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Welt-Aids-Tag: Mehrheit der HIV-Infizierten bleibt sich selbst überlassen

Berlin (epo). – Trotz Fortschritten in der Behandlung von Menschen mit HIV/Aids haben noch immer zu wenige Patienten in ärmeren Ländern Zugang zu lebenswichtigen Medikamenten. Die Geberländer und die Regierungen der betroffenen Staaten müssten mehr Geld in den Kampf gegen die Erkrankung investieren und nationale HIV/Aids-Programme ausweiten, forderte die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen anlässlich des Welt-Aids-Tages am 1. Dezember. Die große Mehrheit der HIV-Infizierten werde überhaupt nicht behandelt, kritisierte die Ärzte-Organisation.

Ärzte ohne Grenzen behandelt nach eigenen Angaben derzeit 23.000 Menschen in 27 Ländern mit antiretroviralen Medikamenten. Nach wie vor gebe es aber viel zu wenige Behandlungsangebote, kritisierte die Organisation. Laut UNAIDS hätten im Juni 2004 nur etwa 440.000 Menschen in ärmeren Ländern Zugang zu Medikamenten gegen HIV/Aids gehabt. „Angesichts der Tatsache, dass rund sechs Millionen Menschen umgehend eine Behandlung bräuchten, hat die internationale Gemeinschaft trotz aller Anstrengungen versagt. Außerhalb der wenigen Kliniken und Gesundheitszentren, die antiretrovirale Medikamente anbieten, bleiben die Kranken sich selbst überlassen“, sagte Tido von Schön-Angerer.

In den Projekten der Organisation erhalten die Patienten generische Kombinationspräparate, in denen drei Medikamente in einer Tablette enthalten sind. Die Tabletten müssen nur zwei Mal am Tag eingenommen werden, was die Behandlung vereinfacht. Durch kostenlosen Zugang sowie Schulungen über die Krankheit und die richtige Einnahme der Tabletten ist die Zahl der Therapieabbrecher laut Ärzte ohne Grenzen nicht höher als in Industrieländern. Dies sei besonders wichtig, um Resistenzen der Viren gegen Medikamente zu vermeiden.

„Es reicht nicht aus, nur Tabletten auszuteilen, um Leben zu retten“, sagte Sebastian Weber, Leiter der Projekte von Ärzte ohne Grenzen in Nigeria. „Jedes Programm, das den Patienten nicht vermittelt, wie wichtig es ist, die Therapie konsequent durchzuführen, ist zum Scheitern verurteilt.“

Aus Sicht von Ärzte ohne Grenzen ist die Lücke in der Behandlung von Menschen mit HIV/Aids eine gewaltige medizinische und humanitäre Herausforderung. Forschung und Entwicklung müssten auf die Bedürfnisse der Menschen mit HIV/Aids in ärmeren Ländern ausgerichtet werden, um eine zunehmende Vereinfachung der Therapie zu ermöglichen. Weitere kostengünstige Kombinationspräparate würden dringend gebraucht.

 Ärzte ohne Grenzen

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