernd verdreifacht, was den zunehmenden Rückhalt und den Unmut in der Bevölkerung verdeutliche. „Die Finanzkrise ist keine Entschuldigung, die Armutsbekämpfung auf der politischen Agenda nach unten zu schieben“, sagte Renée Ernst, Beauftragte der UN-Kampagne in Deutschland. „Im Gegenteil, gerade jetzt gilt es zu verhindern, dass die Ärmsten der Armen auch noch die Zeche für das Missmanagement der Banken zahlen müssen.“
Die meisten Menschen konnten in Asien mobilisiert werden (knapp 73 Millionen), in Afrika waren es den Veranstaltern zufolge fast 25 Millionen, in den arabischen Staaten knapp 18 Millionen und in Europa und Nordamerika 1,1 Millionen. In Deutschland beteiligten sich offiziell 127.017 Menschen, rund 13 Prozent aller 951.788 Teilnehmer in Europa. Nur Italien mobilisierte mit mehr als 400.000 Teilnehmern mehr Menschen. Rund 140 Zeitungsartikel erschienen in den vergangenen Tagen zu „Stand Up“-Aktionen in Deutschland, vor allem in Lokal- und Regionalzeitungen.
Zahlreiche NGOs aus dem VENRO-Spektrum machten mit, entweder mit öffentlichen Aktionen oder mit „Stand Ups“ der Belegschaft. Mit dabei waren: action medeor (Tönisvorst), Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (Hannover), erlassjahr.de (Düsseldorf), Kindernothilfe (Duisburg), PLAN (Hamburg), SODI (Berlin), World Vision (Friedrichsdorf) sowie die Teams von DSGA und VENRO in Berlin, gemeinsam mit den Kollegen von Misereor, ÖNZ und ONE.
Außerdem fanden Aktionen statt in den Weltläden in Lübeck, Wilster (Schleswig-Holstein) und Berlin-Pankow und bei der Weltladenkonferenz in Bad Homburg. Auch die KLJB-Gruppe in Oldenburg, die KSJ in Köln, BDKJ in Berlin und weitere katholische Jugendgruppen beteiligten sich.
Bei der zentralen deutschen „Stand Up“-Aktion der UN Millenniumkampagne am Potsdamer Platz in Berlin standen rund 1.000 Menschen auf, unter ihnen Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD). In einer Talkrunde hatten zuvor Rita Süssmuth, Jacob von Uexküll (Initiator des alternativen Nobelpreises) und andere über Armutsbekämpfung diskutiert.
Auf den Philippinen hatten das Bildungsministerium, Universitäten und lokale Verwaltungen 35 Millionen Menschen mobilisiert. Auch tausende Fischer demonstrierten für Nahrungsmittelsicherheit. In Pakistan nutzen Kleinbauern ebenfalls die Gelegenheit, um gegen die gestiegenen Nahrungsmittelpreise zu demonstrieren.
Im indischen Dorf Badarpur Khadar standen 700 Menschen auf, als die erste Schule des Dorfes eröffnet wurde. In Jigawa, Nigerias ärmster Provinz, forderten 20.000 Menschen von der Regierung Programme zur Stärkung der Rolle der Frauen durch Bildungs- und Mikrofinanzierungsprogramme.
In Jakarta und anderen Städten Indonesiens beteiligten sich mehr als 450.000 Muslime nach dem Freitagsgebet an der Aktion. 600.000 Schülerinnen und Schüler in den Palestinensergebieten West Bank und Gaza forderten mehr Bildung.
Tausende Menschen im Flüchtlingscamp in Baidoa, Somalia, forderten Verbesserungen ihrer Situation. In Großbritannien und den USA fanden zahlreiche Aktionen im Rahmen von Gottesdiensten statt, in Warschau (Polen), Singapur und Nigeria standen Konzerte unter dem Motto “Stand Up”.
Im Westen Kenias pflanzten tausende Frauen im Rahmen des “Stand Ups” Bäume als Zeichen ihres Kampfes gegen Klimawandel und für bessere Umweltbedingungen.
-> Globale Webseite (UNMC/GCAP): http://www.standagainstpoverty.org
-> Zentrale deutsche „Stand Up“-Webseite (UNMC): www.stelldichgegenarmut.de
-> Fotoseite von Aktionen weltweit: www.flickr.com/photos/standagainstpoverty
-> Fotoseite von Aktion in Deutschland: www.flickr.com/photos/standupgermany
Foto: Stand Up Event in Bonn © UNRIC




